Schwäbisch Hall "Ich bin aber noch keine Oma"

Bettina Wilhelm fotografiert das Kinderfest mit ihrem iPad. Heute wird die Erste Bürgermeisterin der Stadt Hall 50 Jahre alt. Archivfoto: Ufuk Arslan
Bettina Wilhelm fotografiert das Kinderfest mit ihrem iPad. Heute wird die Erste Bürgermeisterin der Stadt Hall 50 Jahre alt. Archivfoto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 26.07.2014
Heute feiert Bettina Wilhelm ihren 50. Geburtstag. Die Bürgermeisterin will auch noch im Alter von 60 in Schwäbisch Hall sein, verrät sie im Gespräch.

Wer Bettina Wilhelm besucht, kann sich nicht gemütlich in einen Stuhl fläzen. Ihr Zimmer im Haller Rathaus ist lichtdurchflutet, bietet einen Blick auf Kunsthalle und Johanniterkirche, an der Wand hängt eine Grafik von Jan Peter Tripp, auf dem Fußboden stehen vier steinerne Bohrkerne aus dem Kocherquartier. "Das ist Kunst", sagt sie. Die Bürgermeister steht an ihrem Schreibtisch. Die ständige Bewegung entspricht ihrem Naturell. Und dazu sind auch die Besucher gezwungen. Die Sitzflächen der Stühle in ihrem Büro sind nicht fest montiert, wackeln hin und her, sodass man darauf nie zur Ruhe kommt.

Einer ständigen Bewegung, ohne im Kampf um ihre Projekte in der Stadt das Gleichgewicht zu verlieren, dieser Herausforderung stellt sich Wilhelm. Ihr Motto: "Man darf sich nicht umpusten lassen. Wenn ich von etwas überzeugt bin, kämpfe ich wie eine Löwin dafür. Manche sagen, dass ich einen Dickkopf habe. Wer Profil hat, der eckt an. Mein Ziel ist es nicht, beliebt zu sein." Was sie aber in Hall erfahren habe, nachdem sie in Stuttgart als OB-Kandidaten vor zwei Jahren scheiterte, sei ein uneingeschränkter Rückhalt in der Bevölkerung gewesen. Ihr gescheiterter Griff nach der Herrschaft über Stuttgarter sei ihr nicht verübelt worden.

Was machte die junge Bettina im Alter von 10 Jahren? "Da war ich als Tochter eines Obst- und Gemüsegroßhändlers aus Stuttgart Rotenberg häufig mit auf dem Großmarkt. Ich bin auf dem Gabelstapler mitgefahren, habe die riesigen Kartoffelsäcke bestaunt."

Durch Zufall markieren die runden Geburtstage von Bettina Wilhelm Umbrüche in ihrem Leben. "Mit 20 Jahren war ich gerade als Erzieherin nach Fellbach gegangen." Doch Bettina Wilhelm wollte weiter machen. "Als ich 30 Jahre alt war, habe ich gerade mein Studium des Sozialwesens in Esslingen abgeschlossen. Ich wurde wissenschaftliche Mitarbeiterin, forschte zum Thema ,Frauen und Rechtsextremismus, nahm mein Studium der Erziehungswissenschaften in Tübingen auf. Zudem war ich zu diesem Zeitpunkt schon zweifache Mutter."

Mit 40 Jahren wechselte sie in Ludwigsburg von der Stelle der Frauenbeauftragten an die Spitze der Abteilung, die alle pädagogischen Bereiche der Stadt bündelte. Mit 50 Jahren feiert sie ihren Geburtstag heute in Wackershofen. Zu der privaten Feier sind 126 Freunde eingeladen. In Hall hat sie seit dem 1. April 2009 dafür gesorgt, dass das Haus der Bildung zu dem wurde, was es heute ist. Sie hat Händler davon überzeugt, den Weihnachtsmarkt aus der Gelbinger Gasse auf den Marktplatz zu verlegen, die Einführung der Gemeinschaftsschule vorangetrieben. Aktuell kämpft sie für den Aufbau von Familienzentren, begleitet den noch jungen Förderverein für die Kinderklinik.

Ihre Töchter sind auch gewachsen: Fina ist 25 und studiert Maschinenbau in Aachen, Lea ist 23 und Köchin in Göteborg. Ihr Mann arbeitet weiterhin wochentags in Bruchsal. Wilhelm: "Ich bin aber noch keine Oma."

Und mit 60 Jahren? "Hilfe, dieses Alter kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin dann hoffentlich in meiner zweiten Amtszeit. 2017 will ich mich zur Wiederwahl stellen."

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