Kunst Vellberger Künstlerin: „Im Rückblick war ich mutig“

Ute Haecker vor einem ihrer dreidimensionalen Kunstwerke.
Ute Haecker vor einem ihrer dreidimensionalen Kunstwerke. © Foto: Maya Peters
Vellberg/Berlin / Maya Peters 27.08.2018
Ute Haecker stammt aus Vellberg. Statt Kunst zu unterrichten, ist sie freischaffende Künstlerin in Berlin. Ihre Ausstellung „cross-over“ ist im Dieter-Franck-Haus auf der Haller Oberlimpurg zu sehen.

Sie wolle Kunstwerke schaffen, auf die man sich einlassen könne, erklärt die Künstlerin Ute Haecker. „Wenn ich auf meine Teile gucke, geht es mir jedenfalls gut“, schmunzelt sie. Als käme sie von der Enge ins Weite. Mit den räumlich wirkenden Objekten, die eigentlich zweidimensionale bemalte und ausgeschnittene Stahlflächen sind, wolle sie das Interesse der Betrachter wecken. „Sie sollen genauer hinsehen und so Teil des Bildgeschehens werden“, erläutert Haecker. Ihre Arbeiten sind noch bis zum 23. September in „cross-over“ im Dieter-Franck-Haus auf der Oberlimpurg ausgestellt.

Ein langer Prozess

„Mit Form, Farbe, Schatten und der Imaginationskraft zu arbeiten, um einen Raum zu öffnen, wo vorher keiner war, damit eine Verwandlung passiert“, das sei ihre Kunst in einem Satz zusammengefasst. „Einem verschachtelten und langen“, lacht Haecker. Aber es sei auch ein langer Prozess gewesen, bis sie vor vier Jahren habe sagen können: „Es ist gut, wie es ist“. Rund 20 Jahre habe sie ihren Stil entwickelt. „Was gut ist, braucht einfach seine Zeit“, so die 69-Jährige schlicht.

„Ich bin ein Landei“, urteilt die Wahlberlinerin über sich. Aufgewachsen in Vellberg-Großaltdorf mit Großeltern, die einen Bauernhof hatten. Dieser wurde mangels Nachfolger verkauft. „Ich habe schon als Mädchen gemalt“, erinnert sie sich und fügt hinzu: „Jedes Kind ist kreativ, aber bei mir hörte das nicht auf“. Sie sehe sich noch mit einem Block vor den Häusern stehen und zeichnen. Nicht kindlich, eher angestrengt wie eine Arbeit. Als Mädchen habe sie Sängerin und Malerin werden wollen. Ihre Eltern meinten jedoch: „Das ist nicht möglich“. Künstlerblut habe schon ihre Oma aus Bessarabien gehabt, die als Hobby malte. Handwerklich sei ihr der Vater auch Vorbild. Immerhin werden ihre Stahlobjekte gesägt. Der Vater, ein Schwabendeutscher aus Bessarabien, hatte nach seiner Flucht 1945 ein Bauunternehmen aufgebaut. „Er war sehr musikalisch und spielte jeden Tag Chopin“, erinnert sie sich.

Trotz ihres künstlerischen Talents lernt Haecker nach der Mittleren Reife den Beruf der Fremdsprachenkorrespondentin. Das sei eigentlich eine „unsägliche Zeit“ gewesen, meint sie im Nachhinein. „Meine Begabung war eine Zeitlang wie abgestorben“, bedauert die Künstlerin noch heute.

Dennoch beendet Haecker die Ausbildung und arbeitet zwei Jahre in Schwäbisch Hall. Damals sei der politische Jugendclub Alpha 60 ganz wichtig für sie geworden. „Und dann hörte ich, dass man sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachmachen kann. Das war wie ein Lichtblick für mich, das große Glück.“ Dafür zieht sie nach Friedrichshafen und erhält Bafög für ihren Lebensunterhalt.

„Da kam die Kunst in mir wieder und ich beschloss, mich an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe zu bewerben“, erzählt Haecker von der entscheidenden Lebenswende. Mit 25 Jahren und dem Abitur in der Tasche studiert sie Malerei und Kunstgeschichte für den Schuldienst. „Das war eine himmlische Zeit“, meint sie. Ihre „ersten Bilder“ seien Fensterausblicke gewesen, der Blick aus einem Raum in einen Raum mit komponierten Farbflächen. „Das ist eigentlich bis heute mein Thema geblieben“, stellt die Künstlerin fast überrascht die Kontinuität fest. Zum Referendariat kommt es nie, denn nach dem Ersten Staatsexamen zieht es sie weiter nach Berlin, statt in die Schule. „Ich habe gern gelernt und wollte gar nicht aufhören“, erläutert sie lächelnd.

Und so studiert Haecker 1979 freie Malerei bei Professor Dietmar Lernke und findet Anschluss an eine Künstlergruppe. Seitdem lebt und arbeitet die freischaffende Künstlerin in Berlin. „Man muss jung sein und noch nicht alles checken“, meint sie im Rückblick zu ihrer Entscheidung. „Denn das ist ein wahnsinnig unsicherer Beruf“. Inzwischen finde sie es selbst mutig und könne die Ängste ihrer Eltern besser verstehen. Es habe beruflich einige Auf und Abs gegeben. Erst in den vergangenen Jahren sei eine Ruhe eingekehrt, sowohl künstlerisch als auch kommerziell. Vertreten wird Haecker durch eine Züricher Galerie.

Seit vielen Jahren hat sie ihr Atelier in einem Atelierhaus im „sprudelnden Neukölln“. „Mein Job verlangt vollen Einsatz“, erzählt Haecker von ihrem Alltag. Wenn sie in Berlin sei, gehe sie jeden Tag arbeiten, oft zehn, elf Stunden lang, am liebsten sogar am Wochenende. Sie baue derzeit mit einem ihrer Brüder ein zweites Atelier in Vellberg auf, um ihre regelmäßigen Besuche in der alten Heimat bei Familie und Freunden künstlerisch besser zu nutzen.

Ausstellungen in Berlin und Schwäbisch Hall

Ute Haecker wurde 1949 in Vellberg geboren. Sie hat drei Brüder. Nach der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin macht sie ihr Abitur nach und studiert von 1974 bis 1979 an der Kunsthochschule Karlsruhe bis zum Ersten Staatsexamen. Dem schließt sie 1979 ein Studium der freien Malerei an der Hochschule der Künste Berlin als Meisterschülerin an. Seitdem arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Berlin-Neukölln und erhielt einige Stipendien. Haecker hatte seit 1980 bereits zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, unter anderem 2004 im Hällisch-Fränkischen Museum und 2009 mit Felicitas Franck im Kunstforum der Bausparkasse. Zu ihren Hobbys gehören Musik und orientalischer Tanz. Haecker ist Mitglied im Kunstverein Schwäbisch Hall. may

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