Schwäbisch Hall "Familienähnlich und normal"

Die Bewohner der Brenzstraße, einer Wohngruppe der Behinderteneinrichtung des Sonnenhofes, zusammen mit ihren Betreuern. Privatfoto
Die Bewohner der Brenzstraße, einer Wohngruppe der Behinderteneinrichtung des Sonnenhofes, zusammen mit ihren Betreuern. Privatfoto
Schwäbisch Hall / TRAUGOTT HASCHER 06.11.2014
Mit fünf Kindern ist die Heilpädagogin Hilde Egner im November 1989 vom Sonnenhof im Sudetenweg in die Brenzstraße gezogen: Ein kleines Jubiläum.

Kaum 15 Gehminuten sind nötig, um vom Sudetenweg, an dem das Stammgelände des Sonnenhofes liegt, zum Haus in der Brenzstraße zu gelangen. Zurzeit bewohnen es acht junge Erwachsene: Justin, Lisanne, Dominik, Christina, Selina, Caroline, Michael und Adriana. Mitarbeitende sind Hilde Egner, Herbert Meissle, Holger Sturm und Sibylle Elsässer sowie die hauswirtschaftliche Fachkraft Elisabeth Kötter.

Für die Nächte stehen vier Bereitschaften zur Verfügung. Die Entfernung der Wohngruppe vom Stammgelände erlaubt ihr ein recht hohes Maß an eigenständigen Entscheidungen. Was und wann beispielsweise eingekauft wird, wird gemeinschaftlich entschieden. Mittwochs werde der Speiseplan für eine Woche festgelegt, berichtet Hilde Egner. Dominik etwa liebe Oliven und Cola. "Wir besorgen und kochen das, was die Bewohner auch mögen", sagt Egner. Der Großeinkauf werde zum Ereignis. Samstags würden dann noch frische Produkte fürs Wochenende gekauft.

"Sobald in der Küche etwas geschieht, kommen alle herein, um mitzuhelfen oder um etwas zu naschen." Lisanne koche meist liebend gerne mit. "Wir leben ziemlich familienähnlich und normal", sind sich die Fachkräfte einig. Stimmig sei auch das Verhältnis zu den angrenzenden Nachbarn.

Nikolas Kuhlemann wohnt gleich gegenüber. Er absolviert momentan ein soziales Engagement in der Wohngruppe des Sonnenhofs. "Es geht hier locker zu. Wenn ich die Leute treffe, unterhalte ich mich mit ihnen ab und zu", erzählt der Jugendliche. Gute Kontakte gäbe es auch zur Lukas-Gemeinde. Die Lebensqualität sei hier insgesamt sehr hoch. Doch müsse man zugleich immer wieder Fürsprecher sein, so Egner. Mit Fürsprache ist vor allem die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum gemeint. Es gäbe sowohl Momente der Ausgrenzung als auch wohlwollenden Einvernehmens.

Das Feedback der Eltern ist den vier Fachkräften wichtig. "Mein Kind wohnt in der Brenzstraße", sagt Hilde Egner, würden die Eltern selbstbewusst vermitteln. Ein Ausdruck von Identität, findet die Heilpädagogin. Ende 1989 war die Brenzstraße bereits die fünfte Wohngruppe des Sonnenhofes jenseits des Stammgeländes. Ein Umstand, der letztlich einer Erbschaft an den Sonnenhof zu verdanken sei. Denn diese, so Egner, hätte mit einer Auflage vorgesehen, Wohnraum außerhalb des Ursprungsgeländes zu schaffen. "Das finde ich heute noch sehr bemerkenswert", meint Egner.

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