Politiker Umweltminister besucht Braunsbach

Umweltminister Franz Untersteller plaudert im Gespräch mit Marcel Miara (links) beim Braunsbacher Wintergespräch aus dem Nähkastchen. Der grüne Landespolitiker hat sich bei allen Themen klar positioniert.
Umweltminister Franz Untersteller plaudert im Gespräch mit Marcel Miara (links) beim Braunsbacher Wintergespräch aus dem Nähkastchen. Der grüne Landespolitiker hat sich bei allen Themen klar positioniert. © Foto: Ufuk Arslan
Braunsbach / Norbert Acker 12.02.2018
Umweltminister Franz Untersteller ist zu Gast bei den Braunsbacher Wintergesprächen. Er blickt auf jahrzehntelange Erfahrungen im Landtag zurück – erst als Berater, dann als Mandatsträger.

Wenn er sich anschaut, wie es zurzeit bei der SPD zugeht, dann fühle er sich an die „wilden Zeiten in den 80ern“ bei seiner Partei erinnert. So chaotisch wie damals gehe es bei den Grünen nicht mehr zu. „Es gibt aber immer noch Dinge in meiner Partei, über die ich den Kopf schütteln muss“, so Franz Untersteller, der grüne Umweltminister Baden-Württembergs. So könne er beispielsweise nicht verstehen, wie man Cem Özdemir, den nach Winfried Kretschmann beliebtesten Grünen-Politiker, „ins Abseits“ stellen könne.

Beim Braunsbacher Wintergespräch in Schloss Döttingen entlockt Interviewer Marcel Miara dem gebürtigen Saarländer aber noch mehr. So sei der erste baden-württembergische Umweltminister Erwin Vetter 1987 auf den damaligen grünen Fraktionsvorsitzenden Winfried Kreschmann und ihn als Berater der Landtagsfraktion zugegangen. „Er hat uns um die Zustimmung zu einem Gesetz gebeten“, erinnert sich Untersteller. Nachdem die Grünen in diesem Gesetz auch eigene Anliegen unterbekommen haben, hätte man zustimmen können. Schon damals habe sich grün-schwarz angedeutet.

Ursprünglich wollte er nach seinem Studium nur kurz für die damalige Fraktion der Grünen arbeiten. Daraus seien dann lange Jahre geworden. „Irgendwann habe ich aber festgestellt, dass ich nicht mehr nur für andere arbeiten kann“, so Untersteller. „Entweder, ich gehe in die erste Reihe, oder ich lasse es.“ So kam es 2016 zum  ersten Landtagsmandat und dann im weiteren Verlauf zur Landtagswahl 2011, aus der die Grünen als Sieger hervorgegangen sind. „In der Wahlnacht habe ich es krachen lassen“, verrät Untersteller. Die Realität habe alle dann schnell eingeholt: „Wir hatte ja alle keine Erfahrung mit Koalitionsverhandlungen.“ Auch in seinem Ministerium habe es für die Referatsleiter große Umstellungen gegeben. Diese hatten es nämlich vorher als Amtschefs nicht mit Experten auf dem Gebiet zu tun. „Inhaltliche Diskussionen mit dem Minister kannten die gar nicht“, so Untersteller.

„Wenn wir das Thema Klimaschutz nicht ernst nehmen, werden wir  große Probleme bekommen“, sagt Untersteller im weiteren Verlauf des Gesprächs. „Dass es den Klimawandel gibt, das wissen Sie hier in Braunsbach nur zu gut.“ Extreme Wetterereignisse wie die Sturzflut vom Mai 2016 würden zunehmen, das sei klar. Daher sei er überrascht, dass im neuen Koalitionsvertrag zur großen Koalition nichts expliziertes zu Emissionssenkungen stehen würde. So könnten die Klimaziele von Paris nicht erreicht werden. Trotz allem würde er sich wünschen, dass die Koalition kommt, auch aus Stabilitätsgründen. Im Nachhinein könne er aber nicht verstehen, warum Jamaika nicht geklappt hat. „Ich war echt geplättet, als die Absage der FDP kam.“

Unterschiede gibt es wohl

Allerdings bewiesen die gescheiterten Verhandlungen auch, dass die Parteien gar nicht so gleich seien, wie ihnen von bestimmten Kritikern immer vorgeworfen werde. Damit meint er auch eine „neue politische Kraft, die Ressentiments schürt“. In den Landtagsdebatten habe sich etwas verändert, seit die AfD im Parlament sitze. Diese spreche von „links-grün-versifften 68ern“, dabei habe beispielsweise auch ein Jörg Meuthen als Hochschullehrer von Entwicklungen profitiert, die von der genannten Generation angestoßen und umgesetzt worden seien. Ihn beängstigte aber auch, was sich in anderen Parteien tue.

Die Grünen seien mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen, gerade in Baden-Württemberg. Das bewiesen auch die mittlerweile vier Oberbürgermeister, die die Partei im Ländle stelle. Urbane Legenden vom Grünen-Anhänger, der mit dem Porsche-SUV zum Biomarkt einkaufen fährt, seien Unsinn. Doch die Nennung des Zuffenhausener Autobauers bringt ihn zu einer Anekdote: „Mir ist ein Porsche als Dienstwagen angeboten worden, der die besten CO2-Werte hatte. Doch was meinen Sie, was das für einen Aufschrei gegeben hätte, wenn ich den genommen hätte.“ Das bringt Untersteller dann noch zum Thema E-Mobilität. „Wir dürfen da nicht hinten anstehen. Das muss auch der Autoindustrie klar werden“, so Untersteller. Um ein vernünftiges E-Auto zu bekommen, müsste man quasi „im Silicon Valley“ bestellen, „und das nervt“. Für mehr E-Mobilität und mehr Strom aus erneuerbaren Energien brauche man darüber hinaus eine modernere Versorgungsinfrastruktur. Denn der Industriestandort Baden-Württemberg müsse gesichert werden.

Untersteller erweist sich vor den knapp 50 Zuhörern als eloquenter und fachlich kompetenter Gesprächspartner. Auch wenn sein Lebensmittelpunkt seit Jahrzehnten Baden Württemberg sei, ziehe es ihn zu Fasching aber in seine Heimat, das Saarland, zurück. Das habe er mit seinem Freund Peter Altmaier gemeinsam. Der CDU-Politiker stamme aus dem Nachbardorf. „Meine Frau hat gesagt, wer feiern kann, der kann auch arbeiten“, sagte Untersteller. Einen Auftritt in Schwäbisch Hall in der vergangenen Woche habe er krankheitsbedingt absagen müssen, Braunsbach wollte er aber keinen Korb geben.

Lange Jahre die grüne Landtagsfraktion beraten

Franz Untersteller ist 1957 in Ensheim bei Saarbrücken geboren worden. Nach Abschluss seines Landschaftsarchitekturstudiums an der FH Nürtingen und einem Studienaufenthalt in Kolumbien war er zunächst als Mitarbeiter des Öko-Instituts in Freiburg tätig. Seit Mitte der 1980er-Jahre war er als parlamentarischer Berater für die Bereiche Umwelt- und Energiepolitik in der Landtagsfraktion der Grünen zuständig. Im baden-württembergischen Landtag sitzt er seit 2006 als Abgeordneter. Von Dezember 2006 bis 2011 war er zugleich stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Am 12. Mai 2011 wurde Untersteller im ersten Kabinett Kretschmann als Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft von Baden-Württemberg vereidigt. Untersteller ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.