Schwäbisch Hall „Ich hab das Lachen nicht verlernt“

Passionierter Spaziergänger: Aber zwischendurch kann Manfred Emele die Ruhe im Wohnzimmersessel auch genießen.
Passionierter Spaziergänger: Aber zwischendurch kann Manfred Emele die Ruhe im Wohnzimmersessel auch genießen. © Foto: Bettina Lober
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 14.02.2018
Der frühere Haller Stadtbrandmeister Manfred Emele wird heute 90 Jahre alt. Treppen und das Ehrenamt halten ihn fit.

Wer Manfred Emele und seine Frau Gertrud im Haller Teurershof besucht, muss gut zu Fuß sein. 54 Stufen sind von der Haustüre bis hinauf in die Wohnung zu überwinden. Einen Aufzug gibt es nicht.  Die Stufen sind das tägliche Fitnessprogramm der Emeles. Heute, am Valentinstag, feiert Manfred Emele seinen 90. Geburtstag. Und er fühlt sich nach eigenem Bekunden „rundum wohl, und: Ich hab das Lachen nicht verlernt“, ergänzt er verschmitzt lächelnd.

Das Ehrenamt hat ihn bekannt gemacht. Im Beruf wirkte er als Leiter der Vermessungsabteilung im städtischen Tiefbauamt allerdings mehr hinter den Kulissen. Manfred Emeles Name ist in Hall eng mit der Feuerwehr verbunden: Einst war er Kommandant der Haller Wehr und Stadtbrandmeister.

„Nachzügler“ nennt Emele sich selbst, schließlich war seine Mutter bereits 41 Jahre alt, als er am 14. Februar 1928 geboren wurde. Voller Respekt erzählt Emele von seinen Eltern, und wie tapfer sein Vater arbeitete, der Schriftsetzer beim Haller Tagblatt war, um dem Jungen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. 1952 schloss Manfred Emele sein Studium an der Stuttgarter Staatsbauschule als Ingenieur für Vermessungswesen ab. Als ihn sein Vater, der die Siebzig schon überschritten hatte, damals mit dem Leiterwagen vom Bahnhof abholte, habe er gesagt: „Bua, bisch jetzt fertig? Dann kann i mit schaffa uffhöra.“ Das hat sich Manfred Emele tief eingeprägt.

Ach, ein Gassenbub mit allerlei Flausen im Kopf sei er halt schon gewesen, die Eltern hätten es nicht leicht gehabt mit ihm. Dass er von der Hitler-Jugend (HJ) angetan war und bald der Jugendfeuerwehr beitrat, die sich damals unter dem Dach der HJ befand, habe dem Vater als eingefleischtem Sozialdemokraten gar nicht gefallen. „Wir waren jung und begeisterungsfähig“, erzählt Emele offen. Seine jugendlichen Umtriebe hätten den Vater besorgt: „Wir führten in diesem Alter ein Eigenleben, und wir sind rotzfrech geworden.“ Angst kannte der Jungspund damals nicht, die Kriegszeit in Hall habe sich eher wie ein Abenteuer angefühlt. Doch Emele hat in jener Zeit auch viel menschliches Leid gesehen.

Zurück in Hall als Ingenieur

Nach seiner mittleren Reife begann Manfred Emele im März 1944 ein Praktikum beim Vermessungsamt. Ende Mai 1945 wurde er als Techniker angestellt, dann kam das Studium in Stuttgart. Danach kehrte er in die Dienste der Stadt Hall zurück und leitete fortan die Vermessungsabteilung.

Die Feuerwehr begleitet Emele sein Leben lang. Nach dem Krieg gehört er als Vertreter der „Jungen“ dem Ausschuss an. Gruppenführer im 1. Zug, ab 1964 Führer des Zuges, dann stellvertretender Kommandant der Haller Wehr und schließlich Kommandant sind die Sprossen seiner Karriereleiter. Manfred Emele hat den Aufbau der Haller Wehr begleitet, sich fürs Zusammenwachsen mit den Abteilungen in Hessental, Steinbach und den später eingemeindeten Ortschaften eingesetzt – „da gab es auch Widerstände“, erinnert er sich. Überdies war er Berater des Kreisfeuerwehrverbandes und stellvertretender Kreisbrandmeister.

Aber auch außerhalb der Feuerwehr ist Emele engagiert. Wie etwa im Sport: Schon als Sechsjähriger kam er zur Turngemeinde Hall, wie die TSG damals hieß. Als Schüler war er beim Geräteturnen, er spielte Handball, trieb Leichtathletik und war später in der Altersabteilung aktiv. Gemeinsam mit seiner Frau spielte er Tennis, und mit einigen lustigen Wandergesellen hat er sich zur „Wilden Liga“ zusammengetan, um Märsche von Hall nach Heilbronn oder Stuttgart zu absolvieren. Obwohl er gesundheitlich auch schon einiges mitgemacht hat, habe er doch stets von der guten Kondition profitiert, erklärt Emele.

Das tägliche Pensum Bewegung verbindet Emele seit einem Vierteljahrhundert auch gleich mit dem Ehrenamt: Gemeinsam mit Kenneth Hauber, einem Bewohner im benachbarten Schöneck, ist der passionierte Spaziergänger unterwegs – bei Wind und Wetter. Die beiden verstehen sich ganz ohne Worte.

Wenn Emele so auf seine 90 Lebensjahre zurückblickt, weiß er: „Das Wichtigste ist doch die Familie. Ich bin so dankbar, dass wir alle gesund sind.“ Die Tochter in Stuttgart, die 27-jährige Enkelin, die erfolgreich studiert – „uns geht es doch gut“.

Verwurzelt in Hall und in der Feuerwehr

Manfred Emele wird am 11. Februar 1928 in Hall geboren. Sein Studium an der Stuttgarter Staatsbauschule schließt er 1952 ab. Er kehrt nach Hall zurück, wird Leiter der Vermessungsabteilung im Tiefbauamt. Als 15-Jähriger tritt er in die Jugendfeuerwehr ein, macht in der Wehr Karriere, wird Kommandant und Stadtbrandmeister. Seit mehr als 70 Jahren ist Manfred Emele Mitglied in der TSG. Vor 64 Jahren heiratete er seine Frau Gertrud. Das Paar hat eine Tochter und eine Enkelin.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel