Belletristik „Irgendetwas, das virulent ist, muss raus“

Wolf Döhner bei seiner Lesung im Theaterkeller in Schwäbisch Hall.
Wolf Döhner bei seiner Lesung im Theaterkeller in Schwäbisch Hall. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 17.11.2018
Wolf Döhner liest im Haller Theaterkeller aus seinen Büchern – vor vier Zuhörern.

„Ein Achtloser auf Abwegen“ steht auf den Plakaten, die auf den Abend hinweisen. Wolf Döhner, Sänger bei ebendiesem Haller Revue-Ensemble, singt nicht nur, er schreibt auch. Aus zweien seiner Bücher sowie seinen Gedichtbänden gab er am Mittwoch eine Kostprobe im Theaterkeller.

„Wie schreibst du Bücher?“, wollte neulich seine Enkelin wissen. Dabei dachte der „Nono“, der Großvater, wie er von seiner Enkelin genannt wird, an ein Bild, das er vor nicht allzu langer Zeit gemalt hat. Das Blatt war weiß, er hat einfach drauflosgemalt, ohne Plan, rein intuitiv, und wundert sich, dass daraus etwas durchaus Schönes geworden ist.

So gehe das beim Schreiben nicht. Es ist vielmehr wie eine Aufgabe, „irgendetwas, das virulent ist, muss raus und dann schreibt es sich von allein“. Angefangen hat er mit Gedichten. Er trägt eins vor. Es ist eine Anlehnung an „Was es ist“ von Erich Fried. „Was wir brauchen“ heißt es bei Wolf Döhner. Nachdem eine Menge der Dinge aufgezählt wurden, die wir brauchen, heißt es „wie unbescheiden, sagt die Unbescheidene“.

Nur vier Zuhörer sind erschienen. Dadurch herrscht eine gewisse Wohnzimmeratmosphäre, es wird sich geduzt und Sekt getrunken. „Scheherazade – mon amour“ heißt eines seiner dünnen Büchlein, erschienen im Engelsdorfer Verlag. Auf dem Titel ist ein Frauengesicht, mit verführerischer Mimik, das halb von Haaren bedeckt ist.

Aus der Kleinstadt nach Berlin

Das Buch beginnt mit einer Erzählung eines Mannes, der sich auf den Weg nach Berlin zu einem Freund macht. Auf dem Rückweg gehen ihm allerhand Gedanken durch den Kopf. Sie schießen kreuz und quer, sie sind das, was passiert, wenn man im Zug sitzt, Landschaften vorüberrauschen und mit wachem Blick wahrgenommen werden. Gut vorstellbar, dass so ein Wolf Döhner mit ähnlichen Gedanken im Zug aus „einer schwäbischen Kleinstadt ins faszinierende Berlin“ fährt. Im Speisewagen bahnt sich eine Geschichte an. Der Protagonist, Bernd, lernt eine Frau kennen, Katharina. Es ist etwas Geheimnisvolles an dieser Frau, viele Fragen tun sich auf, sie kreisen um einen anderen Fahrgast, den Katharina zu kennen scheint. Dem Haller Hobby-Autor gelingt es, den Leser neugierig zu machen. Was für eine Geschichte mag diese Katharina, eine Münchner Journalistin, haben? Döhner lässt auch das Thema Erotik und Liebe einfließen. Die Frau verführt den Mann.

Das passiert auch im zweiten Buch, aus dem der „Achtlose auf Abwegen“ vorliest. Es heißt „Sebastian geht fremd“. Ein Schriftsteller ist alleine auf einem FKK-Campingplatz in Istrien und lernt Paulina kennen. Kurioserweise heißt sie genauso wie seine Freundin, mit der er sich zerstritten hat und weshalb er alleine in den Urlaub gefahren ist. Paulina macht ihn an, küsst ihn, sagt: „Also wenn deine Bücher genauso leidenschaftlich sind wie deine Küsse ....“ und verschwindet dann. Und er, Sebastian, hört plötzlich eine innere Stimme, die ihm einredet Franc zu sein. „Es entsteht eine Spannung zwischen Wirklichkeit und Nicht-Wirklichkeit“, erklärt Wolf Döhner.

In seinen Erzählungen steckten einige eigene Erfahrungen. Wer den Haller besser kennt, wird an der einen oder anderen Stelle wohl schmunzeln.

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