Weggang Diak-Pfarrer Hans-Joachim Lenke will in Heimatkirche zurück

Pfarrer Lenke arbeitet ab Februar in Hannover.
Pfarrer Lenke arbeitet ab Februar in Hannover. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 16.11.2017

Hans-Joachim Lenke bekommt in Hannover gleich zwei Hüte. Er wird Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks und Oberlandeskirchenrat der Landeskirche Niedersachsen. Der Aufsichtsrat wählte ihn als einzigen Kandidaten auf Vorschlag des Kirchensenats am Donnerstag, 9. November – einen Tag nach dem Diak-Jahresempfang.

„Ich kehre in meine Heimatkirche zurück, in vertrautes Terrain“, macht Lenke deutlich. Früher als eigentlich mit Blick auf die Rente geplant? Nein, er habe auch in Schwäbisch Hall mit seiner Frau gesucht, um den Ruhestand eventuell in der Kocherstadt zu verbringen. Die sei einverstanden mit dem Wechsel – „ich würde etwas in dieser biografischen Größe immer mit meiner Frau besprechen und diskutieren, so eine Frage braucht einen Konsens.“ Das Angebot von Landesbischof Ralf Meister aus Niedersachsen sei auch für ihn überraschend gekommen. Hintergrund: Lenkes Vorgänger Dr. Christoph Künkel hatte aus gesundheitlichen Gründen sein Amt an der Spitze des größten Wohlfahrtsverbandes im Land vorzeitig niedergelegt.

Lenke war seit August 2011 Vorstandsvorsitzender des Diakoniewerks. Voraussichtlich ab Februar 2018 wird sein Arbeitsplatz in Hannover sein. Mit dem Thema Krankenhaus hat der scheidende Geschäftsführer des Diakonieklinikums dann operativ nichts mehr zu tun.   „Es gibt nur Gründe für die neue Stelle, keine gegen das Diak. Ich gehe nicht weg von hier, sondern nur woanders hin. Ich habe mich immer voll eingebracht. Aber das ist eine sehr attraktive neue Aufgabe. Verbandsarbeit ist wichtig für diakonische Einrichtungen. Dadurch lässt sich etwas bewegen, zum Positiven verändern“, betont Lenke.

Wie fällt seine Bilanz aus? Die Altenhilfe habe sich von einem Verlust zu einem erfreulichen Gewinn entwickelt. Der ambulante Dienst sei erweitert worden. Für die Zukunftsfähigkeit des Diakonie-Klinikums sei der Neubau von entscheidender Bedeutung. Und selbstkritisch, was hätte er anders gemacht? Mit Blick auf den an den Sonnenhof abgegebenen Bereich der Behindertenhilfe „schlagen zwei Herzen in meiner Brust.“ Aber der Sonnenhof sei ein starker Anbieter und das Diak hätte wohl nicht die Kraft gehabt, beides voranzubringen – Neubau und Ambulantisierung. Hat er ein schlechtes Gewissen dem Diak gegenüber, wenn er nun geht – bei all den Herausforderungen? Er sei „kalkulierbar eitel“ und nennt ein Gespräch mit einer Führungskraft des Aufsichtsrats in Hannover. Die habe ihm mit Augenzwinkern und ernstem Ton deutlich gemacht, dass er sich nicht so wichtig nehmen solle, auch das Diak werde einen guten Nachfolger finden.

Das Diak habe viele gute Mitarbeiter, allen voran Diak-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer Michael Kilb, betont Lenke. Kilb übernimmt bis zur Neubesetzung der Stelle gemeinsam mit dem Aufsichtsrat die Leitung des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall. „Ich hoffe, die Arbeit bleibt noch in einem überschaubaren Rahmen. Wir müssen die Interimsphase so aufbauen, dass der Alltag nicht darunter leidet“, sagt Kilb. Satzungsgemäß wird der neue Vorstandsvorsitzende wieder ein Pfarrer werden. Der Diak-Aufsichtsrat beginnt mit der Suche, bringt die Ausschreibung auf den Weg.

Lenke verlässt das Diak – Stimmen von Mitarbeitern

Der Weggang von Lenke überrascht die Mitarbeiter – Stimmen aus dem Diak: Dorothea Lehmann, leitende Pflegedienstleiterin: „Der Weggang von Herrn Lenke hat mich unvorbereitet getroffen. Ich bedauere sein Ausscheiden sehr und danke ihm für die gute Zusammenarbeit mit den Pflegekräften im Haus.“ Hans-Ulrich Gruber, Oberarzt und Vorsitzender der Mitarbeitervertretung: „Der Wechsel von Pfarrer Lenke kommt für mich völlig überraschend, zumal mit unserem Neubau große Aufgaben vor uns liegen. Trotz allen Umbruchs bin ich der Überzeugung, dass wir diese Aufgaben bewältigen.“ Bärbel Koch-Baisch, Oberin: „Das klare Auftreten von Herrn Lenke hat dem Diak gut getan. Bis die Nachfolge geklärt ist, tun die Mitarbeiter, was sie immer tun, jeder und jede an ihrem Platz.“
Dr. Claus-Georg Schmedt, Privatdozent, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie: „Die etwas überraschende neue Situation am Diak eröffnet die Möglichkeit, die Führungsstrukturen des Diakonie-Klinikums neu zu ordnen und die Strategie im Spannungsfeld zwischen medizinisch-ethischem Anspruch der Patienten und Mediziner und den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln.“ Margarete Greiner, Leiterin Altenhilfe: „Der schnelle Weggang wird eine Lücke hinterlassen, die es zu füllen gilt. Wir sind in den Geschäftsbereichen gut aufgestellt und werden die Aufgaben meistern.“

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