Schwäbisch Hall „Es macht immer noch Spaß“

Schwäbisch Hall / Bettina Lober 10.11.2018
295 Veranstaltungen in 25 Jahren: Werner Feucht und Kurt Hohenstein aus Hall sind als Konzertkreis Triangel aktiv.

Diese beiden Haller als ziemlich beste Freunde zu bezeichnen, ist sicherlich nicht übertrieben: Werner Feucht und Kurt Hohenstein bilden gemeinsam den Konzertkreis Triangel, der heuer 25-Jähriges feiert. Die beiden organisieren als ehrenamtliche Kulturveranstalter nicht nur Konzerte und Kabarett-Auftritte. Sie gestalten auf „Radio StHörfunk“ ihre eigene Sendung, und sie bringen regelmäßig mit ihrer Ü-35-Party in der Kultbucht allerlei Junggebliebene zum Tanzen.

Offenbar verbindet Feucht und Hohenstein eine Seelenverwandtschaft. Jedenfalls kennen sie sich seit mehr als 30 Jahren. Damals haben sie bei Obersulm einen Waldorf-Kindergarten für den Nachwuchs gesucht. Feucht arbeitete als Heilerziehungspfleger in der Stiftung Lichtenstern, Sozialpädagoge Hohenstein war schon damals bei der evangelischen Jugendhilfe Friedenshort in Öhringen tätig. Im Elternkreis kamen sie ins Gespräch und waren gleich auf einer Wellenlänge. „Wir sind ja auch fast am gleichen Tag geboren“, sagt Hohenstein. Beide kamen 1955 zur Welt – Feucht am 21. Mai, Hohenstein drei Tage früher. Und am 1. Dezember beginnt für beide der Ruhestand.

Gleich auf einer Wellenlänge

Die Feuchts zogen 1988 nach Hall. Die Hohensteins orientierten sich ebenfalls in Richtung Hall – und die Kinder der beiden Familien (drei Hohenstein- und vier Feucht-Kinder) besuchten die Haller Waldorfschule. Dort lernten die beiden Familienväter mit Reinhard Kettner einen weiteren Musikfan kennen. Beim gemeinsamen Hören einer LP des Gitarristen Ralf Illenberger entstand die spontane Idee, ein Konzert zu organisieren. Ein Anruf – und schnell war das Gastspiel beschlossene Sache. Am 23. April 1993 war es so weit: „Die Hospitalkirche war rappelvoll“, erinnert sich Werner Feucht. Illenberger schreibt im Gästebuch: „Viele Grüße, weiter so ...“

Handgemachte Tickets

Die Freunde waren angefixt – und machten weiter. Feuchts Ehefrau Elke gestaltete das Logo und die Eintrittskarten. Hohenstein hat dicke Ordner voller Plakate, aufwändig geklebter Kopiervorlagen für Tickets und Flyer gesammelt – alles handgemacht. Nach zwei Jahren und neun Konzerten gab es aber auch eine Krise. Die Triangel-Leute überlegten, alles hinzuschmeißen. „Werner stieß die Kabarett-Schiene an“, erzählt Hohenstein. Kettner war skeptisch, zog sich vom Triangel-Trio zurück. Hohenstein und Feucht begannen mit der Kabarett-Sparte. Erster Gast war 1996 Ingo Appelt – „noch vor dem großen Durchbruch“, schrieb er damals ins Gästebuch. Längst kooperiert Triangel eng mit dem Haller Kulturbüro, „sonst würde das gar nicht gehen“, sagt Feucht dankbar.

Wer heute durch die mittlerweile sechs Triangel-Bücher blättert, trifft auf das Who-is-Who der deutschen Kabarett- und Comedy-Szene. Stundenlang können Feucht und Hohenstein Kabarett-Anekdoten erzählen. Etwa, wie sauer Georg Schramm war, als er das akustische Zeichen für seinen Auftritt in der Garderobe des Neubau-Saals nicht hörte, weil dort der Lautsprecher kaputt war. „Der ist ein Perfektionist, das hat ihn richtig aufgeregt und wir waren ganz klein“, erinnert sich Hohenstein. „Ich werde noch einmal kommen müssen. Zur Bewährung. Damit alles gut wird“, sind aber Schramms versöhnliche Worte im Gästebuch. Mit Gerhard Polt saß das Triangel-Duo nach dessen Auftritt 2001 im Neubau-Saal bis vier Uhr morgens an der Hotelbar – und traf dort auch noch Josef Hader. „Seither wollten wir den Hader nach Hall holen, für Oktober 2019 klappt es endlich“, freut sich Hohenstein.

Baustelle Frauenquote

Elke Feucht hat sich einmal die Mühe gemacht, eine Triangel-Statistik aufzustellen. Der heutige Auftritt von Pufpaff wird die 295. Vorstellung in 25 Jahren sein. Meistens, nämlich 136 Mal, wurde in der Hospitalkirche konzertiert oder gefrotzelt.

Allerdings sind Frauen unter den Kabarett-Gästen ziemlich unterrepräsentiert: In den vergangenen fünf Jahren war Christine Prayon 2016 die einzige Solokünstlerin. Feucht und Hohenstein bedauern das sehr. Woran liegt’s? „Wir haben etliche Namen auf unserer Wunschliste und fragen an. Manchmal waren wir zu spät dran, dann heißt es wieder, dass ein größerer Saal nötig wäre“, erklärt Hohenstein. Auch bei der Kulturbörse in Freiburg hält das Triangel-Duo regelmäßig Ausschau. Sie seien an dem Thema auf jeden Fall dran, versichern sie.

Also werden Feucht und Hohenstein auch weiterhin Kabarettisten und Bands nach Hall holen. Obwohl die Anforderungen oft schwieriger würden und hinter der Organisation allerhand Arbeit steckt: „Es macht immer noch großen Spaß“, beteuert Hohenstein. Besonders schön seien die persönlichen Begegnungen mit den Künstlern, sagt Feucht: „Und manchmal entstehen da auch kleine Freundschaften.“

Sebastian Pufpaff tritt heute zum Jubiläum auf

Neubau-Saal Mit dem Auftritt des Kabarettisten Sebastian Pufpaff feiert der Konzertkreis Triangel heute, Samstag, sein 25-Jahr-Bestehen. Beginn ist um 20 Uhr im Haller Neubau-Saal. Es gibt noch Karten. Pufpaff gastierte schon häufiger auf Einladung von Triangel in Hall. Vielen Menschen ist er auch aus diversen TV-Auftritten bekannt: Seit 2013 präsentiert er „Pufpaffs Happy Hour“ in 3sat. Seit 2015 gehört er zum Team der „Heute-Show“ im ZDF. Diesmal zeigt er in Hall sein Programm „Auf Anfang“. Pufpaff meint: Der Schein regiert die Welt, ob als Zahlungsmittel oder Fassade.

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