Globe „Es sieht noch nach Beton aus, aber das wird viel gemütlicher“

Einblick ins Neue Globe: Die Freilichtspiele bieten Baustellenführungen an. Weitere Möglichkeiten, um in das entstehende Theatergebäude auf dem Unterwöhrd zu schauen, gibt es am 28. Juni, 12. Juli, 26. Juli, 9. und 23. August, jeweils ab 17 Uhr. Anmeldung notwendig.
Einblick ins Neue Globe: Die Freilichtspiele bieten Baustellenführungen an. Weitere Möglichkeiten, um in das entstehende Theatergebäude auf dem Unterwöhrd zu schauen, gibt es am 28. Juni, 12. Juli, 26. Juli, 9. und 23. August, jeweils ab 17 Uhr. Anmeldung notwendig. © Foto: xxx
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 15.06.2018
Globe: Die Freilichtspiele laden zu Spaziergängen über die Baustelle des neu entstehenden Theatergebäudes auf dem Unterwöhrd ein. Zwölf Bürger sind am Donnerstagabend dabei.

Mittendrin: Hermann Müller aus Bubenorbis. Der ehemalige Lehrer an der Gewerblichen Schule trägt wie alle einen gelben Schutzhelm und blickt mit gemischten Gefühlen auf das entstehende Neue Globe. Als Lehrer unterrichtete er angehende Zimmerer, erinnert sich gerne an das große Engagement und das hölzerne Rund zurück, das bis Oktober 2016 rund 16 Jahre an derselben Stelle stand.

Das ehemalige Globe wurde von der Globe Works GmbH für einen symbolischen Euro gekauft, abgebaut und soll in Berlin an der Spree wieder aufgebaut werden. „Als Holzwurm tut mir das etwas weh. Ich bin aber gespannt auf die Führung“, sagt Müller mit Blick auf das ganze Beton des Neubaus. „Ja, es sieht noch nach Beton aus, aber das wird viel gemütlicher“, sagt Intendant Christian Doll, der 20 Minuten der rund eineinhalbstündigen Führung dabei ist.

Muschelkalk und Glas

Die Betonstützen werden Holzlamellen bekommen, ein Teil der Fassade zeigt bereits eine Schale aus Muschelkalk, drei Viertel der runden Globehülle werden verglast und erhalten ein Netz aus gestanztem Blech. Der Muschelkalk passe zur Stadtseite, Glas und filigranes Netz zum Park, erläutert Alexander Schmid vom künstlerischen Betriebsbüro der Freilichtspiele. Er hat den Dramaturgen Florian Götz an seiner Seite.

Hermann Müller und die anderen Baustellengäste stehen unten im Bühnenraum und schauen in ein Geflecht aus Gerüststangen, während ein Handwerker Beton mischt. Das Dach wird gemacht. „Was für ein Dach wird das? Wie ist es, wenn Regen drauf prasselt, wird das nicht laut?“, fragt eine Teilnehmerin. „Das wird eine Herausforderung sein. Das Dach ist transparent und in drei Minuten verschließbar“, antwortet Schmid und nennt weitere Unterschiede zum alten Globe. Es gibt ein Foyer und Gastronomie, Barrierefreiheit, ein Hubpodium, Balkone, Lagermöglichkeiten und Toiletten im Keller, nahezu von allen 371 Sitzplätzen aus gute Sicht aufs Bühnengeschehen (tragende Säulen hinter dem Zuschauerrraum), Strahlungsheizung, mehr Platz durch nach außenverlagerte Treppen, und durch eine ausfahrbare Bühne kann der Vorplatz in Richtung Biergarten mitgenutzt werden.

Raum für Schauspieler

„Die Schauspieler haben endlich Raum für Maske, Garderobe, Umkleidekabinen, Toiletten und Duschen“, sagt Schmid, als die Gruppe oben ist. Die Zustände im ehemaligen Globe seien katastrophal gewesen.

Wie lautet das Fazit von Hermann Müller? „Ich finde es gut, die Qualität des Theaters wird zunehmen. Ich sehe es als zeitgemäße Weiterentwicklung.“ Die Grundgedanken seien anders gewesen. Das hölzerne Globe war als fliegender Bau konzipiert und sollte im Herbst eigentlich immer wieder abgebaut werden, was nicht geschah. Nun entstehe ein festes, ganzjährig und vielfältig nutzbares Gebäude.

Titel zweite Leseebene

Das Neue Globe wächst, in diesem Jahr soll es fertig sein, nachdem der zunächst geplante Eröffnungstermin im August dieses Jahres nicht gehalten werden konnte. Im Frühjahr 2019 ist die Eröffnung im Theaterrund auf dem Unterwöhrd geplant. Für die Premiere inszeniert Intendant Christian Doll William Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“. Das zweite Großereignis im Neuen Globe wird das achte internationale Jugendtheaterfestival sein, zu dem im nächsten Jahr 100 bis 150 Jugendliche erwartet werden.

Die Kosten für das neue Theater betragen mehr als 9 Millionen Euro, nachdem zunächst von 5,2 Millionen Euro ausgegangen wurde. Konjunkturelle Preissteigerungen wurden als Hauptgrund für die Kostenexplosion genannt. Die Finanzierung steht noch nicht komplett. 4,5 Millionen Euro will die Stadt zuschießen, eine Million hat das Land zugesagt. Die Freilichtspiele haben Eigenmittel von 300 000 Euro, vom Förderverein kommen 200 000 Euro. Die Summe der Spenden belaufe sich auf 1,5 Millionen Euro, machte OB Pelgrim beim Pressegespräch vor der Premiere auf der Großen Treppe deutlich und hoffe auf weitere Spenden. Für den Rest nehmen die Freilichtspiele ein Darlehen auf, das durch erhöhte Zuschüsse der Stadt an die Freilichtspiele zurückgezahlt wird..
Die Freilichtspiele
geben Einblick in die je nach Baustand zugänglichen Bereiche der Globe-Baustelle. Weitere Spaziergänge über die Baustelle folgen im Zwei-Wochen-Rhythmus. Aus Sicherheits- und Platzgründen ist die Teilnehmerzahl auf 20 Personen begrenzt. Anmeldungen sind gegen eine Schutzgebühr von einem Euro bei der Tourist-Information möglich, telefonisch unter 07 91/751 600. cus

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