Städtebau Vorzeigeprojekt Sonnenhof-Umgestaltung

Ein Blick aus luftiger Höhe vom Schulzentrum West über die Neue Reifensteige auf das Sonnenhof-Areal. Im Hintergrund sind das Baugebiet Hartäcker sowie das Gewerbegebiet West zu erkennen, rechts vom Reifenhof und Rollhof, dahinter Teurershof. .
Ein Blick aus luftiger Höhe vom Schulzentrum West über die Neue Reifensteige auf das Sonnenhof-Areal. Im Hintergrund sind das Baugebiet Hartäcker sowie das Gewerbegebiet West zu erkennen, rechts vom Reifenhof und Rollhof, dahinter Teurershof. . © Foto: xxx
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 11.01.2018
Der Sonnenhof gibt sein Inseldasein auf. Das Areal wird umgestaltet und bebaut. Das Haller Projekt findet dabei landesweit Anerkennung – und erzielt 50.000 Euro Preisgeld.

Äcker und weite Flächen prägten einst das umliegende Areal des Haller Sonnenhofs auf der westlichen Höhe der Stadt. In den 50 Jahren seit der Eröffnung hat sich dort aber einiges getan. Nicht nur, dass sich im Reifenhof Einfamilienhäuser und Geschossbauten bis zur Straßengrenze des Sudetenwegs angesiedelt haben. Auf der gegenüberliegenden Seite der Neuen Reifensteige ist vor Jahrzehnten das Schulzentrum West in die Höhe gewachsen. Am westlichen Ende des Sonnenhofareals, das mit rund 25 Hektar ähnlich groß ist wie das Schulzentrum, hat sich zuletzt vor mehr als zehn Jahren das Baugebiet Hartäcker entwickelt.

Platz für rund 500 Bewohner

Nun steht die nächste große Veränderung an – wohl die bisher gewaltigste für den Sonnenhof. Die Behinderteneinrichtung verabschiedet sich endgültig vom Inseldasein. Das Areal öffnet sich für Bürger. Mehrere Gebäude sollen entstehen, die nicht nur Bewohner des Sonnenhofs aufnehmen sollen, sondern auch Bürger der Stadt. Drei Bauabschnitte sind geplant. Am Ende sollen in mehr als zehn Jahren 200 bis 250 Wohneinheiten für rund 500 Bewohner entstehen. Sonnenhof und Stadt wachsen zusammen.

Zusammenarbeit nötig

Die Erwartungen sind groß. Hall gilt in dieser Hinsicht landesweit als Vorbild. So wurde das Projekt jüngst beim Wettbewerb „Quartier 2020“ vom Sozial- und Integrationsministerium mit einem „Sonderpreis Inklusion“ in Höhe von 50.000 Euro bedacht. Hermann-Josef Pelgrim überreichte diese Woche den symbolischen Scheck an Pfarrer Michael Werner, Vorstand des Sonnenhof-Vereins. „Der Sonnenhof öffnet sich nicht nur, sondern wird auch besiedelt. Ein großartiges Vorhaben, das landesweit Anerkennung findet“, so der Oberbürgermeister.

Werner gibt das Lob zurück. „Fast genauso wichtig wie diese Auszeichnung ist die gute Zusammenarbeit mit der Stadt.“ Auch Werner weiß: Nicht jeder Behinderteneinrichtung, die vor Jahrzehnten auf der grünen Wiese entstanden ist, ist die Stadt dermaßen entgegengewachsen. Eine nahezu einmalige  Chance.

Die Vorbereitungen laufen. Grundlage ist das Konzept der Firma Citiplan aus Pfullingen, die sich 2015 gegen zehn Mitbewerber beim Ideenwettbewerb durchgesetzt hat. Seit September 2017 trifft man sich zu einem Workshop in Hall. Beteiligt sind, so Edgar Blinzinger vom städtischen Fachbereich Jugend, Schule und Soziales, sowohl Sonnenhof als auch Stadt. Außerdem Landkreis, Heimbeirat, Angehörigenvertretung sowie Nachbarschaft und Menschen aus der Haller Bevölkerung. Noch fehlt allerdings die Anpassung des Bebauungsplans.

Vierstöckiger Bau geplant

Die erste große Veränderung soll dann an der Neuen Reifensteige, an der Ecke zum Kreisverkehr, sichtbar werden. Auf vier Etagen könnte ein großer Wohnkomplex entstehen. „Das wird ähnliche Dimensionen haben wie gegenüber die Seniorenwohnanlage Ilgenwiesen“, sagt Pelgrim. Für die ersten Bauten sind Investitionen zwischen fünf und sechs Millionen Euro angesetzt. Der Sonnenhof wolle dabei aber nicht als Wohnungsmakler auftreten, ergänzt Werner. Die Grundstücke würden veräußert und Investoren vertraglich dazu verpflichtet, das Thema Inklusion zu berücksichtigen. Die Suche nach geeigneten Partnern laufe bereits. „Wir werden bis 2019 planen und vorbereiten. 2020 könnte der Bau starten“, stellt Werner in Aussicht.

Letztlich solle sich das Areal komplett wandeln. Mehrere Kinderhäuser, die seit Beginn an stehen, müssen weichen. Die zentralisierte Infrastruktur werde aufgebrochen und dezentrale Einheiten geschaffen, was etwa die Verpflegung anbelangt.

Die größten Bedenken hätten die Angehörigen, meint Werner. „Sie tun sich noch etwas schwer mit der Öffnung, weil sie befürchten, dass für die Bewohner der Schutz wegfällt.“ Allerdings bleibe aus Rücksicht auf die Menschen etwa das Konzept des autofreien Areals bestehen.  Unangetastet bleibe auch die Schule. Sportplatz, Spielplatz und Freiflächen sollen ihren öffentlichen Charakter beibehalten und seien für jedermann nutzbar.

Neuland für alle Beteiligten

Sowohl Sonnenhof als auch Stadt begeben sich bei diesem Projekt auf Neuland. Pelgrim spricht von Konversion. „Viel Erfahrung haben wir nicht, bereits bewohnten Raum umzugestalten. Normalerweise bauen wir Siedlungen auf jungfräulichem Gelände.“ Das sei auch nicht vergleichbar mit der Umgestaltung des Solparks, wo ein ungenutztes Militärgelände umgewidmet wurde. Das weiß auch Werner: „Es gibt für so ein Vorhaben bundesweit kaum Blaupausen.“ Die gewonnene Erfahrung, so der OB, könne bei weiteren Projekten helfen. So ist etwa auch die Öffnung des Schönecks auf dem Teurershof in ähnlicher Weise geplant.

Dezentrale Wohneinheiten statt konzentrierte Areale

Das Vorhaben des Sonnenhofs hat einen rechtlichen Hintergrund. Grundlage ist die UN-Behindertenkonvention, die die Teilhabe aller am Gemeinwesen festschreibt. Diese diente unter anderem als Grundlage für das Bundesteilhabegesetz, die Landesheimbauordnung  und das Gesetz für unterstützende Wohnforen, Teilhabe und Pflege. Ziel ist, behinderte Menschen nicht auszugrenzen, sondern in der Mitte der Gesellschaft zu haben. So verfolgt nun auch der Sonnenhof das Ziel, dezentrale Wohneinheiten zu schaffen und die betroffenen Menschen nicht abgegrenzt zu konzentrieren.

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