Unwetter „Geringes Risikobewusstsein“

Rosengarten / cito 28.07.2018

Nachdem starke Regenfälle am 9. Juni und am 11. Juli mit bis zu fast 37 Litern pro Quadratmeter und Stunde mehrere Gebäude in Rosengarten, vor allem im Ortsteil Uttenhofen, unter Wasser gesetzt und in 13 Fällen das Ausrücken der Feuerwehr notwendig gemacht hatten, gab die Gemeinde die fachliche Ursachenforschung in Auftrag. Außerdem sollte der Haller Ingenieur Erich Krupp mögliche Optimierungen der Straßen- und Kanalgestaltung vorschlagen. Krupp präsentierte die Ergebnisse seiner Untersuchungen nun dem Gemeinderat.

Zwei Sachverhalte stellte Bürgermeister Jürgen König zuvor klar: Das Rosengartener Kanalnetz sei vorschriftsgemäß ausgelegt. Außerdem seien die neuen Wohngebiete Jakobsweg I und II in Uttenhofen keinesfalls ursächlich für die Überschwemmungen an anderer Stelle. In der Bevölkerung seien entsprechende Vermutungen geäußert worden. Das Regenwasser aus diesen Gebieten werde nicht über die Ortslage Uttenhofen abgeleitet, sondern komplett über das neue Jakobsweg-Regenrückhaltebecken und anschließend über einen offenen Graben und die Kirchklinge in die Bibers nach Rieden.

Für Starkregenereignisse gebe es nur eine sehr kurze oder gar keine Vorwarnzeit, und sie könnten zu erheblichen Schäden führen, auch ohne dass sich, wie 2016 in Braunsbach, ein Gewässer in der Nähe befindet. Zudem sei die Gefahr durch extremen Regen nur in geringem Maße im Risikobewusstsein der Bevölkerung und der Kommunen verankert, zitierte Krupp aus dem „Leitfaden Kommunales Starkregen-Risikomanagement“ der Landesanstalt für Umwelt. Nach der Satzung über die öffentliche Abwasserbeseitigung müssten sich Grundstückseigentümer gegen Rückstau auf ihren Flächen auf eigene Kosten absichern. Dies sei durch Hebeanlagen, Rückstausicherungen und die Abdichtung von Kellerlichtschächten möglich. Mit einigen der betroffenen Hausbesitzern seien diesbezüglich Beratungsgespräche geführt worden.

Bei seiner Analyse der öffentlichen Flächen stellte Krupp drei Schwerpunkte fest, in deren Bereich die Gemeinde Möglichkeiten hat, die Überschwemmungsgefahr bei Starkregen zu vermindern. So könne das Abwasserpumpwerk beim Riedweg in Uttenhofen optimiert und ein Notüberlauf eingerichtet werden. Man könne dort auch die separate Ableitung von Dachflächenwasser in Erwägung ziehen. Im Bereich Salzstraße und Ostring könne durch eine neue Querspange die hydraulische Leistungsfähigkeit des Kanalnetzes mit überschaubaren finanziellen Mitteln erhöht werden. Im Bereich der Ortsdurchfahrt B 19 könne die Wasserführung durch Hochbordsteine verbessert werden. In einem Einzelfall könnten Einlaufschächte zur Regenabwasserleitung vergrößert werden.

Im nächsten Schritt wird das Haller Ingenieurbüro die Kosten für die vorgeschlagenen Maßnahmen ermitteln, die dann in die Haushaltsplanung der Gemeinde für 2019 aufgenommen werden sollen.

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