Ehrenamt „Im Ernstfall müsst ihr reanimieren“

Angelika Breiter (links) und Nadine Schust bei der Reanimation mit Beatmungsbeutel und Defibrillator.
Angelika Breiter (links) und Nadine Schust bei der Reanimation mit Beatmungsbeutel und Defibrillator. © Foto: Sigrid Bauer
Bühlertal / Sigrid Bauer 21.07.2018

Ob Heimatfest in Wolpertshausen, Stadtfest in Ilshofen, Hundesportturnier in Obersontheim oder BMX-Rennen in Bühlertann – überall sind die ehrenamtlichen Helfer der DRK-Bereitschaft Vellberg/Bühlertal dabei, um vor Ort Erste Hilfe zu leisten. „An manchen Wochenenden im Sommer haben wir drei Sanitätsdienste. Da ist es wichtig, die Einsatzteams passend zusammenzustellen. Immer ist eine sehr erfahrene Person dabei. Anfänger ziehen wir mit, so lernen sie am schnellsten“, erklärt Bereitschaftsleiter Alexander Breiter, der von Beruf Rettungssanitäter ist und in der integrierten Leitstelle in Hall arbeitet.

Seine Arbeit für die DRK-Bereitschaft ist ehrenamtlich. „Uns ist wichtig, dass alle unsere Mitglieder gleichgestellt sind, unabhängig davon, ob sie Anfänger sind oder ausgebildeter Notarzt“, betont Breiter, der auch Mitglied der Vellberger Feuerwehr ist. Die kürzlich aus mehreren Gruppen zusammengelegte neue Bereitschaft Vellberg/Bühlertal hat 29 Mitglieder, die im Sanitätsdienst aktiv sind, unter ihnen ein Notarzt. „Ein Glücksfall für uns. Von ihm können wir viel lernen“, betont Breiter.

Neues Domizil in Großaltdorf

An diesem Abend trifft sich die Gruppe im alten Feuerwehrgerätehaus in Großaltdorf. „Nachdem die Feuerwehr nach Talheim umgezogen ist, haben wir hier ein geeignetes Domizil gefunden. Auch für unser Rettungsfahrzeug gibt es genug Platz“, so der Bereitschaftsleiter. Erst im Frühjahr hat die Gruppe das gebrauchte Fahrzeug übernommen und ist damit noch besser für medizinische Notfälle gerüstet.

Zweimal im Monat treffen sich die DRK-Mtglieder zu Dienst­abenden. Dieses Mal steht das Thema Reanimation an, wichtig vor allem für die jüngeren Mitglieder. „Für uns ist das keine Herausforderung, sondern selbstverständlich“, sagt Dieter Brehmer, der seit über 30 Jahren bei der DRK-Bereitschaft und einer der beiden Stellvertreter von Breiter ist. „Die Jungen haben noch etwas Angst und müssen sich überwinden“, erklärt er und wendet sich den Neulingen, die alle schon ihren ersten Ausbildungskurs absolviert haben, zu: „Jetzt habt ihr die Chance zu üben. Im Ernstfall müsst ihr auch reanimieren.“

Zuerst geht es um die Methode, die auch der Laie beherrschen sollte. Aber vorher müssen die beiden Mädchen, die sich dann doch trauen, überlegen, was sie an Ausrüstung zu der „bewusstlos zusammengebrochenen Frau“, eine Übungspuppe, mitnehmen: den Notfallrucksack mit Sauerstoff. Dann überprüfen sie, ob die Frau ansprechbar ist und atmet. Beides ist nicht der Fall – also sind Herzdruckmassage und Beatmung im 30-zu-2-Takt angesagt.

Während Sophie, Breiters 15-jährige Tochter, in gleichmäßigem Tempo auf den Brustkorb der Puppe drückt, ruft ihre Übungspartnerin Lisa Meininger den Rettungswagen und den Notarzt. Dann kniet sie hinter dem Kopf der Puppe, den sie beim Beatmen überstreckt, damit die Luft in die Lunge strömen kann. „21, 22, 23, 24, …“, Sophie zählt die letzten zehn Druckimpulse laut, damit ihre Partnerin danach sofort mit der Beatmung beginnt. Zweimal beatmen, schon geht es weiter mit der Druckmassage – ziemlich anstrengend. „Ihr solltet euch abwechseln oder, wenn ihr allein seid, andere auffordern, euch zu helfen“, so Philipp Lork, der die Dienstabende organisiert.

Ein zweites Team versucht sich an der Reanimation mit Beatmungsbeutel und einem automatisierten Defibrillator. „Solche Geräte gibt es immer mehr, in Bahnhöfen, Veranstaltungshallen und anderen öffentlichen Gebäuden“, weiß Clemens Seibold, auch ein alter Hase beim DRK. Obwohl das Gerät genau ansagt, was zu tun ist, ist die Handhabung nicht so einfach. Denn Zeit, die Elektroden auf dem Oberkörper der Puppe zu fixieren, hat die Person, die die Druckmassage ausführt nur in den wenigen Sekunden während der Beatmung.

Alle sind sich einig, dass sie solche Übungen öfter einschieben sollten. „Im Herbst ist wieder Motocross in Bühlertann. Ich schlage vor, dass wir deshalb die nächsten Male dort die Rettung im Gelände mit den Leuten vom MSV üben“, so Alexander Breiter.

Helfer auf Abruf im Bühlertal

Die DRK-Bereitschaft Vellberg/Bühlertal ist für Wolpertshausen, Ilshofen, Vellberg, Obersontheim, Bühlertann und Bühlerzell zuständig. Dort organisiert sie auch Blutspendetermine.

Kontakt Alexander Breiter ist für weitere Infos per E-Mail an alexbreiter@aol.com erreichbar. siba

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