"Nein Kasper! Hinterm Haus!"

SIM 10.12.2015

Sprachloses Staunen und ohrenbetäubendes Schreien: Unweit der Treppe vor St. Michael spielt sich am Dienstag ein Theaterstück außerhalb der Freilichtspiele ab: Die Zuschauer werden auf dem Marktplatz in ein Wechselbad der Gefühle geworfen. 45 Minuten lang legen sie ihre Köpfe in den Nacken, um auf die Bühne zu sehen - schließlich sind die wenigsten von ihnen größer als 1,50 Meter.

Eine Traube aus Kindern bildet sich zwanzig Minuten vor Beginn um das Figurentheater "Prinzessin Gisela". Die Puppenspieler Bernhard Deutsch und Gisela Datismann stellen sich erst den Kleinen vor. Danach beginnt die Aufführung. Für die Geräuschkulisse sorgt das Publikum selbst: "Da ist er!", "Die Katze ist im Waaaaald", schallt es über den Weihnachtsmarkt. "Die Kinder wissen immer mehr als die Figuren - davon lebt unser Stück", erklärt Deutsch.

Die Handlung hat alles zu bieten, was spannende Kinderstücke brauchen: einen raubeinigen Bösewicht, eine trottelige Katze als Nebendarsteller und einen Kasper mit seinem Laib Käse. Doch der Spaßvogel wurde von seinem gelben Milchprodukt getrennt. Wer hat es gestohlen?

"Oh! Die Maus!", "Nein, die Katze!"- die Kinder beschuldigen lauthals jeden, der die Kulisse betritt. Der dramatische Höhepunkt des Werks ist aber Kaspers Räuberjagd. Die Jungen und Mädchen brüllen aufgeregt: "Nein Kasper! Hinterm Haus!"

Es folgt natürlich ein Happy End. "Toll, wie der den Räuber gefangen hat", meint ein Junge. Die Puppenspieler sind genauso zufrieden: Kinder seien direkt. Auch wenn man sie nicht sehe, höre man, ob sie mitfiebern. Die Kleinen auf dem Marktplatz hat das Prinzessin-Gisela-Theater jedenfalls mitgerissen: Welches Publikum springt, klatscht und kreischt schließlich sonst - und dies nur wegen eines wiedergefundenen Käses?