Schwäbisch Hall Bürger dürfen den Reifenhofplatz bemängeln

Rote Punkte sammeln sich auf dem Rollhofplatz. Die grünen markieren die schöne Aussicht am Königsberger Weg. Stadtplaner Christian Mathieu interpretiert die von den Teilnehmern des Rundgangs gesetzten Farbtupfer.
Rote Punkte sammeln sich auf dem Rollhofplatz. Die grünen markieren die schöne Aussicht am Königsberger Weg. Stadtplaner Christian Mathieu interpretiert die von den Teilnehmern des Rundgangs gesetzten Farbtupfer. © Foto: Tobias Würth
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 18.10.2018
Beim Rundgang durch den Reifenhof bringen 60 Bewohner Ideen für Neugestaltungen ein: Das ist der Startschuss für die Planer.

Betti wartet schon. „Betti ist unser neues Beteiligungsmobil“, berichtet Erster Bürgermeister Peter Klink. Der umgestaltete Bauwagen tauche immer dann auf, wenn Bürger bei Planungsprozessen einbezogen werden. Diesmal sind 60 Bewohner des Reifenhofs gekommen, um mitzureden.

An der Tür des Infomobils auf zwei Rädern hängen Luftbilder, die den Reifenhof früher und heute abbilden. Seit dem Bau der Siedlung 1955 und der Erweiterung 1970 hat sich im Grunde wenig verändert. Die Blumenkübel aus Waschbeton auf dem Platz könnten so auch in den 70er-Jahren vor einem DDR-Plattenbau gestanden haben.

80.000 Euro hat die Fraktion der Grünen bereits im vergangenen Doppelhaushalt 2016/2017 dafür erkämpft, dass der Reifenhofplatz aufgefrischt wird. Grünen-Stadträtin Joanna Walter wird seitdem nicht müde, die Umsetzung anzumahnen.,

„Wir hatten Personalmangel, daher ging das bis jetzt nicht“, entschuldigt das Baubürgermeister Peter Klink. Personal sei nun da. Das können alle sehen. Denn nicht nur er verleihe dem, was die Bürger gemeinhin als „die Stadt“ bezeichnen, ein Gesicht, betont Klink. Auch Stadtplanerin Katharina Hofmann und ihr Kollege Christian Mathieu verkörperten den abstrakten Begriff „Verwaltung“ als menschliche Wesen.

„Was mich interessieren würde ist, wo für Sie der Platz anfängt und wo er aufhört?“, will Mathieu wissen. Denn der Reifenhof vor dem Lebensmittelmarkt verfügt weder über eine kreisförmige noch eine quadratische Form. Er besteht aus dem, was zwischen Straße und Häusern übrig geblieben ist. Mit grünen und roten Punkten markieren die Bewohner den Ort, den sie im Reifenhof am besten oder am schlechtesten finden. Zwölf rote Kleber und nur ein grüner werden auf die Stelle im Plan mit dem Reifenhofplatz positioniert.

Das Geld reicht nicht

„Wenn Freunde zu Besuch sind, zeige ich den Platz gar nicht, weil ich mich für ihn schäme“, berichtet der Reifenhof-Bewohner Jan Müller. „Da geh’ ich die Brötchen lieber allein holen.“ Ex-Grünen-Stadtrat Reinhard Huppenbauer meint: „Ich halte mich gerne auf dem Platz auf, obwohl er mir nicht gefällt.“

Was sollte man verändern, wollen die Stadtplaner wissen? Die Bürger beteiligen sich an der Ideensammlung. Genannt wird: schöner, großzügiger, einheitlicher, als besserer Treffpunkt, gute Fahrradständer, sauberer, bessere Straßenüberquerungen, größere Bushaltestellendächer, multifunktionale Sitze und ein Café.

Ein Teilnehmer rechnet mit: „Was davon kann man mit 80.000 Euro eigentlich verwirklichen?“ Stadtplaner Christian Mathieu räumt ein: Alle genannten Wünsche könne er mit diesem Budget nicht erfüllen.

Christian Mathieu nennt eine mögliche Lösung: „Wir fangen mal bescheiden an. Meine Vorstellung ist es, einen Plan zu entwickeln, den man über die Jahre sukzessive fortsetzen kann.“ Die Verwaltungsmitarbeiter wollen nun auf Grundlage der Ideen ein Konzept für die Platzgestaltung erarbeiten.

Sonnenhof und Kreisverkehr

Beim Stadtteilrundgang, der von der Volkshochschule ausgerichtet wird, führt ein Abstecher zum Sonnenhof. Geschäftsführer Pfarrer Michael Werner stellt die Planungen für den massiven Umbau des Stammgeländes vor. Geplant ist auf dem Gebiet der Einrichtung für behinderte Menschen, Wohnraum für jeden zu schaffen, der dort wohnen will. „Leben dann Behinderte und Nichtbehinderte in einem Haus zusammen?“, will eine Teilnehmerin wissen. Werner bejaht das. Das sei schon heute an einigen Stellen der Fall. Es würden aber auch Häuser gebaut, in denen keine Gruppen der Einrichtung untergebracht würden. 

Der Kreisverkehr an der Berliner Straße soll nächstes Jahr vergrößert werden. Das sei möglich, da der Sonnenhof einen Zipfel seines Grundstücks zur Verfügung stellt, klärt Baubürgermeister Peter Klink auf. Derzeit werde geprüft, ob an der Berliner Straße wieder ein Zebrastreifen angebracht werden kann.

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