Ausstellung „Kommen Se ran, kommen Se rein!“

Der Puppenspieler, Autor und Maler Ted Moré und seine Frau Helga Moré vor dem Theaterwagen mit der Marionette zu „Till Eulenspiegel“.
Der Puppenspieler, Autor und Maler Ted Moré und seine Frau Helga Moré vor dem Theaterwagen mit der Marionette zu „Till Eulenspiegel“. © Foto: Ursula Richter
Schwäbisch Hall / Ursula Richter 05.12.2018
Im Hällisch-Fränkischen Museum in Hall wurde die Schau „Marionetten Märchen Moritaten“ von Ted Moré eröffnet. Die animierend kreative Vernissage macht Lust auf mehr.

Am ehesten war es ein Konzert. Das lag vor allem an Oliver Hegemann, dem Freund Ted Morés, der aus seiner „Verbundenheit mit Ted seit 25 Jahren“ erzählte. Der Banker spielt E-Gitarre. Sohn Lukas studiert in Tuttlingen und wollte wegen der vielen Kindheitserinnerungen mit seinen beiden Brüdern im Brettl- und Marionettentheater Morés in Künzelsau-Nagelsberg bei der Ausstellungseröffnung im Hällisch-Fränkischen Museum (HFM) unbedingt Schlagzeug spielen. Ulla Scheuermanns Alt beeindruckte in „Wildest Blues“. Josef Wagner, ein Kollege Hegemanns, brillierte auf der Klarinette beim „Black Orpheus“, am Piano war Matthias Egner. Das Publikum war begeistert.

Eine Marionette zur Geburt

Oliver Hegemann zeigte die Marionette, die Moré zur Geburt für Tochter Emili angefertigt hatte. Er hat sie damals der Familie überreicht mit den James-Bond-Worten: „Mein Name ist Wurst, Hans Wurst.“ Die Kinder wiederholten oft, was sie im Marionettentheater gehört hatten: „Merkwürdig. Sehr merkwürdig.“

HFM-Leiter Dr. Armin Panter sprach von einem „barocken Gewächs“. Er war einst vom inzwischen verstorbenen Künstler Thomas Lenk auf den Puppenspieler aufmerksam gemacht worden: „Das ist reinster Expressionismus.“ Panter sprach von der Jahrmarktatmosphäre, dem Rummelplatz, Schießbudenfiguren, Moritatentafeln und Fratzen. Er fragt sich, was Moré eigentlich ist: Schaubudenmaler, Puppenspieler, Schaukelpferdfabrikant, Musiker, Filmemacher, Sprechstallmeister? „Das sind jene Herren, die in Frack und Zylinder durchs Zirkusprogramm führen.“

Auch Halls Erster Bürgermeister Peter Klink hatte in seiner Begrüßung rätseln lassen, was ein Rekommandeur sein soll: „Das ist der mit dem ‚Kommen Se ran, kommen Se rein‘, bei Fahrgeschäften.“ Klink freut sich über die „sehr ausdrucksstarken Marionetten mit den übergroßen Händen“ in der diesjährigen Weihnachtsausstellung in Hall.

Moré gibt bei einem Rundgang Einblick in seine Arbeitsweise. Er malt auch. Sehr große, sehr lebendige Gemälde in starken Farben mit sehr vielen Menschen. Er selbst sagt, er male „mit Fantasie und Spucke“. Moré schnitzte mehr als 1000 Figuren und kümmert sich um die Technik.

Jede Figur hat zwei Gesichter

Ein sehr großer, alter Leiterwagen, wie sie früher bei der Ernte benutzt wurden, dient einem rot gewandeten Till Eulenspiegel und den anderen Figuren des Stückes als Bühne. „Der Wagen war schon in Berlin“, berichtet Moré. Und in anderen Städten. Moré hat einen Namen.

Die Gesichter, die er aus dem Holz herausarbeitet, haben oft etwas Tierhaftes. Das gibt für den Ausdruck viel her. Zu beachten gilt: „Jede Figur hat zwei Gesichter.“ Das Profil ist wichtiger als die Frontalansicht. Die Kostüme tragen viel zur Wirkung bei. Helga Moré fertigt sie seit über einem halben Jahrhundert. Farbenfroh, fantasievoll, in auch haptisch ansprechenden Stoffen, mit liebevollen Details. Bevor sich die Combo mit „Lullaby of Birdland“ fröhlich verabschiedet, gibt die BW-Bank bekannt, dass sie eine Aufführung im HFM sponsert. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

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