Schwäbisch Hall "Hannes und der Bürgermeister" blödeln im Neubau-Saal in Schwäbisch Hall

Schwäbisch Hall / NORBERT ACKER 05.11.2014
Im ausverkauften Neubau-Saal haben "Hannes und der Bürgermeister" am Montag ihren derben, schwäbischen Humor präsentiert. Wer ein Faible für das Format hat, ist voll auf seine Kosten gekommen.

Die Bühne sieht aus wie im Fernsehen, der Schreibtisch des Bürgermeisters, Hannes Stuhl, ein alter Stich hängt an der Wand. Doch diesmal sind "Hannes und der Bürgermeister" live unterwegs. Ein arriviertes Publikum hat sich im Neubausaal eingefunden, kein Wunder bei Kartenpreisen von 36 Euro. Ausverkauft ist es trotzdem. Aufregung ob dessen, was es gleich auf der Bühne zu sehen und zu hören gibt, ist nicht zu spüren. Das leise Gemurmel erstirbt pünktlich nach dem dritten Gong.

Das musikalische Intro wird gekonnt von Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle präsentiert. Dann öffnet sich die Bühnentür und herein tritt der Bürgermeister (Karlheinz Hartmann). Selbstverständlich beginnt der erste Sketch mit einem Telefonat, das der Schultes führt. Dass er dabei die Zusage für einen Modelauftritt bei einer Benefizmodenschau gegeben hat, muss ihm sein Amtsbote, der Hannes (Albin Braig), dann erst einmal erklären. Zotig geht es gleich zur Sache: Zum Thema Modenschau kann man ja auch vortrefflich um die Vokabel "ausziehen" herumalbern.

Nach einem Stumpfes-Intermezzo müssen Hannes und sein Bürgermeister Straßennamen für ein Neubaugebiet finden. Auch hier ist - man mag es kaum glauben - Platz für sexuelle Anspielungen. "Der FKK-Altherrenverein will eine Sackgasse", sagt der Bürgermeister. Schenkelklopfer. Diese "Arbeit" müssen sich die beiden natürlich "schöntrinken". Denn das wichtigste Requisit, so scheints, ist die Schnapsflasche, aus der großzügig eingeschenkt wird.

Die Stumpfes animieren zum Mitklatschen, dann steht Hannes auf einmal im Visier der NSA. Und wie ist der Geheimdienst auf ihn gekommen? Ein Agent hat ihm im Gasthaus einen Obstler nach dem andern ausgegeben und ausgehorcht. "Des wor koi Schwob", ist sich Hannes sicher. Dabei hat es Kommunikationsprobleme gegeben. Und Bonbons gegen Husten werden da zu Bomben gegen Houston.

So geht es auch nach der Pause weiter. Der derbe Haudrauf-Humor von "Hannes und der Bürgermeister" ist nicht subtil. Dieser Anspruch wird gar nicht erst erhoben. Immerhin ist das Format seit 1985 ein Erfolgsrezept. Pointen werden ellenlang vorbereitet, dass man kaum noch lachen muss, wenn es denn endlich so weit ist. Das macht den Fans nichts, gelacht wird ausgiebig. Und dank der skrupellosen Hausmusik der Stumpfes ist auch was für diejenigen dabei, die ihre Probleme mit den Witzchen haben.

Die Krux dieses Dauerbrenners des schwäbischen Humors ist seine Rückwärtsgewandheit. Solche Bürgermeister gibt es doch schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Dementsprechend verwundert es kaum, dass ein Blick ins Publikum keine Gemeindechefs in Fleisch und Blut ausfindig macht. Auch wird hier ein antiquiertes Frauenbild transportiert. So ist des Bürgermeisters Gattin, "Schatzilein", natürlich zu doof, mit einer Fernbedienung die Hautür zu öffnen. Schön, dass am Ende herauskommt, dass eigentlich der Schultes mit der modernen Technik nicht klar kommt. Denn er ist ja auch nicht der Hellste, hält sich aber für jemanden, zu dem seine "Untertanen" aufschauen.

Pünktlich nach einer Zugabe, die nicht einmal richtig erklatscht werden muss, kommt eine letzte Verbeugung der Darsteller und der Musiker, dann geht das Saallicht an. Das Publikum macht keine Anstalten mehr zu wollen und geht zufrieden.