"Feste Beziehung von Herz und Hasenfuß"

JULIA VOGELMANN 18.11.2014

Standing Ovations gibt es für die Kabarettistin Lisa Fitz und ihr Programm "Mut - vom Hasen zum Löwen" im Hangar in Crailsheim. Mit Sprachwitz und intelligenten Verweisen auf die Weltgeschichte beleuchtet sie die verschiedenen Facetten von Mut.

"Wer ist mutig?", fragt sie gleich zu Beginn und konkretisiert: "Mut heißt, sich seinen Ängsten zu stellen!" Von den "normalen Ängsten" wie denen vor Haarausfall, Impotenz und Börsencrash schlägt sie elegant den Bogen über die Agrophobie (Angst vor bestimmten oder großen Plätzen), die damit leicht zu verwechselnde Anglophobie hin zur Xenophobie, der Angst vor Ausländern, die wiederum mit Germanophobie reagieren. Den Höhepunkt bilde die Allodoxaphobie, die Angst vor der eigenen Meinung, die den Menschen nur allzu oft daran hindere, mutig sein zu müssen.

"Wir sind die Riesen unserer Träume und die Zwerge unserer Ängste", fabuliert Fitz ganz fabelhaft. Dabei ist Mut, so zählt sie auf, der Antrieb zu Taten, das Feuer, das Erfolge speist, aber vor allem sei Mut "wie ein Regenschirm - wenn er gebraucht wird, fehlt er!"

Und das, obwohl laut einer Umfrage doch jeder Deutsche durchschnittlich zwei Wutanfälle pro Tag hat. Doch "nach außen hin siegt die Contenance", bedauert Fitz die "feste Beziehung von Herz und Hasenfuß". Woher der mangelnde Mut kommt, das weiß Frau Fitz ganz genau: Es ist der "Blödkomplex", die Angst, dass alle es besser wissen und man selbst blöd ist. "I bin bleed!" klampft sie deshalb auf ihrer bunten Gitarre, und das Publikum stimmt fröhlich mit ein.

"Emanzipation ist bei mir erst erreicht, wenn der Mann verschleiert zwei Schritte hinter mir geht", sagt Fitz. Sie spielt mit derbem Humor mit Stammtisch-Klischees, doch ihre kluge Kritik an den Zuständen ist zwischen den Zeilen zu hören. Die Fitz ist bissig, aber nicht beißend, was es leichter macht, mit ihr zu sympathisieren. Und schließlich steht da eine gestandene Frau auf der Bühne, die auch mal die Mahnerin für kommende Generationen sein darf.

Später packt die Kabarettistin dann die Revoluzzerin und Pazifistin aus, die mit Bundesmutti Merkel abrechnet und Kriegswaffenlieferungen in Krisengebiete vehement kritisiert. Dabei bewegt sie sich auf einem schmalen Grad zwischen Humor und Ernst. "Demokratie, das ist, wenn vier Füchse und ein Hase abstimmen, was es zum Abendessen gibt!", kalauert sie.

Als Wortführerin für einen Aufstand hätte sie auf jeden Fall das passende Organ, durchdringend und exzellent geschult, dabei weich und weiblich, zeigt sie ihre musikalische Wandelbarkeit mit Liedern von Konstantin Wecker bis zu Tina Turner.

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