Schwäbisch Hall „Heute beginnen, darüber zu reden“

Neu im Aufsichtsrat ist Marija Kolak. Sie ist Präsidentin der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Links im Bild Vorstandschef Reinhard Klein, rechts Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Kirsch.
Neu im Aufsichtsrat ist Marija Kolak. Sie ist Präsidentin der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Links im Bild Vorstandschef Reinhard Klein, rechts Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Kirsch. © Foto: Firmenfoto: Schwäbisch Hall
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 17.05.2018
Bei der Hauptversammlung der Bausparkasse wagt Vorstandschef Reinhard Klein auch einen Blick in die Zukunft. Die Kernbereiche Bausparen und Baufinanzierung sind 2018 gut angelaufen.

Den Service und die Digitalisierung verbessern – das kann man langsam nicht mehr hören“, sagte Reinhard Klein gestern bei der Hauptversammlung in der Unternehmenszentrale. Der Vorsitzende des Vorstands machte deutlich, was er darunter versteht. Klein erwartet einerseits, dass die Bausparkasse ihr Geschäftsmodell mit der bestehenden Wertschöpfungskette weiter digitalisiert.

In einem zweiten Punkt machte der Vorstandschef den Aktionären von DZ-Bank und Genossenschaftsbanken deutlich, welche Themen er am Horizont erkennt: Die Bausparkasse müsse am Grundbedarf ihrer Kunden ansetzen und ihre Leistungen erweitern. Schwäbisch Hall müsse in der Lage sein, seinen Kunden nicht nur bei der Finanzierung zu helfen, sondern bei weiteren Aspekten rund um das Thema Wohnen – der Renovierung und Sanierung, der Einrichtung, der Energieversorgung und Weiterem. „Wir müssen das heute noch nicht umsetzen, aber wir müssen heute beginnen, darüber zu reden“, so Reinhard Klein in seinem Vorausblick. Schwäbisch Hall werde künftig voll auf Angriff spielen, der Markt biete dazu exzellente Chancen, begründete Klein seine Strategie.

Plus in den Kernbereichen

Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Kirsch kommentierte die Schwäbisch-Hall-Absichten kurz und trocken: „Es ist interessant und bewegend, was wir alles vor der Brust haben.“

Reinhard Klein sprach gestern auch über die Geschäftsentwicklung in den ersten vier Monaten des Jahres. „Wir sind stark gestartet.“ Im Bereich der Baufinanzierung haben die Haller um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt, beim Bausparen betrug der Zuwachs sogar 9,9 Prozent. Schwerpunkte bleiben 2018 wie schon im zurückliegenden Jahr die Modernisierung der IT, die Stabilisierung des Bauspargeschäfts, das Wachstum in der Baufinanzierung, die Fokussierung des Vertriebs sowie der Ausbau der „digitalen Kundenerlebnisse“.

Digitalisierung hin, Online-Geschäft her – Klein machte einmal mehr deutlich, dass es für die Bausparkasse von Bedeutung ist, einen gut geschulten Vertrieb zu haben. „90 Prozent suchen online. 98 Prozent schließen offline ab“. Der Vorstandschef räumte ein, dass es der Bausparkasse wohl nicht leichtfällt, alle Vertriebsstellen vor Ort ausreichend zu besetzen: „Uns fehlen draußen Menschen.“ Umso wichtiger sei für Schwäbisch Hall die Zusammenarbeit mit den Banken des genossenschaftlichen Verbunds.

Baufinanzierung wächst

Im zurückliegenden Jahr habe die Bausparkasse Schwäbisch Hall AG ihre Marktposition sehr gut behauptet. Das Ergebnis habe sich stabilisiert, hinsichtlich der Profitabilität sei man vorangekommen, Anforderungen an die Regulatorik habe Schwäbisch Hall geräuschlos bewältigt, erläuterte Reinhard Klein auch vor seinen Vorgängern Alexander Erdland und Matthias Metz.

Das Volumen im Bauspar-Neugeschäft lag 2017 mit 28,0 Milliarden Euro unter dem Vorjahresniveau (29,2). Um 11 Prozent auf
558.000 ging die Zahl der abgeschlossenen Verträge 2017 zurück. Auf Wachstumskurs blieb das Haller Institut im Bereich der Baufinanzierung. Mit einem Neugeschäftsvolumen von 14,6 Milliarden Euro, nach 13,9 Milliarden Euro im Jahr 2016, erreichte die Bausparkasse eine neue Bestmarke.

Der Gesamtmarkt der Baufinanzierung sei 2017 leicht rückläufig gewesen. Die Bausparkasse habe sich dagegen auf hohem Niveau permanent gesteigert und sei inzwischen in Deutschland die Nummer 2 der Baufinanzierer. Branchenkenner gehen davon aus, dass nur die Commerzbank in dieser Hinsicht größer ist. „In diesen Tagen wird das Kundenkreditvolumen von 40 Milliarden Euro durchbrochen“, verriet Reinhard Klein.

334 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftete die Bausparkasse Schwäbisch Hall im zurückliegenden Jahr. Das ist kaum mehr als in den Vorjahren. 2014 lag das Vorsteuerergebnis bei 379, 2015 bei 341 Millionen Euro. Der Vergleich mit dem zurückliegenden Jahr hinkt, denn das Ergebnis 2017 von 175 Millionen Euro war durch bauspartechnische Rückstellungen belastet. Von diesem Sondereffekt bereinigt, hätte der Gewinn 2016 bei 333 Millionen Euro gelegen. Auffällig ist der stark gestiegene Zinsüberschuss. Er stieg von 655 (2016) auf 833 (2017) Millionen Euro.

Nicht in Gefahr

Reinhard Klein ließ die Hauptversammlung an seinem Blick in die weitere Zukunft teilhaben – und diese Prognose fiel nicht nur unbeschwert aus. Der Vorstandsvorsitzende geht davon aus, dass das Ergebnis im Jahr 2021 nur noch 70 Millionen Euro betragen könnte, 2026 dann 138 Millionen Euro. „Das ist die Prognose für das Niedrigzinsszenario. Wir laufen aber nicht Gefahr, in eine kritische Phase zu kommen.“

Zu seinem Antritt 2014 hatte Reinhard Klein der Bausparkasse ein Sparprogramm verordnet. Davon betroffen war insbesondere die Hauptverwaltung in Schwäbisch Hall. 2014 betrugen die Verwaltungsaufwendungen 490 Millionen Euro, 2015 lagen sie bei 444 Millionen Euro. Im Jahr darauf stiegen sie auf 453 und 2017 auf 470 Millionen Euro. Der Vorstandsvorsitzende nannte das Beispiel, dass es zuletzt allein 20 Millionen Euro gekostet habe, das weitere Wachstum zu finanzieren.

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Millionen Kunden hat die Bausparkasse Schwäbisch Hall, 2,94 Millionen davon im Ausland.