Medizin „Gesunde Bräune gibt’s nicht“

Schwäbisch Hall / Sigrid Bauer 15.08.2018
Hautschäden durch die Sonne zeigen sich oft erst nach vielen Jahren. Schlimmstenfalls führen sie zu schwarzem Hautkrebs.

Für die Entstehung von Hautkrebs ist wichtig, wie viel UV-Strahlung ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt war. „Sie müssen sich das wie einen Betriebsstundenzähler für UV-Exposition vorstellen. Irgendwann ist er voll. Wann, das ist bei jedem Menschen anders, je nach Hauttyp“, verdeutlicht die Haller Hautärztin Beate Burkhardt. Je heller die Haut, desto empfindlicher ist sie.

Menschen mit schwachem Immunsystem wie alte Menschen oder Organtransplantierte sind durch UV-Strahlung besonders gefährdet. Besonders schlimm ist ein Sonnenbrand für Kinder. Burkhardt drückt sich drastisch aus: „Für mich ist ein Sonnenbrand im Kindesalter Körperverletzung, denn für die Entwicklung des schwarzen Hautkrebses ist das entscheidend“, stellt sie klar. Kinder bis drei Jahre gehören überhaupt nicht in die direkte Sonne. Ganz allgemein sollten Kinder immer gut eingecremt sein und eine Kopfbedeckung tragen. „Vor allem, wenn sie viel draußen spielen wie zum Beispiel in einem Waldkindergarten“, stellt sie fest.

Für alle, auch für Erwachsene gilt: Raus aus der Mittagssonne. „Zwischen 11 und 15 Uhr sollten wir die Sonne absolut meiden“, empfiehlt sie. Am besten schützt Kleidung aus engmaschigem dunklen Stoff vor der UV-Strahlung. Schultern und Oberarme sollten bedeckt sein. „Es gibt spezielle, zertifizierte UV-Schutz-Kleidung mit dem UV-Standard 801, auch Hüte und Mützen“, so die Hautärztin.

Der helle Hautkrebs, der sehr viel häufiger auftritt als der schwarze Hautkrebs, entsteht bevorzugt auf den sogenannten Sonnenterrassen im Gesicht: auf der Nase, der Stirn, an den Ohren, bei Männern auch auf der Glatze. Auf diese Bereiche müsse man besonders gut achten und immer Sonnenschutzmittel auftragen. „Mindestens Faktor 30, am besten Faktor 50“, so die Dermatologin.

Das gelte für Mittel mit physikalischem Schutz – das sind die, die einen weißlichen Film auf der Haut bilden - genauso wie für solche mit chemischem Schutz. Ganz wichtig: „Mittel mit chemischem Filter müssen, 20 Minuten bevor Sie in die Sonne gehen, auf die Haut kommen. Sonnenschutz für Kinder enthält meist physikalischen Schutz. Er dringt nicht in die Haut ein“, sagt Burkhardt.

Egal, welches Mittel verwendet wird, es muss in ausreichender Menge und überall auf die Haut. „Zwei Milligramm pro Quadratzentimeter“, rät sie. Bei einem Durchschnittsmann wären das rund 40 Gramm, bei einer Durchschnittsfrau etwa 35 Gramm. Wenn der Sonnenschutz durch Schwimmen, Schwitzen oder bei Kindern durch Sandspielen abnimmt, muss unbedingt nachgecremt werden.

Von der Rechnung, dass beispielsweise der Sonnenschutzfaktor 50 einem erlaubt, 50-mal länger in der Sonne zu bleiben als ohne Sonnenschutz, hält Burkhardt gar nichts. Auch den Ausdruck „gesunde Bräune“ lässt sie nicht durchgehen. „Gesunde Bräune gibt es nicht“, stellt sie kategorisch fest. Selbstverständlich lehnt sie deshalb auch das Bräunen auf der Sonnenbank ab. „Das ist eine zusätzliche UV-Belastung“, sagt sie.

Vor allem Menschen, die viel draußen sind, sollten sich jährlich vom Hautarzt untersuchen lassen, um möglichst schon die Vorstufe des weißen Hautkrebses, die aktinische Keratose, zu erkennen. „Wir haben jetzt schon 30- bis 35-Jährige mit hellem Hautkrebs“, warnt sie. Auch hier gibt es Formen, die Metastasen bilden.

Eine Information liegt der Haller Dermatologin besonders am Herzen: Seit 2015 kann ein Hautkrebs bei Patienten, die beruflich viel der Sonne ausgesetzt sind, wie Bauarbeiter, Dachdecker, Postboten oder Tennislehrer, von der Berufsgenossenschaft als Berufskrankheit anerkannt werden. Dadurch haben die Betroffenen Anspruch auf zusätzliche Leistungen. „Die meisten Leute wissen das nicht, auch viele Hausärzte“, meint sie.

Photodynamische Behandlung gegen Krebs

Eine Salbe mit einem speziellen Farbstoff  wird auf die Stelle mit aktinischer Keratose aufgetragen. Durch Bestrahlung mit einer LED-Lichtquelle ohne UV-Anteil wird der Farbstoff aktiviert. Das führt zum Absterben der Tumorzellen. „Gegenüber der bisherigen photodynamischen Therapie mit natürlichem Sonnenlicht ist diese Behandlung kontrolliert in der Praxis durchführbar und völlig schmerzfrei“, so Burkhardt. siba

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