Kriminalität „Gott sei Dank geht die Zahl der Wohnungseinbrüche zurück“

Einbrecher beschäftigen die Haller Polizei zwar immer noch, aber es gab 2016 weniger Fälle als im Vorjahr. Das gilt auch insgesamt.
Einbrecher beschäftigen die Haller Polizei zwar immer noch, aber es gab 2016 weniger Fälle als im Vorjahr. Das gilt auch insgesamt. © Foto: Symbolfoto/Grafik: Jörk Meider
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 12.06.2017
Die Polizei verzeichnet im Jahr 2016 358 Kriminalitätsfälle weniger als im Vorjahr für Hall. Der stellvertretende Revierleiter spricht von üblichen Schwankungen.

Die Zahl der Vergewaltigungen steigt um 133 Prozent, die der Straftaten gegen das Leben um 33 Prozent. Wer die Kriminalitätsstatistik für Schwäbisch Hall oberflächlich überfliegt, traut sich nicht mehr auf die Straße.

Der stellvertretende Revierleiter Gerhard Müller aus Hall sagt hingegen: „In Schwäbisch Hall lebt man sicher.“ Wie passt das zusammen?

Um das zu erklären, muss man die Hebelwirkungen der Statistik  beachten. Die Zahl der Vergewaltigungen ist von drei im Jahr 2015 auf sieben im vergangenen Jahr gestiegen. Erhöht sich eine kleine Zahl, springt das in Prozent ausgedrückt schnell nach oben. Polizist Müller will die Gewalt und den Schmerz bei den Opfern keinesfalls relativieren: „Es waren aber einige Anzeigen der Vergewaltigung dabei, die sich hinterher als vorgetäuscht herausstellten.“ Dennoch bleiben die in der Statistik drin. Ob die Fälle zur Anklage kommen oder vor Gericht Bestand haben, wird nicht aufgelistet.

Ähnlich sei das auch bei Rohheitsdelikten zu sehen. So schnellten Anzeigen wegen Raub und  Erpressung nach oben – um 45,5 Prozent von 11 auf 16 Fälle. Müller: „Fehlt nach einer Schlägerei einem Kontrahenten der Geldbeutel, wird das auch unter dieser Kategorie geführt.“ In den vergangenen Jahren wurden Serien von Straftaten bekannt. Zwar wurden 2016 vier Wohnungen mehr als 2015 in Hall aufgebrochen (Anstieg um 13 Prozent von 31 auf 35 Einbrüche). Dennoch: Das aktuelle Jahr zeige: Der Diebstahl aus Häusern sei deutlich rückläufig. „Gott sei Dank geht die Zahl der Wohnungseinbrüche wieder zurück“, sagt Müller. Die Polizei sei vermehrt Streife gefahren, habe an Türen geklingelt, wenn die offen standen. Der „Diebstahl unter erschwerten Bedingungen“ fiel um fünf Prozent. Das bedeutet: Es wurde weniger oft in Verkaufsräume (minus 40 Prozent) und Gaststätten (minus 12 Prozent) eingebrochen.

Müller führt das auch auf Zufälle zurück. Wurde eine Diebesbande gerade gefasst, sinkt die Zahl an Delikten. Klärt die Anti-Drogen-Einheit aus Crailsheim gerade einen komplizierten Gaildorfer Fall auf, kann  sie vielleicht nicht so intensiv diesen Vergehen in Hall nachgehen und die Zahl der Rauschgiftdelikte sinkt (um 20 Prozent auf 123 Fälle). Engagiert ein Kaufhaus einen Detektiv, steige die Zahl der aufgeklärten Fälle rasant an.

Von 1943 Delikten in Hall werden 1217 aufgeklärt. Allerdings macht die Polizei bereits einen grünen Haken an den Fall, wenn sie einen Verdächtigen geschnappt hatten. Doch wegen der DNA-Technik ist sich Müller sicher: „In 99,9 Prozent der Fälle ist der Verdächtige auch der Täter.“

Mit 50 bis 70 Abschiebungen wird 2017 gerechnet

Die Haller Polizei erledigt Aufgaben, die zunächst wenig mit dem Streifendienst zu tun haben. „Wir rechnen mit 50 bis 70 Abschiebungen im laufenden Jahr. Leider erfahren wir davon recht kurzfristig“, sagt der stellvertretende Revierleiter Gerhard Müller. Meistens seien es Strafgefangene aus der Haller Justizvollzugsanstalt, die zu Sammelpunkten, nicht aber zum Flughafen, begleitet werden. Im Vorfeld werde geklärt, welche Straftaten vorliegen, damit sich das Personal darauf einstellen kann. Manche müssten mit Fuß- und Handschließen gesichert werden. Die Asylbewerber würden auch zu Anhörungen gefahren, falls das nicht vom Justizpersonal erledigt wird.

Die Abschiebungen zu begleiten, sei eine „Belastung für die Kollegen“, sagt Müller. „Gott sei Dank gibt es nur wenige Fälle, bei denen wir die Menschen, meistens nachts, von zu Hause abholen müssen und man den Eindruck hat, die sind integriert“, meint Müller. Aber das sei eben die Arbeit eines Polizisten, zu der er eine neutrale Haltung einnehmen müsse. Müller: „Das ist unser Job, auch wenn er unbequem ist.“

Das Haller Revier, das von Ilshofen bis Gaildorf zuständig ist, umfasst 80 Mitarbeiter, hinzu kommen 20 Kriminalpolizisten. Unterstützung erhalten die von Einheiten wie der Verkehrspolizei. Ins neue Gebäude an der Salinenstraße werden im nächsten Jahr 130 Polizisten einziehen.  tob