Nachdem die Teilnehmer der Baustellenführung den Außenbereich gesehen, die Katakomben durchschritten und die Treppen erklommen haben, führt sie Dramaturg Florian Götz auf den obersten Rang. Der Blick schweift über die 370 Sitze im Rundbau. Unten auf der Bühne wird für Shakespeares „Was ihr wollt“ geprobt.

Götz fragt: „Na, ein Gänsehautmoment?“ Die Teilnehmer der Führung blicken herab und nicken. „Es ist viel schöner, als ich dachte“, freut sich Yvonne Baumgartner (29) aus Schwäbisch Hall. Auch Stefan Schütte, der aus Bielefeld stammt und seit Kurzem in Michelbach wohnt, findet anerkennende Worte: „Ich kenne das alte Globe nicht. Das ist schon imposant hier. Von jedem Platz aus hat man eine wunderbare Sicht auf die Bühne. Und es wirkt alles sehr modern.“

Eng getaktet

Kein Wunder. Alles ist neu. Handwerker und Schauspieler geben sich die Klinke in die Hand. „Wir sind in der dritten Probenwoche“, erläutert Götz. Täglich üben die Schauspieler von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 22 Uhr. In der Zeitlücke dazwischen installieren Handwerker die letzten Elektroanschlüsse und befestigen Leisten. Ein Fenster hat bereits einen Sprung. Nachdem die Eröffnung um ein Dreivierteljahr verschoben wurde, sei der aktuelle Premierentermin, der 30. März, nicht in Gefahr. „Normalerweise kommen die Schauspieler erst eine Woche vor der Aufführung in das Theater. Wir sind das Improvisieren gewöhnt“, beruhigt Götz eine Fragenstellerin.

Er erläutert die Nachteile des alten hölzernen Rundbaus: Eigentlich sollte es nur ein Jahr lang bespielt werden. Es wurden 16 daraus. Für den „fliegenden Bau“ musste stets eine neue Betriebsgenehmigung eingeholt werden. In die Umkleideräume im Keller – ein Relikt aus der ehemaligen Gartenschau-Muschel – drang Wasser ein. Es schimmelte dort. Säulen waren den Zuschauern im Weg, die auf harten Bänken saßen. „Das alte Globe-Theater wurde dennoch sehr gut angenommen“, resümiert Götz. „Es war nicht so schön“, kontert eine Teilnehmerin der Führung sofort.

Obwohl er in der Zeit der stressigen Vorbereitungen etwas ermüdet wirkt, kann Götz die Vorzüge des neuen Theaters mit Begeisterung vortragen. Ein Balkon über dem Kocher lade als „Ort für das erste Date“ ein. Die Bühne könne hinten geöffnet werden, sodass man sie für Zuschauer auf dem Vorplatz bespielen kann. Dabei dient auch der Balkon entweder als Bühne oder als Aufenthaltsort für die Pausen.

Auf der einen Seite wirke das Gebäude transparent, auf der anderen mit dem Muschelkalk undurchlässiger. Es gebe endlich ein gutes Lager für Requisiten, eine für Zuschauer verborgene Wendeltreppe für Schauspieler. Balkone für Beleuchter könnten auch von Schauspielern genutzt werden. Bei Bedarf werde das Dach geöffnet oder das Theater beheizt.

„Ich bin auf die Akustik gespannt“, meint Stefan Schütte. „Ich bin beeindruckt“, sagt Jutta Brüllke (50) aus Crailsheim. „Das ist um Welten besser als das alte Globe. Die Crailsheimer wollen seit Jahren eine Stadthalle. Hier sieht man, wie es geht.“

Erste Vorstellungen fast ausverkauft 


Am 29. März öffnet der neue Theaterbau der Freilichtspiele Schwäbisch Hall mit einer Gala (geschlossene Gesellschaft) erstmals seine Glastüren. Am 30. März wird mit Shakespeares „Was ihr wollt“ die erste Premiere im Neuen ­Globe gefeiert. Sie ist bereits ausverkauft.

Kaum noch Karten gibt es für die weiteren Aufführungen im vorgezogenen Element der Spielzeit, das am 6. April endet. Wer das Neue Globe als einer der Ersten erleben will, muss sich sputen: www.freilichtspiele-hall.de. Am 22. Juni startet die Saison auf der Großen Treppe mit dem Jedermann.

Über Shakespeares „Was ihr wollt“ hinaus, das ab Juli erneut zu sehen ist, werden weitere Stücke im Neuen Globe präsentiert: das Kinderstück „Der Zauberer von Oz“, die musikalische Komödie „Ewig Jung“, die Theaterperformance „Lost & Found“ des Essener Ensembles TOBOSO und „Mythos Marlene“. Der Theaterspaziergang „Williams weite Welt“ führt die Zuschauer auf den Spuren Shakespeares rund ums Neue Globe, teilen die Freilichtspiele mit.

Die Freilichtspiele definieren den Bau so: „Das Neue Globe ist ein mehrstöckiges, regen­sicheres und temperierbares Freilichttheater mit zahlreichen Bespielmöglichkeiten, das insgesamt 370 Zuschauern Platz bietet.“

Dem heutigen Bauwerk war ein jahrelanger Diskussionsprozess vorausgegangen über die Art der Ausführung und den Standort. Zuletzt kam das Projekt in die Schlagzeilen, da die Baukosten von 5,2 auf rund 9,5 Millionen Euro gestiegen waren und die Fertigstellung vertagt wurde.