Schwäbisch Hall Interview: „Es war höllisch viel Arbeit“

„Wir wollten den Ort schön und interessant gestalten“: Frank Engel auf Dachterrasse des Campus-Gebäudes, die dort auf seine Initiative hin angelegt wurde.
„Wir wollten den Ort schön und interessant gestalten“: Frank Engel auf Dachterrasse des Campus-Gebäudes, die dort auf seine Initiative hin angelegt wurde. © Foto: Beatrice Schnelle
Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle 08.06.2018
IT-Fachmann Frank Engel brennt für seine Musik, liebt Oldtimer und tut alles, um den Standort Hall zum Erfolg zu machen.

Wo fängt man bei Ihnen mit dem Fragen an: Oldtimer, Musik oder Campus?

Frank Engel: Musik mach ich am längsten. Mit 12 hab ich mir selbst Gitarre spielen beigebracht und gerne dazu gesungen. Man kann auf diese Art viele Gefühle verarbeiten, also traurige Lieder spielen, wenn man traurig ist, oder fröhliche, damit man sich wieder besser fühlt. Mit 19 Jahren hab ich dann das erste Mal in einer Band gespielt.

Wie hieß Ihre erste Band?

Engel: The Goosebumps. Goosebumps bedeutet Gänsehaut. Die haben wir damals gekriegt, als wir das erste Mal zusammen gespielt haben. Und der Bandname sollte unbedingt mit „The“ anfangen, so wie „The Beatles“.

Heute heißt Ihre Band „AcoustasoniXs“. Wie viele Bands hatten Sie denn schon?

Engel: Eigentlich nur fünf. Heute hat man ja eher Musikprojekte, bei denen die Besetzung häufiger wechselt. Ab 2002 war ich Stammsänger im ehemaligen NCO-Club, der jetzigen Kantine 26. Da haben wir mit Musikern der Grönemeyer-Band und von BAP gespielt, das war schon toll. Als Student hab ich auch Musik gemacht, um Geld zu verdienen.

Dass man als Musiker Geld verdient, ist nicht selbstverständlich.

Engel: Reichtum anhäufen und Geld verdienen sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Ihre eigentliche Berufung war dann doch eine andere.

Engel: Ich habe BWL mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik studiert. Nach dem Studium war ich eine Weile professioneller Musiker, entschied mich aber um, als mich 1996 die Hochschule Heilbronn als technischen Assistenten haben wollte.

Wie kamen Sie in Ihre Heimat Schwäbisch Hall zurück?

Engel: Die Anstrengungen, hier einen Hochschulstandort zu gründen, habe ich lange beobachtet. Als dann 2008 die Bausparkasse der Heilbronner Hochschule das heutige Campus-Gebäude zur Verfügung stellte und es konkret wurde, hab ich mich sofort darum beworben, beim Aufbau dabei zu sein. Erst sollte ich das Ganze nur koordinieren, als Haller, der sich hier auskennt. Am Ende ist es dann aber sehr viel mehr geworden.

Wie viel mehr?

Engel: Das war ein richtiges Abenteuer. Wir haben uns zu dritt um die Ausstattung gekümmert. Der Zeitplan war wahnsinnig knapp, wir hatten nur zehn Monate bis zur Eröffnung im Oktober 2009. Es wurde umgebaut und je nachdem, was wir vorgefunden haben, wurde gleichzeitig geplant. Da lief alles parallel. An den Wochenenden haben wir die Studiengänge auf den einschlägigen Messen beworben und das Werbematerial dafür selbst gemacht. Es war höllisch viel Arbeit.

Worauf haben Sie Wert gelegt?

Engel: Wir wollten den Ort schön und interessant gestalten, sodass hier studentisches Leben stattfinden kann. Weil es keine Grünflächen drumherum gab, haben wir uns eine Dachterrasse gewünscht. Wir hatten 900.000 Euro für die Ausstattung und 280.000 Euro hat die Dachterrasse alleine schon gekostet. Doch es hat sich gelohnt.

Sind Sie denn immer noch mit Ihren Planungen von damals zufrieden?

Engel: Heute gibt es Büros in Räumen, die dafür niemals gedacht waren. Aber bis auf eine Steckdose, die wir mal verlegen mussten, hat’s immer gepasst. In der heutigen Cafeteria war damals eine Garage für das Dienstfahrzeug angedacht. Ich fand es aber wichtig, dass diese Cafeteria nicht abseits liegt, sondern ein lebendiges Begegnungszentrum wird. Auch da hat das Hochbauamt auf uns gehört. Ein Dienstfahrzeug haben wir übrigens bis heute nicht.

Wie viele Mitarbeiter unterstützen Sie als Leiter des Rechenzentrums?

Engel: Ich hatte immer drei studentische Hilfskräfte. Heute hab ich zusätzlich einen festen Mitarbeiter. Demnächst wird es Gespräche über weitere Stellen geben. Für unseren Servicegrad sind wir ganz klar zu wenig Leute.

Was meinen Sie mit Servicegrad?

Engel: Wir haben mit 150 Studierenden angefangen, heute sind es bis zu 1200. Dieses Wachstum hatten wir bereits nach gut fünf Jahren erzielt, so schnell wie keine andere vergleichbare Einrichtung der Hochschule Heilbronn. Der Standort Künzelsau hat 15 Jahre gebraucht, um die magische Tausendergrenze zu knacken.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Engel: Schwäbisch Hall ist eine schöne Stadt. Die Region Hohenlohe-Franken hat allerdings auch die geringste Dichte an Hochschulen und Universitäten in Baden-Württemberg, da besteht entsprechender Bedarf.

Haben Sie denn überhaupt noch genug Platz?

Engel: Das Gebäude hatte ich für 800 Studierende konzipiert. Als 2012 die 700er-Grenze erreicht war, haben wir das ehemalige Druckereigebäude in den Herrenäckern dazubekommen. Wir sind zwar am Limit, aber es geht gerade noch so.

Was hat sich seit Ihrer Studienzeit verändert?

Engel: Damals gab es die Technologie nicht, die heute ungeheuer viel möglich macht, wie zum Beispiel unseren Raum für internationale Videokonferenzen, bei denen sich die Studierenden verschiedener Länder austauschen können. Das weltweite Netz hat schlagartig alles verändert.

Man sagt ja immer, die jungen Leute, die mit dem Computer aufgewachsen sind, hätten den Umgang damit gewissermaßen in den Genen.

Engel: Das kann ich so nicht bestätigen. Sie können die Anwendersoftware bedienen, aber was sich dahinter verbirgt, etwa die Fehlersuche, wenn etwas nicht läuft, das ist eine andere Methodik. Damit wollen die wenigsten etwas zu tun haben.

Könnten Sie eine Bank hacken?

Engel: Nein, ich bin kein Computer-Nerd. Ich seh das als ganz normales Arbeitsgerät und versuche nach Feierabend keine Zeit mehr am Bildschirm zu verbringen. Ich geh dann lieber laufen. Nach einem Bandscheibenvorfall hab ich mir vorgenommen, mein Leben etwas zu ändern. Immer am Computer sitzen und Gitarre spielen ist nichts für die Wirbelsäule. In der Reha hab ich gelernt: Menschen, die sich an Problemen festbeißen und nicht aufhören können, bis sie gelöst sind, neigen besonders zu Bandscheibenvorfällen.

Können Sie denn aufhören, so ein Mensch zu sein?

Engel: Nein, so einfach ist das nicht. Aber Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

Sie sind 52. Werden Sie bis zur Rente am Campus bleiben?

Engel: Ich habe das Gefühl, ich könnte allmählich eine neue Herausforderung brauchen. Ich habe viel persönliche Zeit hier reingesteckt und muss feststellen, dass nur mein Verantwortungsbereich um ein Vielfaches gewachsen ist, nicht aber mein Gehalt. Ich bin jemand, der etwas erschafft, und kein Verwalter. Insofern werd ich mich an den öffentlichen Dienst nie gewöhnen. Aber auf den Campus Schwäbisch Hall bin ich sehr stolz. Das kann mir keiner mehr nehmen.

Aber Sie sind schon gerne Informatiker?

Engel: Wissen Sie, die Leute kommen nur zu mir, wenn irgendetwas nicht funktioniert. Und ich kann in 95 Prozent der Fälle nicht mal was dafür. Keiner kommt und sagt: „Oh, was für eine tolle Verbindungsgeschwindigkeit wir doch haben, und prima, dass es seit Jahren keinen Netzausfall gab.“ Das finden alle selbstverständlich. Wenn ich auf der Bühne Musik mache und die Leute zum Dahinschmelzen bringe, hab ich sofort eine positive Reaktion. Ich brauche die Musik in vielerlei Hinsicht und würde nie damit aufhören.

Das Thema Oldtimer fehlt jetzt noch.

Engel: Mein erstes Auto war ein seeblauer VW Käfer, Baujahr 1965, genau wie ich. Den hab ich gekauft, bevor ich den Führerschein hatte. Und eine sehr lustige Reparaturanleitung dazu. Beides besitze ich bis heute. Ich mag alte Technik und hatte diverse entsprechende Fahrzeuge. Mein Dauerprojekt ist ein Porsche 911. Den will ich schon seit 18 Jahren restaurieren und habe ihn dazu in alle seine Bestandteile zerlegt. Doch es gab immer wichtigere Sachen, als an alten Autos zu schrauben. Während ich den Campus aufbaute, habe ich mir Porscheplakate ins Büro gehängt und gedacht: Wenn das hier fertig ist, tust du endlich mal was für dich selbst und baust den Porsche wieder auf.

Und? Hat das geklappt?

Engel: Dieses Jahr sollte er eigentlich fahrbereit sein. Aber hoffentlich ist es nächstes Jahr so weit.

Die Bühne mit Jack Johnson geteilt

Frank Engel, Jahrgang 1965, ist in der Kreuzäckersiedlung aufgewachsen. Er war Trommler bei den Kleinen Siedern und Mitbegründer der Unicorns. Bis 1993 studierte er BWL und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Heilbronn, für die der Diplom-Betriebswirt ab 1996 als wissenschaftlicher Assistent tätig war. Vorher lebte er unter anderem in Stuttgart, Berlin und den USA. 2008 kehrte er für den Aufbau des Campus Schwäbisch Hall und die Arbeit als Leiter des dortigen Rechenzentrums in seine Heimatstadt zurück. Mit seiner Band AcoustasoniXs tourt er durch die Region und unterstützt die Gambiahilfe Hohenlohe. In den USA trat er bereits als Teil der Vorgruppe für Jack Johnson auf. cito

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