„Nachts träume ich noch davon“ Leiterin des Gesundheitsamts in den Ruhestand verabschiedet

Lesen ist neben dem Klavierspiel eine der großen Freizeit-Leidenschaften Dr. Eva Königs.
Lesen ist neben dem Klavierspiel eine der großen Freizeit-Leidenschaften Dr. Eva Königs. © Foto: Foto: Bettina Lober
Michelfeld / Bettina Lober 06.11.2018
Nach insgesamt 33 Jahren beim Haller Gesundheitsamt ist Dr. Eva König in den Ruhestand verabschiedet worden.

Das mit dem Loslassen werde schon noch eine Weile dauern, meint Eva König lächelnd: „Nachts träume ich noch davon.“ Kürzlich ist die 68-Jährige als Leiterin des Haller Gesundheitsamtes verabschiedet worden. Sie hätte auch schon früher in Ruhestand gehen können, aber es war ihr wichtig, dass ihre Nachfolge gut geregelt ist. „Ich mach noch ein Weilchen weiter“, zitierte Landrat Gerhard Bauer einen typischen König-Satz in seiner Abschiedsrede.

Doch nun ist die Verlängerung der Verlängerung abgelaufen. Nach 33 Jahren beim Haller Gesundheitsamt, davon fünf Jahre als stellvertretende Leiterin und drei Jahre als Chefin, hat sie ihr Büro an ihre Nachfolgerin Dr. Pascale Welisch übergeben. „Dieses Aufräumen habe ich aber völlig unterschätzt“, sagt Eva König lachend, als sie von ihren letzten Amtstagen erzählt: „Ich habe ja einen Sammeltick“ – da sei sie um die Hilfe der Töchter doch arg froh gewesen. Die Medizinerin, die auch ein Literaturfan ist, gerne Klavier spielt und Musik hört, findet es wichtig, sich mit schönen Dingen zu umgeben – was dem Haus der Königs in Michelfeld auch anzusehen ist.

Eva König, deren Großmutter ebenfalls Ärztin war, blickt auf ein vielfältiges Berufsleben im Gesundheitsamt zurück. Wenn sie in ihrer besonnenen und strukturierten Art von der Arbeit erzählt, wird auch deutlich, mit welch großer Leidenschaft sie ihre Aufgaben verfolgte. Sie berichtet von großen Impfaktionen, etwa als vor drei Jahren plötzlich viele Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht und gesundheitlich versorgt werden mussten. Auch Herausforderungen wie das Jagstunglück bei Lobenhausen oder die Sturzflut in Braunsbach und die damit verbundenen Probleme in Sachen Wasserversorgung bleiben ihr noch lange in lebhafter Erinnerung.

„Amt“ mag nach eintönigen Aktenbergen klingen, aber: „Es war überhaupt nicht langweilig“, betont Eva König. Im Gegenteil: Die Aufgabenpalette reicht vom Trinkwasser über die Kontrolle von Badeteichen bis zu Turnhallenduschen. Sie befasst sich mit Infektionskrankheiten und Grippewellen. Es geht um Einschulungsuntersuchungen, diverse Gesundheitsgutachten, Umweltmedizin, psychiatrische Untersuchungen, Gesundheitsförderung, Prävention und vieles mehr. „Das Spannende ist, dass man sich mit so vielen unterschiedlichen Krankheitsbildern beschäftigt“, erklärt König die Faszination für ihre Arbeit. 2012 hat sie die kommunale Gesundheitskonferenz im Landkreis gegründet. Und vor ­allem: „Mir war immer wichtig, mit den Menschen direkt zu ­sprechen.“ Deshalb habe sie auf eine funktionierende Vernetzung mit allen Beteiligten viel Wert gelegt und sich viel Zeit für das Thema Personalführung genommen: „Ich bin kein Mensch, der auf Konfrontation aus ist.“ Dazu passt auch, dass sie ein persönliches, klärendes Telefonat der vermeintlich schnelleren E-Mail gerne vorzieht. Denn das hat sie auch beobachtet: „Die Hektik ist allgemein gewachsen.“ Gewiss, moderne Kommunikation habe viele Vorteile, sie beschleunigt vieles, „aber wir brauchen auch Zeit zum Nachdenken“, mahnt sie.

Dennoch findet sie Zeit fürs Ehrenamt. In ihrer Zeit als Elternbeirätin hat sie sich für die Hochbegabtenförderung stark gemacht: „Diese Kinder werden oft gar nicht beachtet.“ Und im Vorstand der Haller Bürgerstiftung hat sie auch weiterhin die För­derung junger Menschen im Blick.

Vom Niederrhein über Heilbronn und München nach Schwäbisch Hall

Dr. Eva König wurde in St. Hubert am Niederrhein geboren. Sie wuchs zunächst in Westfalen, dann in Bremen, später in Heilbronn auf, wo sie auch ihren Schulabschluss machte. Nach einer Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin studierte sie in Bochum, Lübeck, Heidelberg und München Medizin. Ihre Doktorarbeit, die sie in München schrieb, befasste sich mit dem „Schädel-Hirn-Trauma auf der Intensivstation“. Als Ärztin war sie in Oberbayern, Hamburg und München tätig, wo sie auch ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin absolvierte. Überdies hat sie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. Bei einer Psychologie-Schulung in Lindau am Bodensee hat sie ihren jetzigen Mann, den Haller Gunter König, kennengelernt. So führte ihr Weg ins Kochertal. Zehn Jahre lang hat Eva König an der Heilerziehungspflegeschule unterrichtet. 1985 begann sie beim staatlichen Gesundheitsamt in Hall, absolvierte die Zusatzausbildung zur Amtsärztin und qualifizierte sich für den höheren öffentlichen Gesundheitsdienst. Eva König brachte drei Mädchen zur Welt und legte zwölf Jahre Familienzeit-Pause ein, in der sie als Psychotherapeutin arbeitete. Die Töchter sind heute 31, 29 und 27 Jahre alt. Sie leben inzwischen in Norddeutschland, zeitweise in Südamerika, „und eine ist jetzt für ein Jahr in Australien“. Auch ehrenamtlich ist Eva König engagiert. Sie war unter anderem Gesamtelternbeiratsvorsitzende und ist im Vorstand der Haller Bürgerstiftung aktiv. Überdies nimmt die 68-Jährige seit vielen Jahren wieder regelmäßig Klavierunterricht, bewegt sich in der Natur, pflegt einen Literaturkreis und geht gerne in die Oper und ins Theater. blo

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