Schwäbisch Hall „Große Sprengkraft“

Die Arbeitgeberverbände laden im Sommer stets ins Freilandmuseum Wackershofen ein. Auf dem Foto vorn, von links: Rolf Blättner (Geschäftsführer Südwestmetall), Felix Prinz zu Löwenstein (Biolandwirt, Buchautor), Ingeborg Wenzel (Personaldienstleisterin), Alois Schöllhorn (Vorstandsvorsitzender Arbeitgeberverbände), Karl Schäuble (Vorsitzender Südwestmetall, Bezirk Heilbronn/Franken).
Die Arbeitgeberverbände laden im Sommer stets ins Freilandmuseum Wackershofen ein. Auf dem Foto vorn, von links: Rolf Blättner (Geschäftsführer Südwestmetall), Felix Prinz zu Löwenstein (Biolandwirt, Buchautor), Ingeborg Wenzel (Personaldienstleisterin), Alois Schöllhorn (Vorstandsvorsitzender Arbeitgeberverbände), Karl Schäuble (Vorsitzender Südwestmetall, Bezirk Heilbronn/Franken). © Foto: just
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 11.07.2018
Beim Sommertreff in Schwäbisch Hall mahnt der Südwestmetall-Bezirksvorsitzende Karl Schäuble die Politik. Die Flexibilität sieht er massiv eingeschränkt.

Die Hällischen Landschweine scheinen die Besucher an diesem Montagabend im Freilandmuseum zu ignorieren. Mehr Aufmerksamkeit widmen die Schwalben den Unternehmern und Managern, die die Arbeitgeberverbände eingeladen haben. Beschaulich ist dieser Sommertreff allerdings nur bedingt. Karl Schäuble, Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken, spricht vor rund 120 Gästen von einer Welt, die aus den Fugen zu geraten droht, und Entwicklungen, die erhebliche Sprengkraft für die Wirtschaft haben könnten.

Abhängigkeit vom Außenhandel

Italien stehe am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Großbritannien treibe planlos dem Brexit entgegen. Die USA schreiben sich Protektionismus auf ihre Fahnen. Und Deutschland gerate in Gefahr, an Stabilität zu verlieren. „Für unsere exportorientierte Wirtschaft in Baden-Württemberg sind die Angriffe der USA auf das multilaterale Welthandelssystem natürlich eine besonders große Herausforderung“, sagte Schäuble. In Deutschland hänge jeder vierte Arbeitsplatz vom Außenhandel ab, in der Industrie sei es sogar jeder zweite. „Das gilt insbesondere für die sehr exportstarke und exportorientierte Region Heilbronn-Franken“, so der Vorsitzende der Südwestmetall in der Region.

Karl Schäuble wirft der Politik vor, dass sie vom lang anhaltenden Aufschwung berauscht sei und dabei die Bedürfnisse der Unternehmen aus dem Blick verloren habe. Statt auf wachstumsfördernde Investitionen zu setzen, werde in erster Linie umverteilt.

Unternehmer würden mehr Flexibilität brauchen, tatsächlich aber sehen sie sich massiven Einschränkungen gegenüber. Damit sprach Schäuble einen Anstieg der Lohnnebenkosten und rentenpolitische Vorhaben an. Besonders eingeschränkt seien Unternehmer laut Schäuble hinsichtlich der Befristungen sowie Arbeitszeitregelungen. „An Händen und Füßen gefesselt, wird die deutsche Wirtschaft im digitalen Zeitalter nicht bestehen können.“

Schäuble, der den Maschinenbauer Illig im Osten Heilbronns führt, sprach davon, dass Befristungen von Arbeitsverträgen unverzichtbar seien, damit Unternehmen flexibel reagieren könnten. Einen Anschlag auf die unternehmerische Freiheit sieht er in dem Plan der Regierung, die befristete Teilzeit einzuführen. Dies würde den Fachkräftemangel weiter verschärfen. Das Arbeitszeitrecht sei veraltet, es würde neuer Modelle bedürfen. „Modernen, flexiblen Arbeitszeitmodellen, die auch den Bedürfnissen der Beschäftigten gerecht werden, werden heute, etwa durch die tägliche Höchstarbeitsgrenze von acht beziehungsweise zehn Stunden, zu enge Grenzen gezogen. Dasselbe gilt für die gesetzliche elfstündige Ruhezeit zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn“, so Karl Schäuble.

Arbeitszeit nicht ausweiten

Dabei denke kein Mensch an die Ausweitung von Arbeitszeiten. Vielmehr müsse die vereinbarte Gesamtarbeitszeit flexibler und bedarfsgerechter eingesetzt werden können, so die Forderung des Bezirksvorsitzenden beim Sommertreff in Wackershofen.

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Bezirksgruppen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall gibt es in Baden-Württemberg.

„Preise, die nicht stimmen, lenken falsch“

Felix Prinz zu Löwenstein gilt als namhafter politischer Vertreter der deutschen Biobranche. Der Buchautor, Agrarwissenschaftler und Landwirt sprach am Montag beim Sommertreff der Unternehmer über ökologische Landwirtschaft und machte deutlich, dass sich die Mengen an Lebensmitteln, die eine wachsende Weltbevölkerung in Zukunft braucht, nicht durch Produktionssteigerung herstellen lasse. „Wir müssen aufhören mit einer Landwirtschaft, die hohen Druck auf die Ökosysteme ausübt. Was wir machen, funktioniert nicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Es gebe heutzutage keinen Grund mehr, Lebensmittel zu kaufen, von denen man weiß, dass ihre Entstehung nicht in Ordnung ist, so zu Löwenstein. „Wieso ändern wir die Dinge nicht?“, fragte sich der Gastredner. „Weil das Hauptsteuerungselement nicht stimmt. Der Preis lügt. Und Preise, die nicht stimmen, lenken falsch.“ Kosten, die beispielsweise durch die Nitratbelastung der landwirtschaftlich genutzten Böden verursacht werden, seien in den Preisen der erzeugten Lebensmittel nicht berücksichtigt. „Wie beknackt sind wir eigentlich? Der derzeitige Konsum von Lebensmitteln macht uns krank.“

Die Arbeitgeber in Baden-Württemberg gründen einen neuen Verband. Die Überlegungen dazu stellte Bezirksvorsitzender Karl Schäuble am Montag beim Sommertreff vor. Die Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände und der Landesverband der Industrie streben eine zentrale Interessenvertretung der gesamten freien Wirtschaft an. Diese wird sich „Unternehmer Baden-Württemberg“ nennen. In der Region soll der Arbeitgeberverband (AGV) Heilbronn-Franken aufgelöst werden. Seine Mitglieder werden künftig dem Unternehmensverband Südwest angehören. Diese neue regionale Einheit will zusammen mit Südwestmetall die Interessen der Unternehmen vertreten. just

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