Schwäbisch Hall "Ich lebe koscher light"

Barbara Traub hat ihren drei Söhnen jüdische Namen gebeben. Sie plädiert für ein jüdisches Selbstbewußtsein.
Barbara Traub hat ihren drei Söhnen jüdische Namen gebeben. Sie plädiert für ein jüdisches Selbstbewußtsein.
SONJA ALEXA SCHMITZ 23.11.2013
Die Österreicherin ist Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs und Mitglied im Zentralrat der Juden. Sie erinnert sich an Vergangenes und plaudert über Aktuelles.

Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm sitzt der Frau mit der Löwenmähne gegenüber und stellt sogleich die Frage, von der sie befürchtet, dass ihre Gesprächspartnerin sie bereits sehr häufig gestellt bekam: Wie sieht ihre Familiengeschichte aus? Ihre Großmutter und Mutter, letztere wurde 1930 geboren, lebten in Wien im jüdischen Viertel. Sie erinnert sich an Fotos ihrer stolzen Mutter an ihrem ersten Schultag. Nur zwei Jahre später wurde sie, ihres Glaubens wegen, der Schule verwiesen. Ihre Mutter habe immer gerne gelesen. Barbara Traub schluckt aufkommende Traurigkeit herunter. Plötzlich durfte die Mutter in der Bibliothek keine Bücher mehr ausleihen. Sie gingen in den Untergrund und flüchteten letztlich über die Schweiz und Frankreich bis nach New York.

Ein Satz ihrer Großmutter war: "Was einmal war kann wiederkommen." Sie hätte große Angst gehabt, so Traub. "Sie sagte immer, wir sollten uns bloß nicht als Juden deklarieren." Dass Traub ihren Söhnen Benjamin, Simon und Samuel jüdische Namen gab, entsetzte die Großmutter. "Irgendwann hat sie mich aber dafür bewundert."

Wie lebt es sich heute als Jüdin in Deutschland, möchte Bettina Wilhelm wissen. Die Österreicherin lebt seit 21 Jahren in Deutschland. Ihr Mann bekam einen Lehrauftrag von der Universität Stuttgart.

Sie gehört der konservativen Strömung des Judentums an. Diese versteht sich als Mittelweg zwischen orthodoxem und progressivem Judentum. Es will einerseits jüdische Tradition bewahren, andererseits aber mit dem jüdischen Religionsgesetz vereinbare Modernisierungen durchsetzen.

Einen Mittelweg nimmt Barbara Traub zum Beispiel wenn es um die strengen Essensregeln geht. Sie nennt sich "koscher light". "Zuhause halten wir die Regeln ein: Kein Schweinefleisch essen. Milch und Fleisch müssen getrennt zubereitet werden. Zwischen dem Verzehr dieser beiden Lebensmittel müssen drei Stunden liegen. Das Geschirr spülen wir in unseren zwei Geschirrspülern separat." Wenn sie aber eingeladen sei, dann sage sie lediglich sie sei Vegetarier und fragt nicht danach, wie das Geschirr gewaschen wurde.

Bettina Wilhelm nennt einige Statistiken, nach denen in den Köpfen der Deutschen immer noch Antisemitismus herrscht. Demnach behaupte jeder achte Befragte, dass Juden eine Mitschuld an ihrem Schicksal hätten. Hat denn Barbara Traub Antisemitismus erfahren? "Relativ wenig", sagt diese und nennt nur wenige Beispiele in denen man judenfeindliches Verhalten erkennen kann.

Das Erinnern sei wichtig. Am besten geschehe dies in Projekten mit Jugendlichen und zwar an authentischen Orten.

Nach der Veranstaltung kommt eine der rund 25 Besuchern zu Barbara Traub. "Ich möchte mich erstmal entschuldigen für das, was wir Deutschen Ihnen angetan haben."

Zur Person vom 23. November 2013