Theater „Genau da, wo ich sein will“

Während ihres freiwilligen sozialen Jahres hilft Anastasia Reutter aus, wo sie gebraucht wird – zum Beispiel am Stand der Freilichtspiele auf dem Schwäbisch Haller Weihnachtsmarkt.
Während ihres freiwilligen sozialen Jahres hilft Anastasia Reutter aus, wo sie gebraucht wird – zum Beispiel am Stand der Freilichtspiele auf dem Schwäbisch Haller Weihnachtsmarkt. © Foto: g
Verena Köger 10.01.2018

Irgendwie kreativ sein.“ Für Anastasia Reutter aus Westheim war schon immer klar, dass sie sich künstlerisch ausleben möchte. Da traf es sich gut, dass die Haller Schauspielerin und Regisseurin Martina Reichert ihr angeboten hat, nach der Schule ein freiwilliges soziales Jahr bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall zu machen. Die 19-Jährige ist die Erste, die ein FSJ im künstlerischen Bereich absolviert.

Ana, wie sie von allen genannt wird, hatte Martina Reichert durch ihre Mithilfe beim Jugendensemble der Freilichtspiele kennengelernt. 2016 half Ana bei Aufführungen hinter der Bühne. Sie war sofort begeistert von den Menschen, dem Umgang untereinander und der Arbeitsweise. Bei Aufführungen auf der Treppe hat sie auch schon geholfen – und zwar im Ordnungsdienst. Ihre Motivation dahinter: „So war ich genau dort, wo ich sein möchte.“

In diesem Jahr wirkt Ana beim Stück „Malala – Mädchen mit Buch“ des Jugendensembles mit, das am 6. Februar in der Kunsthalle Würth Premiere feiert – allerdings nicht auf der Bühne, sondern als Regieassistentin, bei den Proben und den organisatorischen Vorbereitungen.

Dass die 19-Jährige solche Planungen im Griff hat, bewies sie jüngst bei der Organisation der Audition in Hamburg, für die sie im Vorhinein die eingehenden Bewerbungen verwaltet hat. Gesucht wurden Besetzungen für die Stücke „Saturday Night Fever“ und „In der Bar zum Krokodil“, die in der kommenden Freilichtspiele-Saison aufgeführt werden. Ana durfte mit nach Hamburg fahren und sich selbst von der künstlerischen Darstellung der 115 eingeladenen Schauspieler überzeugen.

Zunächst mussten die Bewerber eine Choreographie einstudieren. Haben sie diese Runde geschafft, ging es ans Singen und Schauspielern. „Manche haben mich echt umgehauen. Da waren wahnsinnig gute Leute dabei“, erinnert sich Ana zurück. Sie war zum ersten Mal bei so einem Vorsprechen dabei. Bisher kannte sie das nur aus dem Fernsehen. „Es läuft viel lockerer ab, als man sich das vorstellt“, beschreibt die FSJlerin. Abends traf sich das Freilichtspiele-Team noch mit Schauspielern, die bereits auf der Treppe gespielt haben. „Es war toll, dazuzugehören.“

Die Schauspieler, die in den vergangenen Jahren auf der Treppe gespielt haben, sind für Ana alle ein Begriff. Für Ana ist es selbstverständlich, sich alle Stücke anzuschauen. Besonders begeistert ist sie von Alice Hanimyan, die die Ottilie in „Die Wahlverwandtschaft“ verkörperte. Beeindruckt ist Ana auch von den beiden Schauspielern Gunter Heun und Moritz Fleitner, die in „Don Camillo und Peppone“ auf der Treppe spielten. Auf die Frage, was für sie eine gelungene Schauspielleistung ausmacht, weiß Ana gleich eine Antwort: „Schauspiel muss etwas im Zuschauer auslösen.“

Während ihrer Schulzeit war es immer Anas Traum, in einer Theater-AG mitzuspielen, aber diese gab es an der Sibilla-Egen-Schule, die die Westheimerin besuchte, nicht. Vielleicht hat sie in der Zeit, in der sie ihr FSJ absolviert, die Gelegenheit, eine Rolle zu übernehmen. Bisher fehlt ihr noch etwas der Mut. Seit der Audition in Hamburg habe sie aber die Angst vor der großen Bühne überwunden. Jetzt freut sich Ana erst einmal auf ihre Aufgaben bei den Vorbereitungen für die Aufführungen des Jugendensembles. Im Moment geht sie auch zusammen mit Intendant Christian Doll und Martina Reichert die Texte für die Stücke, die auf der Treppe gespielt werden, durch. „Die einzelnen Passagen werden laut vorgelesen. Wir überlegen dann, was wir daran ändern wollen“, erklärt Ana. Dabei kann sie auch ihre Meinung einbringen.

Und was kommt nach dem FSJ? Eine genaue Vorstellung, wo es beruflich hingehen soll, hat die Jugendliche noch nicht, aber eines steht bereits jetzt fest: „Es muss was Künstlerisches sein. Sonst macht es mich nicht glücklich.“

Überschrift Infokasten

Anastasia Reutter kommt aus Westheim. Sie hat die Sibilla-Egen-Schule in Schwäbisch Hall besucht. In ihrer Freizeit ist liebsten ist sie mit ihren Freunden in Hall unterwegs, die alle Kunst in verschiedenen Formen ausüben. Ana hat vier Geschwister.

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