Hall/Berlin „Musste mal weiterziehen“

Ekki Busch hat sich als Teilzeit-Haller im Kochertal stets wohlgefühlt. Und er hadert keineswegs damit, heuer nicht bei den Freilichtspielen in Hall mitzumischen. Auch in Berlin gibt es für ihn allerhand zu tun.
Ekki Busch hat sich als Teilzeit-Haller im Kochertal stets wohlgefühlt. Und er hadert keineswegs damit, heuer nicht bei den Freilichtspielen in Hall mitzumischen. Auch in Berlin gibt es für ihn allerhand zu tun. © Foto: Archiv/blo
Hall/Berlin / Bettina Lober 18.08.2018
Erstmals nach 14 Jahren ist Mister Theaterspaziergang Ekki Busch nicht bei Freilichtspielen. Aber er kommt zu Besuch.

Ein Haller Freilichtspiele-Sommer ohne Ekki Busch? Das hat es in den vergangenen 14 Jahren nicht gegeben. Als Mister Theaterspaziergang hatte sich der Vollblutmusiker in zwölf Sommern fest etabliert. Auch im vergangenen Jahr, als das Theaterspaziergang-Format pausierte, war Busch als musikalischer Leiter und Bandleader in Hall für die Revue „Blue Moon“ im Theaterzelt mitverantwortlich. Zudem hat er den Meister Gepetto im Kinderstück „Pinocchio“ verkörpert.

„Es geht mir sehr gut“

Doch diesmal gehört er nicht zum Ensemble in Schwäbisch Hall – „und ich habe zum ersten Mal seit Langem im Sommer einen regelmäßigen Tagesablauf und kann auch wieder lange durchschlafen“, sagt Ekki Busch, „es geht mir sehr gut.“ Das klingt fast ein bisschen erleichtert. Speziell in den vergangenen drei Jahre sei der Haller Sommer doch sehr anstrengend für ihn gewesen, räumt der musikalische Tausendsassa ein: „Es war einfach viel Arbeit, und die Personaldecke ist eher dünner geworden.“

Es ist aber auch nicht so, dass Busch jetzt in Berlin, wo er seit mehr als 30 Jahren lebt, Arbeitsferien hätte. Im Gegenteil. In den vergangenen Wochen hat Ekki Busch viel Zeit mit der Band Element of Crime im Studio verbracht. Die Truppe um den Mitbegründer und Bestsellerautoren Sven Regener bringt im Oktober ein neues Album heraus. „Wir bereiten die Promo-Tour vor und spielen demnächst auf Festivals, zum Beispiel in Potsdam, Dresden und Halle“, erzählt Ekki Busch. Überdies stehe eine Aufzeichnung für 3sat an, und für die ARD-Sendung „Inas Nacht“ sei wohl auch ein Auftritt geplant. Bereits im Mai trat der 54-Jährige mit Element of Crime in der Hamburger Elbphilharmonie auf. Allerdings konnte ihn der Bau kaum begeistern: Die Architektur empfindet er als angeberisch, das Gebäude als Hochsicherheitstrakt und das akustische Konzept wenig überzeugend. „Das war der längste Soundcheck meines Lebens, vier Stunden“. Buschs ernüchterndes Elphi-Fazit: „Das hätte man sicher einfacher, billiger und schöner haben können.“

In seiner Wahlheimat Berlin hat Ekki Busch auch noch anderweitig zu tun: Er unternimmt Radstadtführungen, oftmals mit Schülern entlang der ehemaligen Berliner Mauer, oder er führt Gruppen durch den Reichstag.

Wichtiger Lebensabschnitt

Dass er in diesem Sommer nicht in Hall arbeite, lässt ihn nicht hadern: „Nein, nein. Natürlich ist Schwäbisch Hall ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben. Ich war ja auch mal in Hall liiert.“ Der Berliner hat sich im Kochertal immer wohl gefühlt. Er mochte es, mit einem ganz anderen Schlag Menschen zu tun zu haben als an der Spree. „So schön das alles war, nun sollen aber auch mal andere ran. Ich musste jetzt einfach mal weiterziehen.“ Das gehört halt zum Künstler-Leben dazu.

Zu Hall pflegt Busch auch weiterhin Kontakt – und kommt jetzt übers Wochenende zu Besuch. Natürlich interessieren ihn die Freilichtspiele. Und er freut sich, dass es auch wieder einen Theaterspaziergang gibt. „Den schaue ich mir natürlich an – das kann ich den Kollegen nicht ersparen“, frotzelt er lachend. Und wieder geht’s um Shakespeare: „Das war auch bei meinem ersten Theaterspaziergang 2005 das Thema. Ist doch toll.“

Musikalischer Tausendsassa

Ekki Busch wird am 14. Februar 1964 in Heidelberg geboren. Im westfälischen Münster, wo er aufwächst, erhält er eine „kirchenmusikalische Grundausbildung“ – als Jugendlicher erhält er Orgelunterricht, spielt Klavier und singt im Chor. In Sachen Akkordeon ist Busch Autodidakt. Nach dem Abitur studiert er Musikwissenschaften, zudem absolviert er eine Toningenieur-Ausbildung. Seit 1985 lebt er in Berlin. Bereits während des Studiums hat er erste Theaterjobs als Musiker an Off-Theatern in Berlin. Seit 1990 ist er immer wieder Keyboarder und Akkordeonist bei der Band Element of Crime. Von 2004 bis 2017 war er jeden Sommer bei den Freilichtspielen Hall aktiv – sei es als Hans Cykowski in beiden Teilen der „Comedian Harmonists“ auf der Treppe oder auch in zahlreichen Familienstücken. Von 2005 an führte er zwölf Spielzeiten lang mit seinem Akkordeon die Gäste durch den Theaterspaziergang. Diesen Sommer arbeitet Ekki Busch in Berlin. Unter anderem bereitet er mit Element of Crime eine Promo-Tour für die neue CD „Schafe, Monster und Mäuse“ vor, die am 5. Oktober erscheinen soll. Zudem leitet er Fahrrad-Stadtrundfahrten durch Berlin. Busch ist geschieden und Vater einer 17-jährigen Tochter. blo

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