Schwäbisch Hall "Gras" bringt schmalen Gewinn

Schwäbisch Hall / ELEONORE HEYDEL 23.07.2014
Das Haller Amtsgericht hat einen 23-jährigen Arbeiter wegen Handels mit Marihuana zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt.

Unter einem Drogendealer versteht man normalerweise etwas anderes. In diesem Fall, der jetzt vor dem Haller Amtsgericht verhandelt wurde, hat der angeklagte 23-jährige Gaildorfer zweimal Marihuana an einen verdeckten Ermittler der Polizei verkauft. Beim ersten Mal waren es nur 0,3 Gramm zu fünf Euro. Beim zweiten Mal übergab er fast neun Gramm Marihuana zu 100 Euro. Dabei war der Gewinn überschaubar: Bei der ersten Abgabe machte er ein Plus von zwei Euro, beim zweiten Deal bekam er eine "Provision" von 9,50 Euro.

In der Verhandlung gesteht der 23-jährige Arbeiter die Verkäufe ein. Dass es sich bei seinem Kunden um einen verdeckten Ermittler handelte, hatte er nicht geahnt. Der fremde Mann, dessen Identität vor Gericht unter der Decke gehalten wird, hatte ihn im letzten Frühsommer in der Gaildorfer Bahnhofstraße auf Cannabis angesprochen.

Danach blieben beide in Kontakt. "Er hat mich öfters angerufen und gefragt, ob ich ihm aushelfen kann", berichtet der Angeklagte. Er gibt zu, dass er bis heute ab und zu selber Marihuana konsumiert ("Ich versuchs einzuschränken"). Die Anklage listet keine weiteren Fälle auf. Der Verdacht allerdings, dass der 23-Jährige auch andere Konsumenten mit "Gras" versorgt hat, ist nicht von der Hand zu weisen.

Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am 19. März dieses Jahres wurde unter anderem eine Feinwaage sichergestellt. Die Polizei fand außerdem Cannabis-Samen und verbotenes Psycho-Pilzmaterial. Nicht nur dies, auch sein Smartphone nahmen die Ermittler mit. Er bekommt es nicht zurück. Dem Angeklagten wird zugute gehalten, dass die Initiative zum Verkauf von dem verdeckten Ermittler ausging. Gegen ihn spricht allerdings, dass er schon vorbestraft ist.

Richter Jens Brunkhorst verurteilt ihn zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 30 Euro, also 1500 Euro. Der Angeklagte kann die Strafe in Raten zu 75 Euro abstottern - bis in das Jahr 2016 hinein.

Für die Jugendlichen einer 9. Schulklasse, die bei der Verhandlung zugehört haben, könnte das Urteil eine Warnung sein. Es ist für viele Schüler heutzutage kein Problem, sich Haschisch oder Marihuana zu besorgen. Der Konsum als solcher ist nicht strafbar, wohl aber der Erwerb und der Besitz.

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