Braunsbach Dreifach internationaler deutscher Meister

Der Blick durch die runde Brille ist direkt, seine Stimme sehr deutlich: David Wakan ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. Der Kampfsport fasziniert ihn, weil er Geist und Psyche beeinflusst.
Der Blick durch die runde Brille ist direkt, seine Stimme sehr deutlich: David Wakan ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. Der Kampfsport fasziniert ihn, weil er Geist und Psyche beeinflusst. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Braunsbach / Sonja Alexa Schmitz 05.07.2018
David Wakan vom TSV Braunsbach hat drei „internationale deutsche Meistertitel“ im Kickboxen geholt.

Im Regal wird es eng. Die Pokale, die in rund 50 nationalen und fünf internationalen Kickbox-Wettbewerben zusammengekommen sind, drängen sich auf den Brettern. Zuletzt kamen drei neue hinzu. Erkämpft hat der Braunsbacher David Wakan sie bei der internationalen deutschen Meisterschaft in Rai­nau-Schwabsberg in den Kategorien Pointfighting und Leichtkontaktkampf. In drei Finalkämpfen und gegen 16 Gegner konnte er sich durchsetzen.

„Pointfighting ist wie waffenloses Fechten“, versucht er zu erklären. In einem Video sieht man den 25-Jährigen im Zweikampf. Immer wieder schnellt sein Bein in die Höhe. Mühelos scheint es sich an den Kopf des Gegners zu heben. Die Kehrseite der Medaille: Muskelkater und Trainingsstunden viermal die Woche. Zweimal trainiert der Abteilungsleiter im Kickboxen Kinder und Erwachsene, zweimal trainiert er selber. Sein Lehrer ist Harald Wied vom SV Sindelbachtal.

David Wakan ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. Er liebt den Sport, das ist unschwer herauszuhören, wenn er davon erzählt. Während er das Video anschaut, ist er Feuer und Flamme. Erklärt gebannt die Abläufe und die vielen technischen Feinheiten, die einen guten Kickboxer weiterbringen. Theorie und Analyse sind dem Optikermeister eine leidenschaftliche Pflicht. Der Kampfsport fasziniert ihn, nicht zuletzt weil er Geist und Psyche beeinflusst.

Zweimal jährlich unterrichtet der 25-Jährige Menschen in Selbstverteidigungskursen. Ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln, ist sein Ziel. Er ist vielleicht selbst das beste Beispiel dafür, wie das gelingen kann. Mit elf Jahren hat er mit Taekwondo begonnen, später zu Karate gewechselt. Er war Mobbingopfer, seine Eltern meldeten ihn beim Kampfsport an. Vor ein paar Jahren haben ihn einmal junge Männer, die ihn einst mobbten, bei einem Trainingskampf gesehen. Anschließend haben sie sich bei Wakan für ihre Angriffe von damals entschuldigt.

Der junge Mann sitzt aufrecht auf seinem Hocker, der Blick durch die runde Brille ist direkt, seine Stimme sehr deutlich. Neben einem leichten schwäbischen Akzent mischt sich ein anderer fein hinein. Seine Mutter ist Polin. Er selbst hat in seiner Kindheit einige Jahre in Polen verbracht. In der Küche pfeift ein Wasserkessel. Wakan setzt Kaffee auf, den er schwarz trinkt. Hinter ihm hängt ein Bild mit einem Buddha darauf. Die asiatischen Lehren, die in den Kampfsport einfließen, gefallen ihm. Vor allem jene, die besagt, das Materielle nicht wichtig zu nehmen. „Das Körpergefühl und das des Geistes ist es, was zählt, nicht das, was du besitzt.“ Ist er gläubig? „Ich glaube an mich selbst.“

Rote Beete für mehr Ausdauer

Kickboxen ist für den dreifachen deutschen Meister ein Ganzkörpersport, der geistige und mentale Fähigkeiten voraussetzt. Er verlangt eine gute Kondition und Willensstärke. Ein Sport, den man in allen Muskeln spürt und für den er vor dem Wettkampf Rote-Beete-Saft trinkt. Das soll die Ausdauer steigern. Aber das wohl Faszinierendste daran ist für ihn der unglaubliche Effekt, für zwei Minuten Feinde zu sein und danach wieder beste Freunde.

Kampfsport. Stört ihn das Wort „Kampf“, ist es doch vielleicht mit Vorurteilen behaftet? „Nein, überhaupt nicht. In anderen Sportarten wird auch gekämpft, zum Beispiel beim Fußball.“

Info Neue Kickboxschüler – Kinder sowie Erwachsene – sind willkommen. Trainingszeiten und Videos finden Inte­ressierte auf der Facebook-Seite des Kickboxteams Braunsbach.

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