Sonnenhof „Es wird keinen Einheitsblock geben“

Ein großer Teil des Sonnenhof-Stammgeländes im Sudetenweg wird zu einem offenen Quartier entwickelt. Die Teilnehmer des Workshops diskutieren angeregt und sammeln Ideen. Das Stadtplanungsbüro citiplan begleitet den Bürgerbeteiligungsprozess.
Ein großer Teil des Sonnenhof-Stammgeländes im Sudetenweg wird zu einem offenen Quartier entwickelt. Die Teilnehmer des Workshops diskutieren angeregt und sammeln Ideen. Das Stadtplanungsbüro citiplan begleitet den Bürgerbeteiligungsprozess. © Foto: Daniel Leuze
Schwäbisch Hall / Von Marcus Haas 15.06.2018

Gebäude werden abgerissen, Bestand bleibt, neue Häuser werden gebaut: Der Sonnenhof steht am zentralen Stammgelände vor großen Veränderungen und beschreitet dezentral neue Wege. Die großen Entwicklungslinien hängen zusammen. Geplanter Start des ersten Bauabschnitts: Sommer 2019.

Ein großer Teil des Areals am Sudetenweg ist für die städtebauliche Entwicklung freigegeben worden. Es wird zu einem offenen Stadtviertel mit nachbarschaftlichem Wohn- und Lebensraum umgebaut, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben. Parallel entsteht auch dezentral Neues „wie ambulantes Wohnen in der Willy-Brandt-Allee in Hessental“, sagt Pfarrer Michael Werner beim Jahrespressegespräch.

Der theologisch-pädagogische Vorstand nennt gesetzliche Veränderungen durch das Heimgesetz Baden-Württemberg und das Bundesteilhabegesetz. Teilhabeleistungen sollen künftig zum individuellen Bedarf passen, der Bedarf die Betreuung regeln, die Selbstständigkeit und nicht die Defizite im Vordergrund stehen. Im Neubau wohnen zehn junge Erwachsene mit unterschiedlichem Behinderungsgrad. Ein Projekt, das aus einer Elterninitiative hervorgegangen ist. „Die dezentrale Entwicklung muss weiter umgesetzt werden, damit Menschen umziehen, an anderer Stelle weiter wohnen und leben können, wenn am Stammgelände umgebaut wird“, erläutert der kaufmännische Vorstand Thomas Edelbluth Zusammenhänge.

Neue Mischung entsteht

Wie soll die neue Mischung zwischen Sonnenhof und neuer Wohnbebauung am Stammgelände aussehen? „Der Sonnenhof bleibt mittendrin, soll aber das neue Quartier nicht dominieren. Andersherum dürfen die neuen Häuser das Viertel nicht beherrschen. Das Verhältnis muss ausgewogen bleiben“, so Werner.

Wieviel Sonnenhof bleibt, wieviel kommt neu dazu? Der Veränderungsprozess hat mit Beteiligung begonnen. Menschen mit Behinderung, Angehörige, Anwohner, Vertreter von Sonnenhof, Stadt und Landkreis haben Ideen für einen Quartiersplan entwickelt und erste Leitvorstellungen festgehalten. Von September 2017 bis April 2018 haben sich jeweils 20 bis 30 Menschen bei vier Workshops getroffen und diskutiert. „Die innere Vielfalt im Quartier soll sich in der äußern Vielfalt der Gebäude widerspiegeln. Es wird keinen Einheitsblock geben“, erläutert Pfarrer Werner. Das Gebiet soll verkehrsberuhigt, bis auf Lieferverkehr frei von Autos sein und eine Tiefgarage bekommen.

Städtebaulicher Vertrag

Die gesammelten Ideen werden dann in Gesprächen mit der Stadt weiter vertieft und „in einem städtebaulichen Vertrag festgeschrieben“, sagt Edelbluth. Die Umgestaltung ist in drei Bauabschnitten geplant und soll bis 2030 weitestgehend abgeschlossen sein. Gestartet wird im Sommer 2019 an der nordöstlichen Geländeecke am großen Kreisverkehr. Geplant sind auf einem Zehntel der Gesamtfläche von rund 30 Hektar 120 Wohneinheiten mit Platz für 300 Personen.

Was kostet der Umbau und wie wird er finanziert? „Soweit sind wir noch nicht. Derzeit geht es um Erschließung, laufen Gespräche mit den Stadtwerken. Die Vermarktung ist auch noch offen“, antwortet Edelbluth. Die Erlöse aus den Grundstücksverkäufen will der Verein in die eigene Weiterentwicklung investieren.  Mit dem Großprojekt verändern sich auch die Eigentumsverhältnisse. Die Frage, wieviel Eigentum letztlich beim Sonnenhof bleibt, ist noch offen.

Verein erwirtschaftet Überschuss von 150 000 Euro

„Der Umsatz steht 2017 bei 45 Millionen Euro und ist damit leicht gestiegen“, sagt Thomas Edelbluth beim Pressegespräch zur wirtschaftlichen Entwicklung des Vereins Sonnenhof. Der kaufmännische Vorstand nennt eine stärkere Nachfrage im Bereich der ambulanten Angebote als Hauptgrund fürs Wachstum. Unterm Strich steht Ende 2017 ein Überschuss von rund 150 000 Euro. Haupteinnahmen des Vereins sind mit 70,9 Prozent die Entgelte auf Basis des Sozialgesetzbuches XII. Die Personalkosten stehen mit 81,1 Prozent auf der Ausgabenseite ganz oben. Der große Träger der Behindertenhilfe im Landkreis hat insgesamt 964 Mitarbeiter, davon 615 Vollbeschäftigte (Stand 31. Dezember 2017).

In diesem Jahr feiert der Sonnenhof 50. Geburtstag.  Der Verein wurde bereits zwei Jahre früher gegründet, aber „die ersten Kinder sind im September 1968 in die neuen Kinderhäuser Birke und Linde eingezogen“, erklärt Pressesprecher Dr. Traugott Hascher. Hauptfesttag für die Öffentlichkeit ist Sonntag, der 8. Juli, der offizielle Festakt ist am 28. September 2018. cus

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