Hirten in Aktion Landesleistungshüten in Rosengarten

Rosengarten / Beatrice Schnelle 06.08.2018
Warum Hunde aus reinem Eigennutz auf Schafe aufpassen und was sie dafür alles können müssen, war am Wochenende beim Landesleistunghüten am Fuß des Buchorn zu erfahren.

Schafehüten scheint Männersache zu sein. Nur eine einzige Frau ist beim Landesleistungshüten auf dem Gelände des Westheimer Schützenvereins involviert, dafür jedoch in maßgeblicher Position: Kerstin Smietana entscheidet als Schiedsrichterin darüber, welche der acht durchweg männlichen Herdenführer nebst elf Hütehunden im September beim Bundesleistungshüten in Königsee antreten dürfen.

Noch eine Frau hat das Sagen, und nicht nur am Wettbewerbswochenende: Claudia Heinz ist Vorsitzende der Ortsgruppe Rosengarten-Westheim im Verein für Deutsche Schäferhunde, die mit dem Event ihr Fest zum 50-jähriges Bestehen schmückt. 320 Hunde seien aktuell in Rosengarten zuhause, für deren Halter der Verein eine wichtige Vorbildfunktion erfülle, lobt Schirmherr und Bürgermeister Jürgen König im Grußwort der Jubiläumsbroschüre. „Bis in die Weltspitze“ reichten die sportlichen und züchterischen Erfolge der Westheimer Schäferhund-Freunde.

Wie bei der Vereinssitzung

Die 300 Schafe, an denen sich die zwei- und vierbeinigen Wettbewerbsteilnehmer beweisen müssen, gehören zur Herde von Manfred Voigt. Er war lange Jahre Herr über den Landschaftspflegehof im benachbarten Michelbach, hat den Posten mittlerweile an Sohn Daniel übergeben. Er zieht aber immer noch hin und wieder mit seinen ehemaligen „Mitarbeitern“ umher. Am Leistungshüten nimmt er mit Schäferhündin Inka teil. Weil sie die Herde kennen, haben die beiden freiwillig die Startnummer 1 gezogen. Der Erste hat’s sonst am schwersten, die wolligen Veganer auf Spur zu bringen. „Jeder muss die ihm fremde Herde in kürzester Zeit an sich binden“, erklärt Voigt. Außerdem sei die Herde nur teilweise vor Ort, was mit einer Vereinssitzung zu vergleichen sei, bei der nur die Hälfte der Mitglieder anwesend sind: „Da kommen Meinungsverschiedenheiten stärker zum Tragen.“ Um es seinen Kollegen leichter zu machen, hat er einige gute „Lockschafe“ eingesetzt, die dem Ruf des Hirten sofort folgen und den Rest der Herde mitziehen.

Sämtliche Situationen, die einem Schäfer im Laufe eines Arbeitstags begegnen, wie Engpässe, Autostraßen oder Brücken, sind in nur einer Stunde zu bewältigen: „Sozusagen im Zeitraffer, und das ist anstrengend“, bekennt Andreas Smientana aus Ansbach. In jedem Übungsteil können die Hunde haufenweise Fehler machen, etwa zu schnell, zu faul, zu ängstlich oder zu aggressiv sein.

Kein ritterlicher Schutz

Luna, die Schäferhündin von Manfred Damm, lässt einige ausgebüxte Schafe seitlich an einer simulierten Brücke vorbeilaufen, weshalb die Preisrichterin „nur“ 92 von 100 möglichen Punkten zuteilt. Im Gespräch mit dem Hobby-Schäfer aus dem hessischen Wetter stellt sich heraus, dass Hütehunde ihre Schafherde nicht etwa ritterlich beschützen, sondern auf den Inhalt ihrer Speisekammer aufpassen: „Für sie sind das potenzielle Beutetiere, die sie eigentlich fressen wollen.“ Fressinstinkt und Jagdtrieb würden bei der Ausbildung zum Hütehund lediglich in für den Menschen nützliche Bahnen gelenkt.

Leiden die Schafe in ihren „Wollpullovern“ nicht fürchterlich unter der Sonne, die am Samstag und Sonntag erbarmungslos auf die weiten Flächen am Fuß des Buchhorn niederbrennt? Nein, denn die Wolle wirkt isolierend und schütze zudem vor Sonnenbrand. Außerdem dürfen sie sich zwischen den Durchgängen im Schatten ausgiebig abkühlen. Für die Hunde ist die Hitze allerdings schlimmer: Oso, Mücke, Rudi und wie die insgesamt elf Prüflinge sonst noch heißen, hecheln ohne Unterlass. Der „freudige Gehorsam“, den sie laut der offiziellen Wettkampfrichtlinien zeigen sollen, wird bei 35 Grad etwas ausgebremst.

Am Ende stehen zwei Sieger fest

Nach elf heißen Prüfungsdurchgängen stehen am Sonntagnachmittag die zwei Besten fest: Manfred Damm aus Hessen und seine Hündinnen Luna und Peggy werden mit 92 Punkten Gesamtsieger des Wetthütens. Manfred Voigt und Hündin Inka fahren mit 84 Punkten im September als Vertreter der Landesgruppe Württemberg des Vereins für Deutsche Schäferhunde nach Thüringen. cito

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