Unternehmen „Ich habe Zeit zum Zuhören und Diskutieren“

Gründer, Geschäftsführer und Gesellschafter Peter Bohn in der Fertigung am Tube-Tec-Standort Ilshofen-Großallmerspann.
Gründer, Geschäftsführer und Gesellschafter Peter Bohn in der Fertigung am Tube-Tec-Standort Ilshofen-Großallmerspann. © Foto: just
Ilshofen / Jürgen Stegmaier 07.12.2017
Die Tube-Tec GmbH von Peter Bohn liefert aus Ilshofen täglich zwischen 900 und 1100 Sitze für den Omnibushersteller Setra. Der Betrieb hat auch Standorte in der Türkei und in China.

Auf dem Schreibtisch von Peter Bohn scheint etwas zu fehlen – kein Rechner weit und breit. „Ich brauche keinen PC“, behauptet der Mann, in dessen Unternehmen Tube-Tec in Ilshofen und der Türkei täglich jeweils rund 1000 Sitze für Omnibusse hergestellt werden. „Ich brauche nur einen Platz, um mich zu setzen“, sagt der 62-jährige ehemalige Landwirt, der auch den Beruf des Schmieds gelernt hat, später Mechanikermeister und Betriebsfachwirt wurde. Ihm komme es allein auf die Idee an. „Ich habe Zeit zum Zuhören und Diskutieren. Alle wissen: Der hat immer Zeit. Für die Führungsebene in meinen Betrieben ist das wichtig.“

Mit dem Schlepper unterwegs

Die elterliche Landwirtschaft in Nesselbach hat er längst aufgegeben. Im Stall richtete er eine Boulehalle ein. Wenig macht Bohn lieber, als in seinem Heimatort mit dem Schlepper zu fahren.

Peter Bohn hat die Tube-Tec Sitzsysteme GmbH 1992 gegründet. Seinen Sitz hat das Unternehmen im Ilshofener Teilort Großallmerspann. Heute beschäftigt die Gesellschaft dort 32 Mitarbeiter. Zusammen mit seiner Frau Anna Maria Bohn ist er geschäftsführender Gesellschafter. Gefertigt werden die Komponenten für die Bussitze auch in der Türkei nahe Istanbul sowie bei einem Joint Venture in China.

42 unterschiedliche Sitzmodelle stellt Tube-Tec her. Ein Sitz kostet im Schnitt rund 70 Euro. Kunde ist eine Tochtergesellschaft der Daimler AG: Evobus. Sie stellt an unterschiedlichen Standorten, unter anderem in Ulm und Mannheim, Busse der Marke Setra her.

Kein Hersteller fertige mehr Omnibussitze als Tube-Tec, versichert Peter Bohn. Von Ilshofen aus beliefert er den europäischen Markt, aus seinem Werk in der Türkei gehen die Sitze hauptsächlich in Richtung Asien.

Erfolgreich auch mit Radträgern

Aus China werden Stahlbau- und Kunststoffkomponenten geliefert – nicht nur für Tube-Tec, sondern auch für ein anderes Unternehmen von Peter Bohn: MFT. Dieses ist erfolgreich mit Fahrrad-Heckträgern sowie Heckboxen für Autos. Aus China erreichen wöchentlich zwei Container den Standort in Ilshofen. „Die kommen immer dienstags und donnerstags um 8.30 Uhr im Hamburger Hafen an. Mit dem Zug geht es weiter nach Heilbronn, dann mit dem LKW nach Ilshofen. „Danach kann ich meine Uhr stellen“, sagt Peter Bohn.

Eine weitere Komponenten- und Sitzefertigung hat Tube-Tec in der Türkei, auf der asiatischen Seite von Istanbul.

Besteht eine Gefahr für sein Unternehmen, weil es ausschließlich an die Daimler-Tochter Evobus liefert? Peter Bohn winkt ab: „Die Lieferkette ist hochkomplex, sie lässt sich nicht so einfach ersetzen. Da können wir uns ruhig zurücklehnen.“ Die vertragliche Bindung an die Daimler-Tochter beträgt drei Jahre, Zu den Partnern von Evobus habe er als strategischer Systemlieferant aber sehr großes Vertrauen.  „Wir stehen genau am richtigen Platz“, versichert Peter Bohn.

In der Branche läuft’s

Die Lieferung der Sitze an Evobus erfolgt nicht per Bestellung. Tube-Tec liest die Ablaufpläne des Kunden und steuert die Lieferungen in Eigenregie. So ist das Ilshofener Unternehmen selbst dafür verantwortlich, dass die richtige Anzahl der erforderlichen Bussitze zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. Schon jetzt kann Peter Bohn aus der Vorausplanung ablesen, dass sein Unternehmen bis Mitte des nächsten Jahres die Sitze für 1700 Busse zu liefern hat. „Die Busbranche läuft“, sagt der Unternehmer.

Über Stückzahlen und Sitzpreise spricht Peter Bohn, nicht aber über seine absoluten Umsatzzahlen. Immerhin macht er deutlich, dass Tube-Tec im zurückliegenden Jahr um 12 Prozent gewachsen ist, 2017 wird das Unternehmen wohl um weitere 16 Prozent zulegen.