Autogrammstunde mit Rallye-Weltmeister Walter Röhrl kommt mit Porsche 356 Club nach Hall

Schwäbisch Hall / Bettina Lober 11.09.2018
Beim Zwischenstopp des Porsche 356 Club in Hall erfüllt der Rallye-Weltmeister Walter Röhrl alle Autogrammwünsche.

Dort muss er also sein, der Rallye-Weltmeister. Vor seinem Tisch hat sich eine Menschenschlange gebildet. Ob alt oder jung: Jeder möchte ein Autogramm von Walter Röhrl, dem „Langen“, so sein vielfach verwendeter Spitzname. Der 71-Jährige ist eben ein fast zwei Meter großer Kerl – und ein bodenständiger und höflicher noch dazu. Das zeigt sich auch in der Autogrammstunde, die der Bayer am Samstag auf dem Platz bei Recaro Aircraft Seating in der Haller Daimlerstraße gibt – umgeben von rund 200 schicken Sportwagen mit Geschichte, fast alles Porsche 356.

Auf dem ganzen Platz glänzen die gepflegten Karossen in der Sonne. Der Porsche-356-Club Deutschland veranstaltet heuer sein großes Jahrestreffen übers Wochenende in Gmünd. Und zum Programm gehört eine genussvolle Ausfahrt nach Hall, um dort Recaro einen Besuch abzustatten. Denn: Der Firmenname Recaro setzt sich aus Reutter Carosserie zusammen. Reutter hat einst als Zulieferer von Porsche 80 Prozent aller 356er-Karosserien samt Interieur geliefert. Der erste Porsche 356 wurde 1948 gefertigt – also vor 70 Jahren.

Das Jahrestreffen bietet eine schöne Gelegenheit für die Porsche-Fans, Einblicke in die heutige Firma Recaro zu gewinnen. Nebenbei lernen die Teilnehmer die Landschaft kennen und können bei ihrem Zwischenstopp in Hall allerlei Benzingespräche führen. Die Porsche-Freunde kommen aus dem ganzen Land. Manfred Kinne aus Wetzlar zum Beispiel – er fährt einen Porsche 356 Roadster super 90, Baujahr 1961. Den habe er sich 2002 quasi zu Beginn seines Ruhestands geleistet, erzählt er lächelnd.

Thomas und Evelyn Rinck kommen aus Deidesheim in Rheinland-Pfalz. Mit an Bord in ihrem 95-PS-starken Porsche 356 SC ist auch ein kleiner Teddybär im Porsche-Rennanzug. „Unser treuer Begleiter“, sagt Evelyn Rinck lachend. Seit 20 Jahren besitzt das Ehepaar den Wagen. „Das Auto fährt sich ganz toll. Auf der Fahrt hierher war es wunderschön, die langen Geraden und dann die engen Kurven im Wald zu fahren, eine schöne Abwechslung.“ Auf dem Weg von Gmünd nach Hall hat der Porsche-Tross mehr als 100 Kilometer zurückgelegt – nicht der direkteste Weg, aber man möchte ja etwas von der Landschaft sehen.

Natürlich ist auch Walter Röhrl mit einem 356er von Gmünd nach Hall gefahren. Sein Beifahrer auf der Strecke war Nicolas Kiep, dualer Student bei Recaro. „Das war für mich das Highlight des Jahres“, erzählt der 20-Jährige, der Maschinenbau in Friedrichshafen studiert. Die Fahrt mit Röhrl sei intern ausgeschrieben worden, „ich habe mich beworben und gewonnen“. Seit dem Frühstück hat er den ganzen Vormittag mit dem Rallye-Weltmeister verbracht und ihm ganz viele Fragen gestellt. Natürlich wurde über Autos geredet, aber auch über Katzen – denn seit rund eineinhalb Jahren sind Röhrl und seine Frau Monika Katzenbesitzer. Für seine Rolle als Beifahrer hat Kiep übrigens extra das Kartenlesen geübt: „Ich bin halt Generation Navi“, meint er augenzwinkernd. Und wie hat er nun die Rallye-Legende erlebt? „Als extrem menschlich, extrem selbstreflektiert. Und eigentlich mag er den ganzen Trubel um sich gar nicht so gerne.“

Das ist das Merkmal einer echten Legende. Mit Engelsgeduld erfüllt Röhrl jeden Autogrammwunsch und lässt sich mit Gästen fotografieren. Der Mann ist vorbereitet: In seiner Umhängetasche hat er einen dicken Stapel Autogrammkarten dabei, dazu ein ganzes Arsenal an Stiften. „Weiß, schwarz, silber – ich hab’ alles“, sagt er lachend. Und er unterschreibt auf allem: Teilnehmerkarten, Handyhüllen, Warnwesten, Tankdeckel, Motorhauben. „Weißt noch, vor zwei Jahren hast bei mir auf’m Auto unterschrieben. Hält immer noch top“, meint ein Teilnehmer. Ob er seine Facebook-Seite selbst betreut, wird Röhrl gefragt. „Ach was, ich kann das nicht. Das erledigt ein Freund. Der ruft mich an und erzählt mir, dass ich an dem und dem Tag vor 40 Jahren in Neuseeland gewonnen habe – ach, da denk’ ich doch nicht dran“, winkt Röhrl lachend ab.

Das erste Auto: ein Porsche 356

Autofahren ist sein Leben: „Da bin ich einfach infiziert, das ist immer noch toll.“ Bis vor Kurzem war er auch noch als Testfahrer im Einsatz, „aber jetzt bin i über Siebzge, des soll’n jetzt mal die Jüngeren mach’n“, meint er auf gut Bayerisch.

Der Porsche 356 ist für ihn etwas Besonderes, war es doch das erste Auto, das er sich im Alter von 21 Jahren kaufte. Wenn er heute in so ein Modell einsteigt und fährt, sei das Genuss pur: „Ich fahr wie ein alter Mann um jeden Kanaldeckel rum.“ Als Repräsentant für Porsche ist der 71-Jährige immer noch viel unterwegs. Und wenn ihn jemand nach einem Autogramm fragt, „dann gibt es kein ,Nein’, dann bekommt er die Unterschrift“, sagt Röhrl entschieden. Dass er für manchen Motorsportfan als Vorbild gilt, scheint ihm eher unangenehm. Freilich, der erfolgreiche Bayer hört oft viel lobende Worte, „und für Lob ist jeder empfänglich“ – aber so ganz geheuer scheint ihm das mit seinem Idol-Status nicht zu sein. „Wenn einer sagt, ich möcht ein Autogramm, weil du so ein anständiger Kerl bist, ist mir das sehr viel mehr wert.“ So sprechen echte Legenden.

Rallye-Weltmeister aus dem Bayerischen Wald

Walter Röhrl wurde am 7. März 1947 in Regensburg geboren.  Nach einer Ausbildung als kaufmännischer Angestellter arbeitete er als Fahrer beim Bischöflichen Ordinariat Regensburg. Bei einer Ausbildung als Skilehrer lernte er Herbert Marecek kennen, der ihn zum Rallye-Sport brachte. Von 1973 bis 1987 war Röhrl als Rallyeprofi aktiv. In dieser Zeit gewann er zwei FIA-Fahrerweltmeisterschaften (1980 und 1982) sowie eine Europameisterschaft (1974). Röhrl ist der einzige deutsche Rallye-Weltmeister. Als besondere Herausforderung betrachtet er die Rallye Monte Carlo. Daher waren seine Siege dort für ihn auch persönlich große Erfolge. Die vier Siege dort errang er auf Fiat, Opel, Lancia und Audi. Seine Karriere als Profirennfahrer beendete Röhrl im Jahr 1992. Seit 25 Jahren arbeitet er als Repräsentant und Versuchsfahrer bei Porsche. Immer wieder war er in Hohenlohe auch bei Langenburg Historic zu Gast. Walter Röhrl ist seit 40 Jahren mit seiner Frau Monika verheiratet und lebt im Bayerischen Wald.  blo

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