Medizin „Man fühlt sich wie erschlagen“

Dr. Annette Haman mit dem Plakat zur Infoveranstaltung.
Dr. Annette Haman mit dem Plakat zur Infoveranstaltung. © Foto: Maya Peters
Maya Peters 03.01.2018
Im Diak wird es zur konventionellen Therapie für Onkologiepatienten auch Sprechstunden für Naturheilkunde und Komplementärmedizin geben.

Wir wollen die Lebensqualität unserer Patienten verbessern. Deshalb wird es neben der medizinischen Behandlung von Krebs bei uns das Angebot zur Naturheilkunde und Komplementärmedizin geben“, erläutert der Chefarzt der Onkologie am Diak, Dr. Thomas Geer. Während die Alternativmedizin konventionelle Therapien wie Chemotherapie oder Bestrahlung ersetzen wolle, habe die komplementäre Medizin das Ziel, etablierte Behandlungen zum Wohl der Patienten zu ergänzen, unterstreicht Geer. In seiner Abteilung werden rund 1500 Krebspatienten jährlich behandelt. Die Krebstherapie bringe zahlreiche unangenehme Nebenwirkungen mit sich, verdeutlicht der Mediziner.

„Man kann beispielsweise durch Homöopathie die Beschwerden lindern und Selbstheilungskräfte aktivieren“, berichtet Dr. Annette Haman, Fachärztin für Innere Medizin und Homöopathie bei der Informationsveranstaltung. Ab Januar bietet sie an drei Vormittagen im Robert-Dürr-Haus – in direkter Nachbarschaft zur Station von Dr. Geer – ihre Sprechstunde an. Ermöglicht wurde das Pilotprojekt durch einen privaten Stifter, der anonym bleiben will.

Jeder Patient sei individuell, unterstreicht Haman. Für die Erstanamnese werde sie sich Zeit nehmen. „Dabei stelle ich Ihnen viele Fragen, die Sie so aus der Schulmedizin nicht kennen“, erklärt sie. Ihr Angebot werde allerdings von gesetzlichen Kassen oft nicht bezahlt, bedauert die Ärztin. Eine Stunde koste 101,41 Euro. Angewandt würden nur Therapien und Methoden, bei denen durch Studien bereits Nachweise für ihre Wirksamkeit erbracht worden seien.

Man unterteile die Krebserkrankung allgemein in drei Phasen. Nach der Diagnose müsse ein Patient erst das Trauma und den Schock überwinden, damit Gelassenheit und Ruhe einkehren könnten. „Man fühlt sich wie erschlagen, denkt an den Tod, ist zornig oder hat großen Kummer“, versucht Haman die Gefühle der Patienten in der ersten Phase zu beschreiben. Dazu nennt sie verschiedenen homöopathische Mittel, die sich bewährt hätten. Während der konventionellen Therapie aus Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung ginge es dann darum, die Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schmerzen oder „Fatigue“ (übermäßige Erschöpfung) zu verringern. Auch dagegen empfiehlt sie Globuli, aber auch Hausmittel wie Ingwerwasser und vor allem: Bewegung und gesunde Ernährung. In der dritten Phase schließlich müsse sich der strapazierte Organismus wieder stabilisieren. Dabei gebe sie Anleitung zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil, zur „Mind-Body Medizin“. „Holen Sie sich Unterstützung, gehen sie ihren Weg nicht alleine“, rät sie nachdrücklich allen Patienten.

In Zukunft mehr Angebote

„Ich habe ganz tolle Leute unter den Kollegen gefunden“, freut Haman sich. In Kooperation mit verschiedenen Abteilungen des Diaks werden den Krebspatienten zukünftig mehr Angebote gemacht, um den Therapieerfolg zu verbessern. Dazu stellen sich auch die Klinikseelsorger vor. Entspannung- und Achtsamskeitsübungen werden bei der Infoveranstaltung ebenso gezeigt wie alltagstaugliches Training. „Eine aufrechtere Haltung macht viel aus in der Wahrnehmung eines kranken Körpers und sorgt so für glücklich machende Endorphine, die ebenfalls den Kampf gegen Krebs unterstützen“, erläutert Physiotherapeutin Nicole Heetveld. Besonders Ausdauersport senke den Blutzuckerspiegel. „Da sich alle Krebszellen von Zucker ernähren, wird ihnen so die Grundlage entzogen“.

Schätzungsweise 90 Prozent seiner Patienten würden neben der Behandlung in der Klinik zusätzlich etwas einnehmen, oft auch auf Druck von Außen, so Chefarzt Thomas Geer. „Die meisten Sachen sind völlig harmlos“, beurteilt er. „Gegen Krebs wirken sie nicht direkt, doch sie können das Allgemeinbefinden verbessern.“

Die Wechselwirkungen mit der primären Tumortherapie dürften dennoch nicht unterschätzt werden und sollten mit dem behandelten Arzt abgesprochen werden. „Frau Dr. Haman ist eine ausgebildete Medizinerin, die zum Wohl unserer Patienten wirken wird“, freut sich Geer deshalb auf die Zusammenarbeit mit der Kollegin im Onkologischen Zentrum Hohenlohe.

Ergänzung zur konventionellen Behandlung

Als Komplementärmedizin werden Behandlungsmethoden bezeichnet, die ergänzend zur konventionellen Medizin eingesetzt werden. Etwa 300 Verfahren gebe es, so Dr. Annette Haman, die derzeit eine Weiterbildung zu Naturheilverfahren am Klinikum Essen macht. Dazu gehören Homöopathie, Akupunktur, Mistelextrakte, Enzyme, Vitamine, Spurenelemente, orthomolekulare Medizin, Hyperthermie, traditionelle chinesische Medizin, Ayurveda, mikrobiologische Therapien, Bachblüten, Schüßlersalze, Klimatherapie oder Pflanzenheilkunde. Komplementärmedizin kann den Krebs zwar nicht alleine heilen, hat jedoch – richtig angewandt und individuell ausgewählt – Potential, den Therapieerfolg zu fördern. Aber: Die komplementären Heilmethoden reichen bis hin zu schillernden Heilversprechen von Scharlatanen, manche Mittel richten gar Schaden an. Da ist guter Rat wichtig, den das Diak mit dem Angebot „Komplementärmedizin und Naturheilkunde“ anbietet. Dabei bleibt die Onkologie durch die Besetzung der Stelle mit einer Fachärztin und den engen Schulterschluss mit den Fachabteilungen wie der Psychoonkologie oder dem Therapiezentrum seriös.

Termine für Sprechstunden für onkologische Patienten können über E-Mail (annette.haman@dasdiak.de) vereinbart werden. may