Fußball „Familiär geprägt“

Isabelle Eklund zeigt Dinge, die sie mit Schweden verbindet: In ihren Händen hält sie Holzschuhe, mit denen ihre Kinder das Laufen erlernt haben. Rechts vor ihr liegt ein rundgeschliffener Granitstein, der oft an Schwedens Küste zu finden ist. Links liegt ein Armband mit Silberfäden, das das Volk der Samen in Handarbeit hergestellt hat.
Isabelle Eklund zeigt Dinge, die sie mit Schweden verbindet: In ihren Händen hält sie Holzschuhe, mit denen ihre Kinder das Laufen erlernt haben. Rechts vor ihr liegt ein rundgeschliffener Granitstein, der oft an Schwedens Küste zu finden ist. Links liegt ein Armband mit Silberfäden, das das Volk der Samen in Handarbeit hergestellt hat. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 23.06.2018

Am liebsten wäre Isabelle Eklund momentan nicht in Schwäbisch Hall, sondern in Schweden. Der Grund dafür ist nicht die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern Midsommar. Das Midsommarfest gilt nach Weihnachten als das zweitgrößte Fest der Schweden. „Wahnsinnig gerne“ würde sie mit ihren schwedischen Verwandten feiern, doch der Beruf lässt es nicht zu.

So wird sie wahrscheinlich mit ihrer Schwester am Samstagabend zusammen sein und dabei auch das WM-Spiel zwischen Deutschland und Schweden verfolgen. Sie hält zu den Skandinaviern. „Bei der WM 2006 hat Schweden 0:2 gegen Deutschland verloren“, erinnert sie sich. Nun wäre ein Sieg schön, auch wenn sie skeptisch ist, dass er Schweden gelingt. Ganz so wichtig sei ein Erfolg bei der Fußball-WM nicht. „Zwar interessieren sich viele dafür, aber wichtiger war die Titelverteidigung bei der Eishockey-WM.“

Isabelle Eklund ist 1973 mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen. „Es war ein Kulturschock für die damals Fünfjährige. Ich musste mich an die Ansprache mit „Sie“ gewöhnen. Außerdem kam mir alles sehr eng vor. Und es gab viel mehr Raucher als in Schweden.“

Die ersten Eindrücke des Landes, in dem sie seit nunmehr 45 Jahren zu einem großen Teil lebt, waren unangenehm. Vieles hat sich seitdem geändert. Isabelle Eklund schätzt in Deutschland das vielseitige interkulturelle Angebot, das gesellige Leben. In Schweden gebe es derartiges nur in den Großstädten wie der Hauptstadt Stockholm oder in Göteborg. „Viele Schweden leben auf dem Land.“ Besonders in den dunklen Wintermonaten sei das Leben familiär geprägt. „An der Volkshochschule bräuchte ich dort um 20 Uhr keinen Kurs anbieten. Da wären alle schon längst zuhause“, verweist die Sprachheil- und Sonderpädagogin auf einen Unterschied zwischen Deutschland und Schweden. Sie lächelt dabei, weiß, dass das für deutsche Ohren befremdlich klingen mag.

Ein armes Land

Für sie selbst ist Schweden ein Ort der Entschleunigung. Die Weite, die dünne Besiedelung sorgen schnell für diesen Effekt. „Die Umstellung geht recht fix, im Prinzip schon, wenn ich mit dem Auto von der Fähre fahre.“ In Schweden sei das Leben entspannter, das gelte auch für den Beruf. „Überstunden gibt es nicht“.

Was sie bisweilen in Deutschland überrascht, „ist das Nicht-Wissen über Schweden“. Viele hätten die Bilder aus Bullerbü im Kopf oder die Geschichten von Michel aus Lönneberga, der im Original von Astrid Lindgren Emil heißt. „Natürlich sind diese Bilder schön, aber man darf nicht vergessen, dass Schweden vor 200 Jahren ein unfassbar armes Land gewesen ist.“ Lindgren habe in ihren Büchern immer wieder auf die damals fast überall herrschende Kinderarmut hingewiesen. „Daraus leitet sich heute auch ab, dass in Schweden jedes Kind das Recht auf eine warme Mahlzeit pro Tag hat.“

Das skandinavische Land ist auch für seine Rentiere bekannt, die vor allem im Norden beheimatet sind. Isabelle Eklund hat früher mitgeholfen, große Herden zusammenzutreiben, damit Tiere markiert werden oder auch den Weg zum Schlachthof antreten. Dabei sind ihr auch die Mücken in Erinnerung geblieben. „Man konnte das Schnaufen der Tiere hören, aber auch noch etwas anderes: Über der Herde surrte eine riesige schwarze Wolke – Mücken.“ Das kleinste Fleckchen Haut, das unbedeckt blieb, wurde sofort von den kleinen Plagegeistern attackiert. „Doch sobald ein Wind weht, geht es wieder. Das ist in Schweden nicht anders als sonst wo auch.“

Isabelle Eklund reist gern und viel. „Ich fühle mich als Weltbürgerin. Meine Mutter hat einmal gesagt, dass wir Zigeunerblut in uns haben“, meint sie mit einem Lächeln. Das setze sich bei ihren drei Töchtern fort. Die älteste war schon in Neuseeland und Frankreich, die mittlere in Russland und die jüngste hat ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Afrika verbracht. Diese Neugier ist Isabelle Eklund wichtig. „Weltoffenheit ist die wichtigste Grundlage unserer Zeit.“

Von Hannover nach Schwäbisch Hall

Geboren 1968 kam Isabelle Eklund 1973 nach Deutschland. Eigentlich wollten ihre Eltern, die als Pädagogen arbeiteten, zunächst wieder zurück. Doch die Pläne änderten sich, noch heute leben sie in Deutschland. Fast 13 Jahre verbrachte Isabelle Eklund in Hannover, ehe sie nach Schwäbisch Hall kam. Die Sprachheil- und Sonderpädagogin hat drei Töchter.

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