Schwäbisch Hall "Keine Zeit gehabt, alt zu werden"

Beim Geburtstagsfest im "Bären" in Bühlertann nehmen die Geschwister ihren großen Bruder in die Mitte (von links): Lore Stegmaier, Maria Bronner, Hans Schneider, Josef Schneider und Lisbeth Nagel. Foto: pv
Beim Geburtstagsfest im "Bären" in Bühlertann nehmen die Geschwister ihren großen Bruder in die Mitte (von links): Lore Stegmaier, Maria Bronner, Hans Schneider, Josef Schneider und Lisbeth Nagel. Foto: pv
Schwäbisch Hall / BETTINA LOBER 31.01.2013
Einen Tag ohne Arbeit, das kann sich Hans Schneider auch mit 90 Jahren nicht recht vorstellen. Am Sonntag hat der Senior-Chef der Firma Bremsen Schneider mit Familie, Freunden und Mitarbeitern gefeiert.

Fast jeden Tag ist er in der Firma in Sulzdorf: Mal eine Maschine reparieren, ein bisschen aufräumen, oder nach den Lehrlingen schauen - für Hans Schneider gibt es immer etwas zu tun. Und so hat er es seit jeher gehalten. Warum er auch mit 90 Jahren noch so fit ist? "Ich hab von Kindheit an schwer geschafft", erklärt er. Harte Arbeit und zäher Fleiß, das ist ihm bei seiner Geburt am 27. Januar 1923 in Bühlertann quasi schon in die Wiege gelegt worden. Als ältestes von acht Kindern lernte er auf dem elterlichen Bauernhof früh das Zupacken.

Jahrelang musste er auf dem Hof schuften. Bauer wollte er nicht werden. Also ging er nach Stuttgart und lernte dort den Beruf des KFZ-Mechanikers. Für ihn habe sich das fast wie Erholung angefühlt, erzählt er schmunzelnd: "Und die Stadtbuben waren mittags schon müde."

In seinem Lehrbetrieb gab es eine Spezialabteilung für Bremsen. Damit und mit der LKW-Reparatur befasste er sich besonders gern. Nach Krieg und Gefangenschaft kehrte Schneider zurück nach Stuttgart, legte 1949 die Meisterprüfung ab und machte sich 1951 selbstständig - als Ein-Mann-Betrieb in einer gemieteten Garage in Weckrieden. Nach zwei Wochen stellte er den ersten Lehrling ein, seinen Bruder Josef. Und 1954 baute Schneider die ersten eigenen Betriebsgebäude - ohne Kapital. Das Geld hat er von Verwandten und Bekannten geliehen, "sogar der Kaminfeger gab mir ein Darlehen". Der "Bremsen-Schneider" wuchs, 1981 wurde in Sulzdorf ein kompletter Neubau errichtet, später eine Filiale in Pfedelbach gegründet.

Hans Schneider agierte stets risikobereit, mit unternehmerischem Weitblick und auch mit "ein bisschen Naivität", das gehörte dazu. 1991 übergab er die Firma an seinen Sohn Hans Schneider junior.

Doch Vater Schneider war auch in der Kommunalpolitik aktiv - als Gemeinderat in Weckrieden, später bis 1975 im Haller Gemeinderat und bis 1985 im Ortschaftsrat von Weckrieden. Für Familie und Hobbys hatte er eher wenig Zeit, und seine Frau Rosl habe ihn zuweilen schon bremsen müssen, räumt er ein. Mit ihr ging er auch gerne auf Reisen - zum Beispiel nach Afrika, Indien, Nepal und Kanada. Viel Bewegung, immer unterwegs sein - "ich hab keine Zeit gehabt, alt zu werden", analysiert Schneider lachend. Und wenn alles klappt, will er wie 2012 auch in diesem Jahr wieder an Oldtimer-Fahrten teilnehmen - noch so eine Herzenssache des Bremsen-Schneider.