Schwäbisch Hall „Nachbar in Not“ hilft Braunsbacher Unwettergeschädigten unbürokratisch

Viele fleißige Hände packen im Braunsbacher Ortskern  mit an. Geholfen werden kann aber auch mit einer Spende für „Nachbar in Not“.
Viele fleißige Hände packen im Braunsbacher Ortskern  mit an. Geholfen werden kann aber auch mit einer Spende für „Nachbar in Not“. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / CORINNA JANSSEN 04.06.2016
Eine Naturkatastrophe hat Braunsbach zerstört. Jetzt zählt schnelle Hilfe, vor allem auch finanziell. Ein Weg: Spenden an „Nachbar in Not“.

Nichts ist mehr so wie es war. Von einer Sekunde auf die andere wurde aus dem Braunsbacher Ortskern ein Trümmerhaufen. Es war der Abend des 29. Mai. Ein Grollen am Himmel kündigte ein Unwetter an, dessen Ausmaß für viele Bewohner immer noch unfassbar ist. Schlamm- und Wasserlawinen fraßen sich durch Straßen und zerstörten das Hab und Gut zahlreicher Menschen. Nicht nur die Bewohner der Perle des Kochertals, wie die Einheimischen ihre Gemeinde liebevoll nennen, der ganze Landkreis steht unter Schock.

Jetzt ist Solidarität gefragt. Und diese drückt sich in vielen Varianten aus. Menschen haben Urlaub genommen, um den Betroffenen bei Aufräumarbeiten zu helfen. Aus Kellern und Erdgeschossen wird eimerweise Schlamm herausgeschafft, an anderer Stelle beseitigen Bagger Baumstämme, die die zerstörerische Schlammlawine mit sich gerissen hat. Von vielen Autos ist nur noch ein Schrotthaufen übrig. Die Erschöpfung ist den Menschen anzusehen, doch sie arbeiten weiter. Es ist ihre Heimat und die gilt es – trotz aller Verzweiflung – wieder aufzubauen.

Vielen Menschen wurden alle persönlichen Dinge genommen, ihre Häuser und Wohnungen sind so schnell nicht wieder bewohnbar oder werden es niemals mehr sein. Die Opfer brauchen finanzielle Hilfe und das möglichst schnell. „Nachbar in Not“, eine Unterstiftung der Bürgerstiftung Schwäbisch Hall, sieht sich in der Pflicht. Mit Spendengeldern will sie den Betroffenen unbürokratisch helfen. “Als Nachbar der betroffenen Gemeinde fühle ich tiefe Betroffenheit“, sagt Edgar Blinzinger vom Vergabeausschuss. Innerhalb kürzester Zeit seien vergangenen Sonntag Existenzen zerstört worden. Als Solidargemeinschaft zu helfen, dafür sei „Nachbar in Not“ nun da, betont der Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule, Soziales und Sport der Stadt Schwäbisch Hall. “Ich wünsche mir, dass ganz viele Menschen den Betroffenen das zukommen lassen, was sie geben können“, fordert er zum Spenden auf. Und er verspricht: “Alles kommt zu 100 Prozent dort an.“

Das Haller Tagblatt geht mit gutem Beispiel voran und spendet 5000 Euro an „Nachbar in Not“. „Es ist jetzt wichtig, schnell und unkompliziert zu helfen. Genau dafür wurde Nachbar in Not gegründet. Ich würde mich freuen, wenn noch viele andere spenden“, sagt Thomas Radek, Geschäftsführer des Haller Tagblatts. Zu einer Spendenaktion für Braunsbach hat die Bausparkasse Schwäbisch Hall ihre Mitarbeiter aufgerufen. “Wir hoffen, dass so für die Betroffenen eine hohe Summe zusammen kommt“, sagt Susanne Kessen vom Vorstand der Bürgerstiftung.
 

„Nachbar in Not“ gibt es seit 1998

Hilfen Vor knapp 18 Jahren entstand aus einer Zeitungsaktion, angestoßen von Haller Sozialarbeitern und dem Haller Tagblatt, die Hilfsaktion „Nachbar in Not“. Der damalige Chefredakteur Rainer Hocher und Verleger Michael Schwend waren die treibenden Kräfte. Bis November 2008 konnten insgesamt 245.000 Euro Hilfsgelder in rund 1400 Fällen weitergegeben werden. Dann schlüpfte die Initiative als Unterstiftung unter den Mantel der Haller Bürgerstiftung für junge Menschen. Seither wurden in 803 Fällen über 101.244 Euro verteilt. Das Haller Tagblatt berichtet in den kommenden Wochen von Braunsbacher Schicksalen.

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