Politik „Jeder im Rathaus kann fast alles“

Thomas Botschek hat gut lachen. Er fühlt sich wohl im Bühlerzeller Bürgermeisteramt.
Thomas Botschek hat gut lachen. Er fühlt sich wohl im Bühlerzeller Bürgermeisteramt. © Foto: Sigrid Bauer
Sigrid Bauer 08.01.2018

Die Zeit des Wahlkampfs hat er als Wechselbad der Gefühle in Erinnerung. „Im Gespräch mit den Menschen und bei den Veranstaltungen hatte ich ein gutes Gefühl, aber danach kamen doch immer Zweifel“, räumt er ein. Auch den Wahlabend hat er als ungemein aufregend in Erinnerung. „Ich war so was von verunsichert“, gesteht er und berichtet von einer Wahlniederlage 2011, als er sich in Riesbürg bei Nördlingen um den Chefposten im Rathaus beworben hat. Das gehe nicht spurlos an einem vorüber, meint er.

Unterstützung bei Einarbeitung

Dankbar ist er seinem Vorgänger Franz Rechtenbacher, der ihn gleich am Wahlabend seine Unterstützung bei der Einarbeitung versprach. „Ich kann ihn auch jetzt noch anrufen und er gibt mir Hintergrundinformationen“, berichtet Botschek, der aus Kirchheim am Ries stammt.

Mit der Umstellung des Haushalts auf die Doppik kommt 2018 viel Neues auf ihn und sein Team zu. „Wir müssen zusehen, dass wir die Zeiten, wo Mitarbeiter wegen Schulungen fehlen, kompensieren, zumal auch noch Mitarbeiter altershalber aufhören“, sagt er. Er hat sich vorgenommen, gemeinsam mit seinem Team, die Strukturen zu überdenken und wo nötig, neu zu regeln. „Jeder im Rathaus kann fast alles, aber das ist der Sache nicht unbedingt dienlich. Auch im Hinblick auf die geplante Zusammenarbeit mit Bühlertann müssen wir die Strukturen aufeinander abstimmen“, stellt er klar. Er habe da ein gutes Gefühl. Die Chemie zwischen ihm und Michael Dambacher, dem Bühlertanner Bürgermeister, stimme.

Neben der Doppik, die den Arbeitsaufwand zumindest anfangs deutlich erhöht, ist der Grafenhof 2018 ein großes Thema. Das Wasser für die Siedlung kommt künftig aus Kammerstatt. „Dann sollte es weniger Rohrbrüche geben, weil der Leitungsdruck dadurch recht konstant bleibt. Vorher hat jedes Ein- und Ausschalten der Pumpe, die das Wasser von Röhmen hochgeleitet hat, Druckschwankungen erzeugt, die zu Lecks in den Rohren geführt haben. Insgesamt ist das ganze Rohrsystem billig und dilettantisch“, schimpft Botschek.

Die Bewohner des Grafenhofs seien verunsichert und teilweise auch misstrauisch. „Mit Recht“, räumt er ein. Umso wichtiger sei es, etwa die künftige Wasser- und Abwasserrechnung auf eine ordentliche Grundlage zu stellen. Geärgert hat ihn, dass Makler auf dem Grafenhof Grundstücke ohne gesicherten Zugang zum Kauf angeboten haben. „Die Interessenten wurden hinters Licht geführt. Das haben wir jetzt abgestellt“, berichtet er.

Auch wenn die Einführung der Doppik wohl wenig Spielraum lässt, ist für Botschek mittelfristig die Dorfentwicklung – Stichwort Leerstände und Baulücken – ein Hauptthema. „Das ELR (Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum) hat ein interessantes Projekt mit höherer Förderung für Gemeinden als bisher“, weiß er aus seinen Kontakten ins Ministerium für Ländlichen Raum. In diesem Zusammenhang nennt er auch den Erhalt der Arztpraxis, des Lebensmittelladens und der Gastwirtschaften als Kernaufgabe. „Da müssen wir Konzepte finden“, stellt er klar.

Die Sanierung der Gemeindeverbindungsstraßen ist eine Daueraufgabe. Hier sieht der 55-Jährige Möglichkeiten für eine Förderung um die 70 Prozent.  „Das braucht viel Vorlaufzeit, aber ich will es angehen“, verspricht er.

Auch die Turnhalle steht mittelfristig auf der To-do-Liste. Ob sie noch saniert werden kann, ist unklar, vielleicht muss sie neu gebaut werden.

Ganz aktuell lernt der Neu-Bühlerzeller den hiesigen Fasching kennen. „Es macht richtig Spaß, die Begeisterung und das Engagement der Leute zu sehen“, freut sich Thomas Botschek.

Eine Herzenssache ist dem Musikfreund auch sein Gitarrenworkshop, in dem er den Kinderhausmitarbeiterinnen das Rüstzeug geben will, mit den Kleinen gemeinsam zu singen und zu musizieren. „Bis vor Weihnachten haben wir uns jeden Mittwochabend zum Üben getroffen“, erzählt er und lacht.

Von Bopfingen nach Bühlerzell

Thomas Botschek wurde am 7. März 1962 in Bopfingen geboren. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau Dagmar Sohn Alexander. Nach Abitur und Wehrdienst studierte Botschek an der Fachhochschule für Technik Stuttgart und schloss als Dipl.-Ing. (FH) Vermessungswesen ab. Danach absolvierte er den Vorbereitungsdienst für den vermessungstechnischen Verwaltungsdienst. Abschluss: Staatsprüfung. Botschek sammelte Berufserfahrung beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Stuttgart. Bis 2017 arbeitet er als technischer Verwaltungsbeamter und Projektingenieur am Landratsamt Ostalbkreis. Seit 9. Juli 2017 ist er Bürgermeister in Bühlerzell. cus