Gut gelaunt begrüßt Moderator Michael Jakob, selbst erfolgreicher Slammer, das Publikum um kurz nach 20 Uhr und stellt eine Neuerung im Ablauf vor: Statt wie bislang drei Runden gibt es nur noch zwei. Nacheinander treten zwei Slammer gegeneinander an – jeweils einer schafft es ins Finale. Die erste von insgesamt sechs Slammern, die ihre selbstgeschriebenen Texte präsentiert, ist Roman­autorin Marion Fuchs aus Bamberg. Mit dem Ausspruch, dass eine ihrer Freundinnen der Meinung sei, dass „Kiffen ja eigentlich besser als Alkohol ist, da es keine Kalorien hat“, zieht sie die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Ihr wunderschöner Text „Blasen an den Füßen“ kritisiert den insbesondere bei Frauen verbreiteten Mager- und Schönheitswahn und appelliert an die innere Schönheit. „Mut heißt, zu sich selbst zu stehen“, stellt die 21-Jährige in ihrem ausdrucksstarken Vortrag klar. Der Text kommt gut an, das Duell kann sie jedoch nicht für sich entscheiden.

Der Nürnberger Slam-Stadtmeister Julian Kalks überzeugt die Zuschauer mit  „Kalle, der Beschwerdesportler“. Kalks beleuchtet mit seinem Text die Beweggründe, die Menschen dazu bringen, mit nichts und niemandem zufrieden zu sein. „Wo Wut ist, ist immer auch Schmerz“, beschließt er seinen Text und fordert das Publikum auf, wütende Menschen nicht zu verurteilen, sondern sie zu verstehen.

Ein Neuling in der Slamszene ist Steven aus Nürnberg. Er lässt sich in seinem Text „Wellenlänge“  über die „schrecklich verliebten Menschen“ aus, die auf einer „zu langen Wellenlänge“ sind. Er bezweifelt, dass die Welt nur aus Romantikern besteht. Seine Duellpartnerin Andrea, die ebenfalls noch nicht lange slamt, beweist, dass bei einem Poetry-Slam wirklich alles erlaubt ist. Die unscheinbare junge Frau beschreibt auf eine nicht jugendfreie und blutige Art und Weise, wie sie sich an ihrem ehemaligen Freund rächt und lässt das Publikum geschockt zurück. „Das Romantikduell des Tages“, wie Michael Jakob es beschreibt, entscheidet Steven somit eindeutig für sich.

„Wer also wahrhaft glücklich ist, steckt mit dem Teufel doch im Bunde.“
- Michael Jakob, Fränkischer Poetry-Slam-Meister

Andere Töne schlägt Manuela an, eine schüchtern wirkende Frau mit leiser Stimme, die mit ihrem tiefgründigen und traurigen Text die Zuhörer fesselt. Die Spannung im Publikum ist zu spüren, als Manuela von einer Mutter-Kind-Beziehung erzählt, in der die Mutter ihrem Kind nicht die Liebe gibt, nach der es sich sehnt. Humorvoller geht es beim Bayernslam-Finalisten Oliver Walter aus Spalt zu. In seinem gesellschaftskritischen Text beschreibt er die subtile Fremdenfeindlichkeit vieler Menschen nach dem Motto „Ich bin kein Nazi, aber…“. Die Entscheidung zwischen Manuelas melancholisch-traurigem und Walters humorvollem Texts ist sehr eng – Oliver Walter gewinnt.

Vor der Pause gibt Moderator Michael Jakob einen Text zum Besten, der sich mit dem vollkommenen Glück beschäftigt. „Wer also wahrhaft glücklich ist, steckt mit dem Teufel doch im Bunde.“ Jakobs fantastische Vortragsweise wird vom Publikum heftig beklatscht.

Im Finale treten Julian Kalks, Oliver Walter und Steven gegeneinander an. Oliver Walter bleibt seinem locker-lustigen Stil treu. Der Text handelt von Walter, der über Ebay ein Treffen mit Gott erworben hat. Walter wandelt zur großen Belustigung des Publikums das „Vater Unser“ so um, dass es auf Google, die scheinbar allwissende Suchmaschine, passt: „Dein Suchergebnis komme, dein Algorithmus funktioniere (...) in Ewigkeit, zumindest solange der Akku noch hält, Enter.“

Der Text „Beweise“ von Steven handelt von den Beziehungsproblemen eines Paares: Der Mann entfernt sich immer weiter von seiner Partnerin und verlässt sie schließlich. Er hat ihr zwar andauernd versichtert, dass er sie liebt, es ihr aber nie bewiesen.

Der Gewinner-Text kommt von Julian Kalz. Er handelt von den Erwartungen, die andere früher an ihn hatten. Mit der Zeit erkennt er, dass es wichtiger ist, denn eigenen Ewartungen zu entsprechen. „Im wirklichen Leben braucht es keine Reime, die passend sind.“  Gegen 22 Uhr trudeln die Zuhörer gutgelaunt aus dem Löwenkeller, während sie noch über den Abend diskutieren und über die Texte nachdenken.