Vellberg "Ich bin für eine offene Streitkultur"

Katrin Heinritz im Gespräch mit HT-Chefredakteur Marcus Haas. Foto: Thumilan Selvakumaran
Katrin Heinritz im Gespräch mit HT-Chefredakteur Marcus Haas. Foto: Thumilan Selvakumaran
DIE FRAGEN STELLTE MARCUS HAAS 04.01.2014
Welche Ziele will die 39-Jährige in den nächsten beiden Jahren umsetzen? Welche Ambitionen hat die Norddeutsche noch? Auf diese und andere Fragen antwortet die neue CDU-Kreisvorsitzende aus Vellberg.

Wie sind Sie nach Vellberg gekommen?
KATRIN HEINRITZ: Der Grund war die berufliche Veränderung meines Mannes vor rund fünf Jahren. Wir haben vorher mit unseren drei Kindern bei Düsseldorf gelebt, wo mein Mann bei der Bausparkasse gearbeitet hat. Er wechselte dann zurück in die Hauptverwaltung der Bausparkasse nach Schwäbisch Hall, also in seine Heimat. Er stammt aus Oberaspach bei Ilshofen.

Gefällt es Ihnen in Vellberg?
Ja, sehr. Vellberg liegt ziemlich zentral im Landkreis Hall und nah bei den Städten Hall und Crailsheim. Wir haben im Prinzip alles, was wir brauchen und Stuttgart ist nicht zu weit entfernt. Vor allem für unsere Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren ist es toll. Wir haben ein Haus in Randlage, die können direkt raus in die Natur. Verkehr gibt es so gut wie keinen. Zudem kenne ich das ländliche Leben, bin selbst in einer ländlichen Region in Schleswig-Holstein aufgewachsen.

Warum sind Sie politisch aktiv und Mitglied der CDU geworden?
Ich stamme aus einer politischen Familie. Mein Großvater mütterlicherseits war ein überzeugter Sozialdemokrat. Mein Großvater väterlicherseits vertrat konservative politische Ansichten. Das führte daheim öfters zu politischen Diskussionen, in der unterschiedliche Meinungen zu vielen Themen positioniert wurden. Zudem habe ich früher viel gekellnert und die politischen Stammtischdiskussionen Sonntag für Sonntag mitbekommen. Das hat sich aber eher im Kreis gedreht und veränderte nichts. Ich habe mir deshalb die unterschiedlichen Parteiprogramme angeschaut. Bei der CDU gab es die meisten Übereinstimmungen zu meinen eigenen Vorstellungen und ich bin Mitglied geworden, um Dinge mitverändern zu können, die mir wichtig sind.

Wie sind Sie im Landkreis Hall politisch aktiv geworden?
Das begann bald nach unserem Umzug nach Vellberg bereits im Landtagswahlkampf und ist nach und nach gewachsen, unter anderem durch den Arbeitskreis Bildung, den ich mit aufgebaut habe. Helmut Rüeck hat Ende 2012 deutlich gemacht, dass er den Kreisvorsitz abgeben möchte, um sich noch stärker auf seine Aufgaben als Landtagsabgeordneter konzentrieren zu können. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, den Vorsitz zu übernehmen. Ich habe darum gebeten, mich erstmal selbst im Kreis bekannt machen zu können, ins Gespräch mit den Mitgliedern zu kommen, um zu sehen, ob das funktionieren kann. Mein Eindruck hat sich verstärkt, dass das gut funktionieren kann und ich bin angetreten.

Seit November 2013 sind Sie die neue CDU-Vorsitzende des Haller Kreisverbands - zufrieden mit dem Ergebnis?
Zum Glück ist die Wahl vorbei, das waren meine ersten Gedanken, denn die Anspannung war hoch. Das Ergebnis macht mich aber stolz, denn mit fast 90 Prozent der Stimmen hatte ich nicht gerechnet. Das ist ein sehr großer Vertrauensvorschuss und ich möchte den Erwartungen gerecht werden.

Rüeck und Heinritz - passt das?
Wir sind sehr unterschiedlich, aber ich glaube, dass wir uns gut ergänzen. Er hat großes Expertenwissen in der Sozialpolitik, bei mir ist es die Bildungspolitik. Er ist ledig und gebürtig von hier. Ich bin verheiratet, habe Kinder und bringe den Blick von außen in die Diskussion hinein. In der Kombination passt das.

Zuerst der Kreisvorsitz, dann das Landtagsmandat?
Nein, ich konzentriere mich voll auf den Kreisvorsitz, damit habe ich genug zu tun. Das gilt nicht nur für den Landtag, sondern auch für den Bundestag. Ich bin froh, dass alle deutlich gemacht haben, dass sie weiter machen wollen.

Gilt das auch für die Europapolitik - Sie sind als Ersatzkandidatin für den Europa-Abgeordneten Rainer Wieland nominiert und im Mai 2014 ist Europawahl?
Ja, das ist ein rein unterstützendes Engagement während des Wahlkampfs. Es geht um inhaltliche Mitarbeit. Ich hatte während des Studiums in Tübingen den Europäischen Föderalismus als Schwerpunkt und dabei manchesmal die osteuropäische Brille auf. Wir bilden gemeinsam zudem eine starke Achse im Norden Württembergs - er in Ludwigsburg und ich im Landkreis Hall.

Welche Ziele wollen Sie als Kreisvorsitzende mit welchem Politikstil in den nächsten zwei Jahren erreichen?
Mir geht es darum, die Bedürfnisse des ländlichen Raums zu positionieren. Die Basis darf in Stuttgart nicht vergessen werden. Ich bin als Kreisvorsitzende ein absoluter Teamplayer und will nicht der dominante Kopf sein, der alles vorgibt, sondern unterschiedliche Stränge zusammenführen. Bei unserer Klausurtagung am 10./11. Januar 2014 werden wir in der Kreis-CDU gemeinsam die uns wichtigen Themenschwerpunkte setzen. Die CDU muss wieder Gesicht zeigen, mehr vor Ort präsent sein und deutlich machen, dass es auch Spaß macht, Politik zu gestalten. Es gilt, die derzeitige Mitgliederzahl von 760 mindestens stabil zu halten und auszubauen. Je mehr Mitglieder wir haben, desto stärker sind wir im Bezirk. Ich stehe innerhalb der Partei für eine offene Streitkultur. Mir ist wichtig, dass in unserem flächengroßen Kreisverband einzelne Verbände und Vereinigungen wie beispielsweise die Junge Union aktiver und stärker werden. Wenn das gelingt, dann trete ich in zwei Jahren wieder zufrieden bei den Neuwahlen beim Kreisparteitag an.

Zur Person vom 4. Januar 2014