Der Landesnaturschutzverband (LNV) und der Naturschutzbund (NABU) haben einen Eil­antrag beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingereicht, um die Genehmigung für die Inbetriebnahme eines bereits errichteten Windrades in Braunsbach auszusetzen (wir berichteten). Die Anlage stehe mitten in den Brutrevieren von „vier streng geschützten, windkraftsensiblen Greifvogelarten“, ist in einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden Verbände zu lesen. In der Nähe der Anlage befinde sich unter anderem ein „Dichtezentrum des Rotmilans“, wo besonders viele dieser Vögel brüteten. Man habe bereits im April vergangenen Jahres Widerspruch gegen das Windrad eingelegt. Die Behörden hätten bislang nicht darauf reagiert und den Bau zugelassen. Das sei „inakzeptabel und unverantwortlich gegenüber dem Vorhabenträger und gegenüber der Natur“.

Der Eilantrag betrifft ausschließlich die Anlage „Orlach 6“. „Der Antrag ist uns bekannt“, sagt Steffen Baumgartner, Leiter vom Stab des Landrats, auf Nachfrage. Man gehe davon aus, dass die von seiner Behörde erteilte Baugenehmigung rechtens sei. „Betreffend des Eilantrags hat das Landratsamt beim Verwaltungsgericht Stuttgart die Zurückweisung beantragt“, so Baumgartner. Die Entscheidung des Gerichts bleibe nun abzuwarten.

Regelungen eingehalten

Gebaut worden sind die Windkraftanlagen bei Braunsbach von der ZEAG Energie AG mit Sitz in Heilbronn. „Die Planung und Realisierung von Windkraftanlagen unterliegen strengen Vorgaben und setzen die Einhaltung umfangreicher Auflagen im Vorfeld der Errichtung voraus“, sagt Anja Leipold, die die Öffentlichkeitsarbeit der ZEAG verantwortet. „Dazu gehören unter anderem ornithologische Untersuchungen über Vorkommen und Verhalten von geschützten Greifvögeln.“ Das Unternehmen nehme naturschutzrechtliche Vorgaben sehr ernst. Von 2012 bis 2015 habe man umfangreiche ornithologische Untersuchungen durch Experten auf Basis der Vorgaben der  Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg durchführen lassen. „Das ging weit über das hinaus, was der Gesetzgeber fordert“, so Leipold. Es habe sich ergeben,  dass die Regelungen zum Schutz von Greifvögeln eingehalten werden. „Die erfolgten Genehmigungen wurden somit rechtlich und artenschutzfachlich rechtmäßig erteilt“, stellt die Sprecherin fest.

NABU und LNV weisen in ihrer Pressemitteilung darauf hin, dass es für die Akzeptanz der Energiewende von fundamentaler Bedeutung sei, dass die Genehmigungsbehörden Richtlinien und Vorgaben der Landesregierung konsequent befolgen würden. Der Verweis auf die Energiewende hingegen stößt Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch übel auf: „Unsere Politik und unsere Gesellschaft haben sich für die Energiewende entschieden – und das ist gut so.“

Schutzkriterien einhalten

Natürlich müsse man grundsätzliche Schutzkriterien für Mensch und Natur einhalten. Hierzu sei im Vorfeld des Windkraftanlagenbaus in Braunsbach fünf Jahre lang gearbeitet worden. Es sei grotesk, dass wegen eines vermeintlichen Tötungsrisikos von Greifvögeln an Windrädern juristisch gestritten werde. Demnach müsste man alle Autobahnen, Schnellstraßen und Eisenbahnlinien sofort sperren, da dort jeden Tag definitiv unzählige Vögel getötet würden.

„Ich missbillige das Vorgehen des privaten Naturschutzes gegen unsere Windräder zutiefst“, sagt Harsch. Die Gemeinde Braunsbach stehe nach der Sturzflut vom 29. Mai 2016 vor enormen Herausforderungen. Er empfinde es als „schäbig“, dass die Naturschutzverbände ausgerechnet beim Braunsbacher Projekt ihre Ablehnung gegen Windkraft zum Ausdruck brächten. „Meine Hoffnung ist, dass die Verbände die Klage zurückziehen und diesen ideologischen Irrweg irgendwann verlassen“, sagt Harsch abschließend. „Wenn wir die Energiewende nicht hinbekommen, wird der Rotmilan ganz andere Probleme bekommen – und nicht nur der, sondern auch wir Menschen.“

Info Mit einer Entscheidung des Gerichts ist in den kommenden Wochen zu rechnen. Die Pressemitteilung der Verbände zum Antrag ist im Internet nachlesbar unter baden-wuerttemberg.nabu.de/presse.

Bürger gründen Genossenschaft


Die ZEAG Energie AG mit Sitz in Heilbronn betreibt auf Braunsbacher Gemarkung fünf Windenergieanlagen. „Daran beteiligt ist neben der ZEAG die Gemeinde Braunsbach sowie engagierte Bürger aus Braunsbach und Umgebung, die sich zurzeit in einer Bürgerenergiegenossenschaft zusammenschließen“, erklärt ZEAG-Sprecherin Anja Leipold auf Nachfrage. noa