Berlin/Hall / dpa/buf  Uhr
Seit sieben Jahren kämpft Benjamin Wollmershäuser gegen Darmkrebs. Im Internet macht der Haller anderen Betroffenen Mut. Dafür erhielt er jetzt einen Ehrenpreis.

„Die Einladung ist schon ’ne ganze Weile her, da bin ich hier quasi auf- und abgesprungen vor Freude“, schrieb Benjamin Wollmershäuser aus Schwäbisch Hall am 9. Mai auf seiner Facebook-Seite. Danach hagelte es mehr als 100 Kommentare von Menschen, die seine Einträge im sozialen Netzwerk verfolgen. „Voll verdient!“, schreibt zum Beispiel Userin Michaela Lingnau. „Glückwunsch und Bravo, du unermüdlicher Kämpfer“, postete Beatrix Bokhoven-Bolliger.

Die Felix-Burda-Stiftung würdigte am vergangenen Sonntag zum 15. Mal herausragende Projekte zur Darmkrebsvorsorge mit dem Felix-Burda-Award. Berührendster Moment der Gala in Berlin: der Auftritt des unheilbar an Darmkrebs erkrankten Benni Wollmershäuser. Er erhielt den erstmals verliehenen Sonderpreis „Ehrenfelix“ für seine „mutmachenden Beiträge im Internet“, wie die Jury mitteilt. Die Felix-Burda-Stiftung ist nach einem Sohn des Verlegers Hubert Burda benannt. Er starb 2001 mit 33 Jahren an Darmkrebs.

Benni Wollmershäuser, 27 Jahre alt, muss sich schon seit er 20 Jahre alt war mit seiner tödlichen Krankheit auseinandersetzen. Der gebürtige Schrozberger ist von den Operationen und der langen Chemotherapie gezeichnet. Und er weiß, dass er an dieser Krankheit sterben wird. Dass er auch in schweren Zeiten nie den Mut verloren hat, liegt an der Unterstützung durch Menschen, die ihm nahestehen – an erster Stelle seine Frau Sabrina. „Ich bin unendlich froh, dass sie immer bei mir war und alles mitgemacht hat“, sagte Benni Wollmershäuser dem Haller Tagblatt 2014.

Bei dem Gala-Abend im Berliner Hotel Adlon vergab Model und Schauspielerin Sophia Thomalla im Namen der Felix-Burda-Stiftung den „Ehrenfelix“ an Benni Wollmershäuser.

Wie Felix Burda, der 2001 verstorbene Namensgeber der Stiftung, lässt auch der Haller sich von seiner Darmkrebs-Erkrankung nicht abhalten, sich für andere stark zu machen. Vor allem durch seine Social-Media-Aktivitäten und sein positives Wesen hat er sich im Internet einen Namen gemacht. „Mit Humor gegen Tumor“ ist sein Motto.

300 Gäste feiern mit

Christa Maar, Gründerin und Vorsitzende der Felix-Burda-Stiftung, ließ die letzten 15 Jahre Revue passieren. „Inzwischen ist der Felix-Burda-Award erwachsen und zu einem wichtigen Präventionspreis geworden. Es gibt viele wichtige Themen, aber Darmkrebsvorsorge ist ein besonders lohnendes“, sagte sie. Moderiert wurde die Preisverleihung mit etwa 300 Gästen aus Wissenschaft, Film, Politik und Kultur von der Komikerin Hella von Sinnen. Zahlreiche Prominente wie Verona Pooth, Erol Sander, Wolfgang Stumpf, Paul Breitner und Mariella Ahrens feierten bei der glamourösen Gala im Hotel Adlon in Berlin mit.

Benni Wollmershäuser, der gestern telefonisch nicht erreichbar war, fütterte Facebook fleißig mit Fotos und Videos. Ein 13-minütiges Video postete er noch in der Nacht der Preisverleihung. Darunter der Satz „So, jetzt sind wir wieder auf dem Zimmer. Es war megasupercooool! Wir sind beide ziemlich k.o.“ „Du hast ein sehr sonniges Gemüt. Wo nimmst du die Kraft her? Sind das die Gene?“, fragte Hella von Sinnen Benni Wollmershäuser auf der Bühne. „Eher Papa“, antwortete der 27-Jährige. Seine Mutter starb am Sonntag vor vier Jahren. Sie hatte ebenfalls Darmkrebs. Benni ist Stoma-Träger. Er hat also einen künstlichen Darmausgang. Damit geht er offen und tabulos um. „Krebs ist nicht nur Kotzen mit Glatze“, ist ein typischer Satz von ihm.

Seine Nacht im Doppelzimmer scheint er ebenfalls genossen zu haben. Ein Bild zum Beispiel hat er beim Frühstück aufgenommen. Es zeigt hübsch drapiertes Gebäck an Zweigen. Benni Wollmershäuser schrieb dazu: „Im Adlon wachsen sogar Mini-Donuts an Bäumen.“

Mit 20 Jahren erhält er die Diagnose Darmkrebs

Benjamin Wollmershäuser ist 27 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Sabrina in Schwäbisch Hall. Aufgewachsen ist er in Schrozberg mit einem Zwillingsbruder und einer älteren Schwester. Nach dem Abi studierte er zunächst Physik, wechselte dann aber den Studiengang auf „Optoelektronik-Lasertechnik“. Irgendwann während des Studiums merkte er, dass er stark an Gewicht verlor, immer blass aussah und sich müde fühlte. Er war 20 Jahre alt, als er die Diagnose Darmkrebs erhielt. Benjamin Wollmershäuser hat mehrere Chemotherapien und Operationen hinter sich. Seiner Krankheit hat er den Kampf angesagt. Auf seiner Internetseite sowie auf Facebook und Twitter macht er anderen Erkrankten Mut. Außerdem erinnert er junge Menschen daran, wie wichtig es ist, zur Krebsvorsorge zu gehen und ihr Leben zu genießen.