Schwäbisch Hall Schulleiter Dieter Käßmann geht in Ruhestand

Schwäbisch Hall / Bettina Lober 25.07.2018
Dieter Käßmann nimmt als geschäftsführender Leiter der Haller Schulen und Rektor der Realschule Schenkensee Abschied.

Eigentlich sind Überraschungen gar nicht sein Ding. Dieter Käßmann behält die Fäden gerne selbst in der Hand. Der 65-Jährige ist ein besonnener und umsichtiger Mann, engagiert, er strahlt Ruhe und Sachlichkeit aus, beweist Haltung – so beschreibt Schulamtsdirektor Alois Schmitt den scheidenden Rektor der Realschule Schenkensee, als Käßmann in der vergangenen Woche offiziell in den Ruhestand verabschiedet wird. Und viele Redner jenes Abschiedsnachmittags in der Aula des Haller Schulzentrums Ost bestätigen diese Charakterisierung.

Aber ein paar Überraschungen hält das Lehrerkollegium für seinen geschätzten Rektor dann doch bereit. „Er weiß zwar, dass etwas kommt, aber er weiß nicht was“, meint Konrektor Tim Wassmer voll Vorfreude. Ein umfangreiches und musikalisches Programm ist vorbereitet, in dem auch zahlreiche Weggefährten zu Wort kommen. Wassmer selbst würdigt seinen Rektor als einen souveränen, klaren und kompetenten Mann, der Konflikte nicht scheut. „Das Du musste ich mir hart erarbeiten“, plaudert Wassmer aus dem Rektorats-Nähkästchen. „Obwohl er es mir quasi zwischen Tür und Angel anbot, hatte es Tiefe – wie alles, was er tut und anpackt.“

Schulamtsdirektor Schmitt skizziert Käßmanns Lebenslauf und würdigt seine vielfältigen Aufgaben sowie seinen „klaren Blick für das Machbare“. Käßmann habe sich stets für die Realschule Schenkensee als einladenden Lern- und Lebensraum eingesetzt. Höflichkeit, Toleranz und Zuverlässigkeit sind Werte, die Käßmann mit seiner ganzen Persönlichkeit vermittelt habe. Er habe die Balance zwischen Beständigkeit und Veränderung gemeistert, könne mit „Freude und Stolz zurückblicken“.

Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim bescheinigt Käßmann, der seit 2008 auch geschäftsführender Schulleiter der Haller Schulen war, eine „natürliche Autorität und ein ausgewogenes Urteilsvermögen“. Er dankt dem Pädagogen für dessen „Einsatz und Herzblut“ und ermutigt Käßmann, „sich auch weiterhin einzumischen“. Als „verlässlich, offen, freundlich, sachorientiert, souverän“ hat der evangelische Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz den scheidenden Rektor kennengelernt. Jana Kolberg, Vorsitzende des örtlichen Personalrats, verbindet ihren herzlichen Dank an Käßmann mit der Bitte an das Land um eine „deutlich bessere Ausstattung der Schulen“ – und erntet dafür Applaus.

Spuren im Chemie-Saal

Als Dienstälteste im Lehrerkollegium erinnert sich Gudrun Walter humorvoll an Käßmanns Anfänge an der Schule: der Junglehrer in weißem Chemie-Kittel und mit Schutzbrille, der mit einem Gebräu aus Ethanol und Kaliumpermanganat schon früh Spuren hinterlassen hat – nämlich an der Decke des Chemie-Saals. Sein Ehrgeiz habe sich auch im Lehrersport und beim Hallenhockey gezeigt, lässt Walter lächelnd durchblicken. Überhaupt: Das Schritttempo des Rektors auf dem Schulflur sei schlicht beeindruckend. Käßmann habe es geschafft, „die tolle Zusammenarbeit auch in Zeiten neuer Herausforderungen“ zu pflegen, mit Korrektheit, Fairness und Verständnis – ein Dank von Herzen.

Dieter Käßmann als Ruheständler? Das können sich Elternbeiratsvorsitzende Silke Naser-Weber und Christine Kütterer in ihrer humorvollen Spielszene eigentlich gar nicht vorstellen. Sie danken für die gute Zusammenarbeit, „oft hat man sich auch ohne Worte verstanden“, sagt ­Naser-Weber. Staunen und lachen muss Käßmann über ­einige ­eingespielte Videobotschaften: Das Lehrerkollegium hat Ehe­malige der Klasse 10d des Abschlussjahrgangs 1983 ausfindig gemacht. „Dieter, danke für den Oiser!“, lacht einer in die Kamera.

Emotional wird es für Dieter Käßmann, als seine Töchter Stefanie und Julia von ihrem Vater erzählen: Wie sie nach und nach bemerkten, dass der Papa ein strenger, aber geschätzter Lehrer war. Wie aus einer kurzen Nachfrage am Vorabend einer Mathe-Arbeit eine anderthalbstündige Problembehandlung grundsätzlicher Fragen der Zahlenlehre werden konnte. Und dass sie für seine damals vielleicht als streng empfundene Haltung längst tief dankbar sind.

„So viel Lob habe ich nicht erwartet“, winkt Käßmann bescheiden ab – und: „Ich habe ja nur meine Pflicht getan.“ Ein typischer Käßmann-Satz. Er blicke auf „39 spannende, aber auch anstrengende Jahre“ zurück. Ganz Mathematiklehrer hat er die Schultage ausgerechnet: 7176 waren es. Sein Arbeitsbeginn in Hall fiel zusammen mit dem Umzug der Realschule aus dem alten Haalgymnasium in den Neubau an der Tüngentaler Straße. „Wir holten die Schüler damals im Haal ab“, erinnert er sich.

Allgemein fällt Käßmanns Bilanz positiv aus, aber er verschweigt auch nicht die Schwierigkeiten des Lehrerberufs: „Die Belastungen haben zugenommen, weil die Eltern und die Kinder verhaltensorigineller werden“, kritisiert er besorgt.

Künftig würde er Dienstbesprechungen nur noch daheim mit seiner Frau führen, sagt er lächelnd. Und seinem Kollegium ruft er aufmunternd zu: „Haltet die Fahne der Realschule hoch.“

Der Realschule Schenkensee treu geblieben

Dieter Käßmann wird am 6. Februar 1953 in Stuttgart geboren. Seine Familie stammt aus Gerlingen, wo er bis 1965 seine Kindheit und Schulzeit verbringt. Dann zieht die Familie nach Schopfheim im Kreis Lörrach. „Für mich als schwäbischer Bub war das Alemannische zunächst ein Kulturschock“, räumt Käßmann schmunzelnd ein. Er besucht das örtliche Gymnasium, macht 1973 Abitur. Nach dem Wehrdienst zieht es ihn nach Karlsruhe, wo er an der Pädagogischen Hochschule Mathematik und Chemie studiert. Von 1977 bis 1979 führt er sein Studium an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd fort und legt dort das zweite Staatsexamen ab. Gleich danach tritt er im Herbst 1979 seine Stelle an der Haller Realschule Schenkensee an, der er sein weiteres Berufsleben treu bleibt. Im Jahr 1998 wird er Rektor der Realschule, zehn Jahre später zudem zum geschäftsführenden Schulleiter für Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen im Stadtbezirk Hall bestellt. Käßmann wohnt in Untermünkheim und ist seit 1987 verheiratet mit seiner Frau Andrea. Das Paar hat zwei Töchter: Stefanie (30) und Julia (26). In der Freizeit spielt Dieter Käßmann gerne Tennis, fährt Fahrrad und Ski. blo

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