Strafzölle „Harley-Mythos leidet nicht“

Michael Brandtner schiebt sein Motorrad in Stellung. Der Händler aus Berndshofen stellte in der zurückliegenden Woche beim Harley Run in Künzelsau aus.
Michael Brandtner schiebt sein Motorrad in Stellung. Der Händler aus Berndshofen stellte in der zurückliegenden Woche beim Harley Run in Künzelsau aus. © Foto: just
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 04.08.2018
Die EU erwägt erhöhte Abgaben auf die amerikanische Kult-Motorradmarke. Heimische Marktkenner sehen der Drohung gelassen entgegen. Im Haller Raum ist Harley weit verbreitet.

US-Präsident Trump droht mit Strafzöllen auf Stahl, Aluminium und Autos aus Europa. Deutschland reagiert bockig und will unter anderem die Einfuhr von Motorrädern der Marke Harley-Davidson höher besteuern. Damit ist das Unternehmen zu einem der prominentesten Opfer des Handelsstreits geworden. Die Harley-Manager erwägen, weitere Teile der Produktion zu verlegen, um diesen Strafzöllen zu entgehen.

Seit April gibt es eine Niederlassung in Schwäbisch Gmünd. Für den Raum Hall, Crailsheim und Gaildorf ist sie die nächstgelegene Anlaufstelle, wenn es darum geht, sich eine neue Harley anzuschaffen.

Bernhard Gneithing ist Managing Director von Harley-Davidson Stuttgart Süd sowie Geschäftsführer der Gmünder Niederlassung. „Ich glaube nicht, dass der Mythos leidet, wenn mehr außerhalb der USA produziert wird. Ich vergleiche das mit Mercedes, das seine Fahrzeuge auch weltweit herstellt. Es kommt auf die Wurzeln an.“

Berlin bewirbt sich

Tatsächlich produziert Harley-­Davidson außer in Milwaukee/Wisconsin schon jetzt auch in Indien, Brasilien und seit Mai in Thailand. Für einen möglichen weiteren Standort, sollte Harley tatsächlich Kapazitäten von seinem Stammsitz abziehen wollen, bringt sich auch Berlin in die Diskussion.

Europa ist für Harley-Davidson der zweitwichtigste Markt. 40 000 Maschinen wurden 2017 hier verkauft. Stärker ist die Marke, die 1969 und in den Jahren danach  durch den Motorrad-Film „Easy Rider“ Kultstatus erlangte, nur in den USA vertreten.

Gneithing gibt es allerdings zu denken, dass die Motorradfahrer immer älter werden und der Nachwuchs nur spärlich nachrückt. Heutzutage sei der durchschnittliche Biker 48 Jahre alt, der Harley-Fahrer etwas älter, weiß der Motorradmanager. Für mögliche junge Kunden entwickeln die Amerikaner ein „junges und freches Motorrad, als Einstieg in die Harley-Welt“, sagt Bernhard Gneithing. Das seit Jahren steigende Durchschnittsalter der Motorradfahrer belastet Harley-Davidson auch in seinem Heimatmarkt.

In Deutschland ist das nicht anders, beobachtet Michael Brandtner. „Der durchschnittliche Harley-Fahrer ist 70“, vermutet der Händler (Brandys Motorcycles) aus Berndshofen im idyllischen Jagsttal. Dort hat Reinhold Paukner einst einen Harley-Vertrieb aufgebaut, der nach und nach legendär wurde. 2004 entzog ihm Harley den Vertrag. Die Amerikaner wollten sich, so vermutet Nachfolger Michael Brandtner, auf die Glaspaläste in den Großstädten konzentrieren. Brandtner übernahm die Werkstatt in Berndshofen von Reinhold Paukner, er führt sie bis heute fort.

Zweimaliger Weltmeister

 Der Harley-Fan im Jagsttal bietet nach wie vor Service-, Wartungs- und Umbauarbeiten für die Motorräder aus Amerika an. Dies tut er mit einigem Erfolg. Zwei Mal wurde er mit Neugestaltungen von Harley-Maschinen zum Weltmeister gekürt – 2005 in Las Vegas, 2008 in Daytona. Inzwischen hat er sich ein zweites Standbein geschaffen. Er stellt eigene Motorräder im Chopper-Stil her.

Michael Brandtner ist sich sicher, dass Harley-Fahrer im Haller Raum weit verbreitet sind. Das liege nicht zuletzt an den guten Einkommensverhältnissen in einer Gegend, in der Unternehmen wie Würth und Bausparkasse, Ziehl-Abegg und Optima ihre Heimat haben. Schließlich haftet Harley nicht der Ruf an, besonders günstige Motorräder herzustellen.

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Prozent Steuern sind derzeit in Deutschland auf ein Motorrad von Harley-Davidson zu zahlen. Entscheidet sich die EU für Vergeltungszölle, stiege dieser Wert auf 31 Prozent.

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