Vellberg „Kunst darf Spaß machen“

Werner und Anna Steinle arbeiten gemeinsam an ihrem Bild.
Werner und Anna Steinle arbeiten gemeinsam an ihrem Bild. © Foto: Andreas Harthan
Vellberg / SIGRID BAUER 13.07.2016
Vater und Tochter, beide zeichnen gern – warum also nicht für die Straßengalerie ein gemeinsames Werk schaffen? Eines, in dem sich auch ihr Humor zeigt.

Ein großer weißer Tisch, Buntstifte, Radierstifte und ein circa 60 mal 100 Zentimeter großer Zeichenkarton, auf dem zwei bunte Fantasiegestalten aneinander Gefallen finden. „Wir zeichnen gemeinsam ein Blatt, auf dem sich unsere gestaltgewordenen Einfälle begegnen. Das war unser erster Impuls zum Thema Begegnung der diesjährigen Straßengalerie“, erklärt  Werner Steinle.

Mekakahaku heißt sein Wesen mit Beinen vom Mensch, dem Rumpf eines Kamels, dem Schwanz einer Katze, dem Kopf einer Kuh und dem Kamm eines Hahns. „Erst dachte ich, es wird ein Pferd, dann hat der Körper ein Giraffenmuster bekommen und dann auch noch Kamelhöcker“, schildert Vater Steinle die Entstehungsgeschichte. Bildende Kunst dürfe auch Spaß machen, meint er und: Es gehe ihm nicht darum, für die Straßengalerie große Kunst zu machen.

Anna und ihr Vater haben Spaß beim Zeichnen, das strahlen ihre Figuren aus: Genauso wie unübersehbar ist, dass die beiden Fantasiewesen sich mögen, auch wenn Annas Tidrazewo  (TigerDracheZebraWolf) noch nicht ganz fertig ist. Einander zugewandt sind sie zwar verschieden, aber doch „gleichwertig als Kreaturen humoriger Vorstellungskraft“, schreibt der 62-jährige Lehrer im Ausstellungskatalog der Straßengalerie. Die Zeichnung stehe aber auch für ernste Aspekte: Er sieht sie als Plädoyer für Offenheit gegenüber Fremden. „Die beiden haben kein Problem miteinander, obwohl sie so anders sind“, stellt er klar.

„Beide tragen ein Schmuckstück, deiner einen Ohrring und meiner einen Anhänger um den Hals. Und beide haben grüne Augen, obwohl  jeder für sich sein Wesen entworfen hat“, fällt Anna auf. Zeichnen findet die 15-Jährige cool und auch entspannend. Oft zeichnet sie zusammen mit ihrem Vater. „Oder ich zeichne und er schaut Fußball“, erzählt sie und lacht.

Für so ein Werk ist Ausdauer und Geduld gefragt. Zunächst hat jeder für sich einen Entwurf gefertigt. Damit die zwei Kreaturen gut zusammen auf ein Bild passen, haben die beiden einen Overheadprojektor zu Hilfe genommen und den Umriss der Figuren in der richtigen Größe auf den weißen Zeichenkarton übertragen. Dann ging es an die Feinarbeit mit Buntstiften, denn erst sie haucht den Gestalten Leben ein. Kaum zu glauben, wie mit normalen Buntstiften so eine ausdrucksvolle Zeichnung entstehen kann. Wichtig sind Schattierungen, die die Gestalten dreidimensional wirken lassen. „Entweder man spart helle Stellen aus oder man nimmt später mit dem Radierstift Farbe weg“, erklärt Werner Steinle. Anna zeigt die Technik an ihrem grauen Wolfskopf, der zunächst flach wirkt, aber durch helle Bereiche, die sie mit einem Radierstift erzeugt, plötzlich plastisch wird.

Damit die Zeichnung  für die Open-Air-Ausstellung wetterfest ist, wird sie laminiert. Anna und Werner Steinle hoffen, dass die Betrachter Freude und Spaß an dem Vater-Tochter-Projekt haben.

Ideen und Themen

Kunstprojekt Steinle und Schüler

Mit seiner 10. Klasse hat der Kunstlehrer soziale Erscheinungen der Pubertät verfremdet dargestellt: Die Schüler haben eingefrorene Szenen zu Themen wie Mobbing, Gewalt, Smartphonesucht, Begegnung mit Fremden und Freundschaft gestellt, die Steinle in 20 bis 30  Einzelfotos zerlegt hat. Zusammengefügt wirken die Schwarz-Weiß-Fotos durch die zwangsläufig erzeugten Versetzungen künstlich, distanziert und surreal. Coloriert mit „Spitzerdreck“ verstärkt die Farbe die Wirkung auf den Betrachter.

Kunstprojekt Anna Steinle

Ein bunt-fröhliches Museum der Pokemons hat Anna mit Farbstiften geschaffen. Mitten drin im Raum der Fantasie läuft sie selber auf Händen und verbiegt sich zur Brücke. Ein Bild mit ungeheurer Tiefenwirkung.

Straßengalerie Bürgermeisterin Ute Zoll freut sich auf die 11. Straßengalerie. „Es ist für mich immer wieder überraschend, wie die Künstler die Themen umsetzen. „Begegnung“ – das passt zur aktuellen Situation. Schön ist auch, dass Flüchtlingskinder an einem Kunstprojekt teilnehmen“, sagt sie. Die 11. Vellberger Straßengalerie, bei der 20 Künstler ihre Werke präsentieren, wird am Sonntag, 17. Juli, um 11 Uhr eröffnet.

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Kunstprojekt Steinle und Schüler

Mit seiner 10. Klasse hat der Kunstlehrer soziale Erscheinungen der Pubertät verfremdet dargestellt: Die Schüler haben eingefrorene Szenen zu Themen wie Mobbing, Gewalt, Smartphonesucht, Begegnung mit Fremden und Freundschaft gestellt, die Steinle in 20 bis 30  Einzelfotos zerlegt hat. Zusammengefügt wirken die Schwarz-Weiß-Fotos durch die zwangsläufig erzeugten Versetzungen künstlich, distanziert und surreal. Coloriert mit „Spitzerdreck“ verstärkt die Farbe die Wirkung auf den Betrachter.

Kunstprojekt Anna Steinle

Ein bunt-fröhliches Museum der Pokemons hat Anna mit Farbstiften geschaffen. Mitten drin im Raum der Fantasie läuft sie selber auf Händen und verbiegt sich zur Brücke. Ein Bild mit ungeheurer Tiefenwirkung.

Straßengalerie Bürgermeisterin Ute Zoll freut sich auf die 11. Straßengalerie. „Es ist für mich immer wieder überraschend, wie die Künstler die Themen umsetzen. „Begegnung“ – das passt zur aktuellen Situation. Schön ist auch, dass Flüchtlingskinder an einem Kunstprojekt teilnehmen“, sagt sie. Die 11. Vellberger Straßengalerie, bei der 20 Künstler ihre Werke präsentieren, wird am Sonntag, 17. Juli, um 11 Uhr eröffnet.