Reußenberg Lkw-Kontrolle an der A6

Reußenberg / Norbert Acker 26.07.2018
Bei einer großen Kontrolle gehen der Polizei auf der A 6 einige Verkehrssünder in die Falle. Bemängelt werden unter anderem defekte Bremsen, unkorrekte Frachtpapiere oder überladene Fahrzeuge.

Langsam fährt ein Streifenwagen der Polizei auf den Parkplatz Reußenberg auf der A 6 in Fahrrichtung Heilbronn. Es folgt ein mit Metalltanks beladener Sattelzug mit osteuropäischem Kennzeichen. Das Polizeifahrzeug hält an einem Transporter, der Fahrer bekommt ein Blatt Papier ausgehändigt und fährt langsam weiter. Im Schritttempo folgt der Lastwagen. Er hält ein paar Meter weiter vor einer mobilen Waage, die Experten des Verkehrskommissariats Backnang in einer dafür aus der Fahrspur gefrästen Aussparung platziert haben. Denn jetzt beginnt ein umfangreicher Prüfvorgang.

Der Parkplatz hat sich seit 18 Uhr in eine große mobile Kontrollstelle verwandelt. Gemeinsam mit dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) und dem Zoll kontrolliert die Verkehrspolizeidirektion Schwäbisch Hall Lastwagen. Vor allem auf Schwerlasttransporte haben es die Beamten abgesehen. Unterstützung kommt vom TÜV, der Dekra und weiteren Experten des Landratsamts sowie des Regierungspräsidiums Stuttgart. „Schon kurz nach sechs hatten wir die erste Kontrolle“, erzählt Bernd Märkle, Pressesprecher des für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständigen Polizeipräsidiums Aalen. „Wir haben an der Landesgrenze Kontrolltrupps stehen. Diese identifizieren verdächtige Fahrzeuge und leiten sie hier auf den Parkplatz.“ Die Streifenwagenbesatzung holt sich dann als erstes eine Art Laufzettel, auf dem das weitere Prozedere protokolliert wird.

„Wem seiner ist das?“, fragt der Backnanger Hauptkommissar Felix Schmitt, bevor er mit dem Wiegevorgang eines „frischen“ Lasters beginnt. Die angesprochene Streifenwagenbesatzung meldet sich, es kann losgehen. „Wenn nach der dynamischen Verwiegung noch Unklarheiten bestehen, wiederholen wir den Vorgang mit allen Achsen“, erklärt Schmitt, während sein Kollege Andreas Brieden in einem Transporter das Wiegen auf einem Laptop überwacht. Es geht den Beamten darum, ob die tatsächliche Last mit dem in den Frachtpapieren angegebenen Gewicht übereinstimmt. „Einmal hatten wir einen Laster, der der eine Last von 389 Tonnen in den Frachtpapieren stehen hatte. Beim Wiegen stellte dann sich heraus, dass es 462 Tonnen waren“, erinnert sich Schmitt. Das habe zu einer Streckensperrung geführt. Oft seien Laster aber nicht überladen, sondern nur falsch beladen – ein weiteres Prüfkriterium bei der Kontrolle.

Der Fahrer des Lkws hat das Wiegen seines Fahrzeugs hinter sich gebracht. Jetzt geht es weiter in eine von sechs mit Absperrband abgeteilten Prüfboxen. Dort verschwinden Schmitt und seine Kollegen von der Verkehrspolizei oder vom TÜV dann auch mal fast zur Gänze unter einem Laster, Anhänger oder Reisebus. Wie gerade: Ein tschechischer Bus, der mit 53 Fahrgästen besetzt war, wird unter die Lupe genommen. „Manchmal ist es oben hui und unten pfui“, sagt Schmitt, nachdem er die Bremsen kontrolliert hat. Oft liege der Fehler eben im Detail. Das Fahrzeug muss als verkehrsunsicher eingestuft werden, die Weiterfahrt wird untersagt. Die Reise konnte zum Glück für die Passagiere jedoch nach einer kleinen Reparatur fortgesetzt werden. Eine Werkstatt hatte kurzfristig dafür geöffnet.

Den Spediteuren ans Geld

Matthias Franz steht derweil an einem anderem Lkw, der gerade untersucht wird. Der Hauptkommissar von der Verkehrspolizeidirektion Schwäbisch Hall mit Sitz in Kirchberg ist an diesem Abend Einsatzleiter. Er hat diese Art der Großkontrolle vor acht Jahren ins Leben gerufen. Mittlerweile referiert er dazu auch an der Akademie der Polizei in Freiburg. „Wir wollen mehr Sicherheit auf der Straße. Die Leute sollen einfach richtig unterwegs sein“, sagt der Beamte. Daher wolle man vor allem die Speditionsunternehmen am Geldbeutel spüren lassen, dass sie genauer auf ihre Fahrzeuge und Frachten zu achten haben. „Wir vermeiden es, ausschließlich gegen die Fahrer loszugehen“, so Franz. Es gebe rechtliche Möglichkeiten, an den Gewinn einer Fracht zu gelangen, wenn diese oder das sie transportierende Fahrzeug beanstandet wird. Ihm ist bei der gesamten Aktion vor allem die überbehördliche Zusammenarbeit wichtig: „Wir haben alle das gleiche Ziel. Toll ist es, wenn es dann Hand in Hand geht wie hier.“

Das kann Juliane Steudel vom BAG nur bestätigen. Sie steht an einem türkischen Lkw, der vom türkischen Zoll verplombt worden ist. „Die Plombe darf zum Beispiel nur der Zoll öffnen“, erklärt die Regierungsdirektorin und Leiterin der BAG-Außenstelle Stuttgart. Für ihre Behörde ist es eine Premiere bei der Schwerpunktkontrolle, ein positives Fazit zieht sie aber schon nach kurzer Zeit: „Wir kontrollieren ja grundsätzlich ähnliche Dinge wie die Polizei. Hier ist es gut, dass wir beispielsweise die Waage der Kollegen mitnutzen können.“

Für die verdienten Pausen können sich die Beamten in ein Zelt des THW zurückziehen, wo es auch Verpflegung zum kleinen Preis gibt. „Dieses Mal sind auch viele jüngere Leute von uns mit dabei“, freut sich THW-Einsatzleiterin Simone Brecht aus Pfedelbach über das ehrenamtliche Engagement des Nachwuchses. Seit 2009 unterstützt das THW die Großkontrolle, auch mit der später benötigten Beleuchtung.

Lkw um Lkw werden bis in den späten Abend von den acht Polizeiteams und Fahrzeugen von Zoll und BAG auf den Parkplatz zur Kontrolle eskortiert. Die Fahrer nehmen es gelassen, es herrscht eine konzentrierte Arbeitsstimmung. Gerade setzt ein Sattelzug vorsichtig zurück, der Trucker hupt und winkt noch einmal. Dann fährt er auf die Autobahn – bei ihm und an seinem Brummi war nichts zu beanstanden.

Die Beanstandungsquote liegt bei 87 Prozent

Bei der Kontrollaktion am Mittwoch vergangener Woche wurden insgesamt 41 Fahrzeuge und 65 Personen kontrolliert. Laut Polizei konnten zahlreiche Verstöße festgestellt werden. „Die Beanstandungsquote lag bei 87 Prozent“, sagt Bernd Märkle, Presseprecher des Polizeipräsidiums Aalen. „So wurden insgesamt 37 Anzeigen angefertigt und fast 5000 Euro an Sicherheitsleistungen erhoben.“

Besonders erwähnenswert ist die Stilllegung eines Schwertransportes aus Kroatien, der einen Mähdrescher geladen hatte. „Bei diesem Fahrzeug konnten neben Verstößen gegen die Ladungssicherung auch noch Defekte an der Bremsanlage  und Rahmenbrüche des Sattelaufliegers festgestellt werden“, so Märkle. Weiterhin sei ein bosnischer Lkw-Fahrer kontrolliert worden, der nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis war. Zudem habe sein Fahrzeug technische Mängel an der Bremsanlage aufgewiesen und die Achslast des Lkw war um 43 Prozent überschritten. „Ferner wurde von ihm ein unerlaubter Gütertransport mit einem Kurzzeitkennzeichen durchgeführt.“

Die meisten Beanstandungen gab es bei Fahrzeugen aus Osteuropa und dem Balkan. „Das liegt daran, dass deutsche Fahrzeuge ganz anderen Vorgaben und Kontrollen unterliegen“, erklärt Andreas Brieden vom Verkehrskommissariat Backnang.

Kontrolliert wurde von 18 Uhr bis 24 Uhr. Für die Beleuchtung mit Scheinwerfern sorgten die THW-Ortsverbände aus Pfedelbach und Heilbronn. noa

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