„Wir versuchen, uns nicht in einem Corona-Jammertal zu bewegen“, sagt Christian Doll, Intendant der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Anders als die Theaterfestivals in Jagsthausen und Feuchtwangen haben die Haller die Saison nicht komplett abgesagt. Sie hoffen, wenigstens im August mit Wiederaufnahmen und kleiner besetzten Inszenierungen den Darstellern Arbeit und den Zuschauern Theatererlebnisse bieten zu können. „Wenn das geht, sollten wir das tun. Das Bedürfnis ist da“, hat Doll von vielen Seiten erfahren. Und wenn man in diesem Sommer vielleicht nur innerhalb von Deutschland reisen kann, wolle man auch etwas bieten, wohin es sich zu fahren lohnt.

„Auf dem Marktplatz haben wir ideale Voraussetzungen dafür, die Zuschauer weit auseinander zu setzen“, sagt Doll. Er schätzt, dass eine Vorstellung dann 300 bis 500 Besucher haben könnte – normalerweise sind es 1600. Finanziell sei das trotzdem möglich, meint Doll, weil bei Wiederaufnahmen die Probezeit knapp gehalten werden kann und auch nur geringe Kosten für Bühnenbild, Kostüme und Ähnliches anfallen. „Wenn wir die Zuschüsse in der üblichen Höhe bekommen, ist es machbar.“

Michelfeld

„Die geplanten Neuinszenierungen können wir auf keinen Fall erarbeiten – heute wäre der dritte Probentag für ,Maria Stuart‘“, sagt Doll wehmütig. Er hofft, die Pläne im kommenden Jahr verwirklichen zu können. „Ob dann aber alle vorgesehenen Schauspieler Zeit haben, ist noch nicht sicher.“

Für die Saison 2020 denkt Doll an zwei Wiederaufnahmen: „Jedermann“ und „Don Camillo und Peppone“. Beide Stücke müssten umgearbeitet werden, weil auch für die Mitwirkenden die Abstandsregeln einzuhalten sind. „Beim ,Jedermann‘ kann ich mir das gut vorstellen, bei ,Don Camillo‘ müssen wir auf das Fußballspiel verzichten – vielleicht machen wir einen Tippkick, das wäre doch auch lustig.“ Aber da werden sicher noch viele Ideen in seinem Hirn herumspuken: „In unseren Köpfen raucht es noch.“

"Jedermann"-Premierenabend der Haller Freilichtspiele

Theater „Jedermann“-Premierenabend der Haller Freilichtspiele

Das bezieht sich auch auf Theaterstoffe in kleinerer Besetzung, für die man vielleicht doch eine Neuinszenierung machen könnte. „Ich denke an Stücke, die über die Sprache laufen, sodass man sie gut auf Distanz auf die Treppe setzen kann.“ Zum Beispiel „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett: „Das würde man jetzt ganz anders lesen als noch vor einem halben Jahr.“

Fürs Globe-Theater stellt sich Doll etwas Komödiantisches vor. „Wir wollen Leichtigkeit vermitteln, nach vorne gucken, uns alle rausholen aus der kollektiven Depression“, sagt Doll. Wenn man die Inszenierung mit wenig Bühnenbild gestalte, könne man das Globe öffnen und nach draußen spielen, dann hätten mehr Zuschauer Platz. Oder das Stück überhaupt im Park spielen. „Wir müssen da jetzt sehr flexibel und kompromissbereit sein. Dann kann man halt nicht jede Regie­idee umsetzen.“

Jedenfalls müssen die Theatermacher, wenn sie eine Neuproduktion zeigen wollen, bald loslegen. „Ich habe großes Vertrauen ins Kuratorium“, hofft Doll auf Unterstützung durch das Gremium, das Anfang Juni in einer außerordentlichen Sitzung entscheiden muss, ob und was gespielt wird.

Er empfinde große Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und den Zuschauern, sagt Doll. „Das bewegt uns: Wie kommen wir alle zusammen durch diese Krise, wie geht es weiter?“ Die Freilichtspiele versuchen derzeit, auch für die Darsteller Kurzarbeit zu beantragen, um diese finanziell abzusichern. Zudem bitten sie die Besucher, bereits gekaufte Karten – immerhin etwa 20.000 Stück – zu spenden, um das künstlerische Personal zu unterstützen. Kartenrückgabe sei aber auch möglich, betont Doll.