Training „Es liegt in der Familie“

„Human Flag“ also „menschliche Flagge“ nennt sich die Calisthenics-Übung, die der 18-jährige Pascal Müller auf dem Einkorn zeigt. Um diese Figur 10 bis 15 Sekunden so zu halten, braucht es mehrere Stunden Training am Tag.
„Human Flag“ also „menschliche Flagge“ nennt sich die Calisthenics-Übung, die der 18-jährige Pascal Müller auf dem Einkorn zeigt. Um diese Figur 10 bis 15 Sekunden so zu halten, braucht es mehrere Stunden Training am Tag. © Foto: privat
Landkreis Hall / Kerstin Vlcek 25.08.2018
Der 18-jährige Pascal Müller aus Michelbach hat einen Rekord in Calisthenics aufgestellt. Der Sport verlangt Disziplin und eine gute Körperbeherrschung.

Mit Youtube hat alles angefangen. „Ich habe gesehen, wie ein Mann in einem Video Calisthenics gemacht hat und ich war sofort Feuer und Flamme“, erzählt Pascal Müller mit blitzenden Augen. Doch was ist Calisthenics überhaupt? „Kraftsport, für den das eigene Körpergewicht genutzt wird. Zum Beispiel Liegestütze, Klimmzüge oder Rumpfbeugen“, erklärt der 18-Jährige es kurz. Das Wort kommt aus dem Griechischen von „kalos“ schön und „sthenos“ Kraft.

Sechs Tage in der Woche und rund zweieinhalb bis drei Stunden am Tag trainiert er. Vorwiegend Krafttraining. Pascal Müller hat aber nicht bei null angefangen, sondern kennt es, regelmäßig zu trainieren. Er hat davor bereits Leichtathletik betrieben und Fußball gespielt.

Die meisten „Burpee pull ups“

2016 hat ihn dann die Sportart Calisthenics gepackt. Vor Kurzem hat er einen Rekord aufgestellt. Und zwar hat er die meisten sogenannten Burpee pull ups in einer Stunde gemacht. Gemeint ist damit ein Liegestütz gefolgt von einem Klimmzug, danach wieder ein Liegestütz und dann wieder ein Klimmzug. 405 hat er geschafft. Der Weltrekord davor lag bei 256, aufgestellt von einem Neuseeländer.

Kraft- und Ausdauertraining alleine reichen aber nicht aus, um Übungen zu machen, die der Schwerkraft trotzen. „Ich musste auch meine Ernährung komplett umstellen“, erzählt Pascal Müller. Fettarm, eiweißbetont und kohlenhydratreich muss sie sein. Süßkartoffeln, brauner Reis, Pute und jeden Tag Salat stehen auf dem Speiseplan des 74 Kilogramm schweren Sportlers. Fast Food ist da nicht mehr drinn. „Beim Essen sind für mich 90 Prozent für den Sport und 10  Prozent für den Genuss“, erklärt der 18-Jährige.

Vor Kurzem hat Pascal Müller sein Abitur in Aalen mit Schwerpunkt Sport bestanden. In Leichtathletik und Fußball musste er punkten. Beim Fußball hat er sich aber am Fuß verletzt und konnte am nächsten Tag nicht zur Leichtathletikprüfung antreten. „Ich musste sie dann nach dem Abiball nachholen.“ Das war aber kein Problem für den sportlichen Jugendlichen. Bestanden hat er mit einem Notenschnitt von 1,7.

Gleich nach den Sommerferien geht es für ihn zum Studieren nach Karlsruhe. Und zwar Wirtschaftsmathematik. Er möchte aber auch während des Studiums weiterhin Calisthenics betreiben. „Dort gibt es auch einen Park, der für den Sport ausgerichtet ist.“ Wenn es zu kalt draußen ist oder regnet, dann trainiert Pascal Müller im Fitnessstudio. „Der Vorteil im Studio ist, dass es dort auch Trainer gibt, die auf einen schauen und helfen können.“

Das „Sportgen“ liegt in der Familie. Sein Vater Christoph und sein Bruder Patrick sind beide Leichtathleten. Sie haben auch schon den einen oder anderen Rekord aufgestellt. „Durch sein Studium trainiert mein Bruder aber nicht mehr viel.“

Nicht unter Druck setzen

Auch Pascal Müller hat ein bisschen Bammel davor, dass sich Studium und Training nicht so vereinbaren lassen, wie er es sich vorstellt.

„Aber ich lasse es mal auf mich zukommen.“ Er möchte sich auch selbst nicht zu sehr unter Druck setzen, möchte schließlich weiterhin motiviert bleiben. Und noch ein paar Rekorde brechen. Auf seiner Wunschliste steht auch, einmal im Fernsehen einen Weltrekord aufzustellen.

Wenn er nicht gerade mit dem Training für eine neue Calistehnics-Figur beschäftigt ist, dann spielt er gerne Schlagzeug und Gitarre. Zu Hause im Keller findet sich auch das Equipment für eine ganze Band. „Da spiele ich dann auch mal gerne gemeinsam mit meinen Freunden.“ Auch seine Familie ist ihm wichtig, mit der er gerne verreist. „Wir machen dann oft Radtouren zusammen. Aber keinen Extremsport“, meint Pascal Müller lachend.

Von Schweinfurt nach Michelbach

Pascal Müller, geboren am 15. Dezember 1999 in Schweinfurt, Bayern, lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Michelbach. Dort ist er auch zur Schule gegangen. Mit einem Notenschnitt von 1,7 hat er sein Abitur in diesem Jahr abgeschlossen. Im Wintersemester 2018 beginnt er sein Studium am KIT, Institut für Technologie, in Karlsruhe. Entschieden hat sich Pascal Müller für Wirtschaftsmathematik. Wenn er nicht gerade Sport treibt, spielt er Gitarre und Schlagzeug. kv

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