Schwäbisch Hall "Es könnte emotionaler sein"

Schwäbisch Hall / ANDREAS DEHNE 06.05.2015
Das Freilichtspiele-Jugendensemble "Freunde der Fiktion" präsentiert mit "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner" ein anspruchsvolles und kritisches Stück über Spenden. Trotzdem darf richtig gespendet werden.

Das Stück thematisiert Spenden als die Ursachen von Armut sowie die individuellen Gründe der Spender, sich als einer der Guten präsentieren zu wollen. Trotzdem sammeln die Jugendlichen im Anschluss echte Spenden - für die Rettung einer real existierenden Schule in Afrika.

Stühle fliegen, Türen knallen, man prügelt sich. Ein Rücktritt droht. Vier Männer versuchen, einen Dia-Projektor zu reparieren, der gar nicht kaputt ist. Es wird viel geschrien. Alles wird in Frage gestellt. Soll man ein afrikanisches Kind für 25 Euro im Monat ganz retten oder zwei für jeweils 12 Euro nur halb? Soll es ein Junge oder ein Mädchen sein? Mit oder ohne Arme? Sterben nun 80 Millionen Menschen pro Jahr an Hunger oder sind es nur acht?

Viele Fragen für 16 Menschen, die sich treffen, um eine Benefiz-Veranstaltung für Afrika vorzubereiten. Schnell entzündet sich Streit. Braucht es eine "Afro-Schwäbisch- Hallerin", die als "Abenddekoration" und "singende Schwarze womöglich noch im Baströckchen" für ein authentisches Flair sorgt?

Im Original ist das Theaterstück von Ingrid Lausund für fünf Personen geschrieben. Die zentrale Dekoration bilden fünf Stühle, die von den Darstellern in wechselnden Besetzungen belegt werden.

Die Show ohne Dias: "So sieht Hunger aus"

In der Regie von Christian Sunkel sind die fünf Charaktere des Originals jeweils auf mehre Personen verteilt. So entsteht zwischen den 16 Weltverbesserern ein spannendes Geflecht egozentrischer Profilierungsbemühungen, die fast immer im Leeren enden. Die Rettung von Afrika wird zur Plattform für die eigene Selbstinszenierung und die bisweilen vernichtende Kritik an den Gesinnungsgenossen. "Es könnte noch etwas emotionaler sein." Eine "Sexbombe", die zum Spenden anregen soll, eine Dia-Show ohne Dias: "So sieht Hunger aus."

Und ein grandios vorgetragener Wutausbruch ("Am Ende ging mir fast die Wut aus") , der überraschenderweise die Zustimmung aller findet. Das Gutmenschentum ist nur möglich, weil es aufgrund der weiteren Ausbeutung existieren kann.

Die Informationen zwischen den Streitigkeiten sind deutlich: "Die Spendenbereitschaft sinkt, weil bis zu fünf Prozent der Spenden nicht dort ankommen, wo sie hin sollen. Wer ein T-Shirt für drei Euro kauft, kann sich sicher sein, dass er zu 100 Prozent dazu beiträgt, die schlechte Lage zu erhalten."

Den 16 jugendlichen Schauspielern gelingt es sehr gut, die selbstbezogenen Motive ihrer Protagonisten herauszuarbeiten. Einzelne, bisweilen sehr lange Monologe darf man als brillant bezeichnen. Und andere, absichtlich dilettantisch dahingestotterte, ebenfalls. Kleine Schwächen, die sich am Premierenabend einschleichen, können den sehr positiven Gesamteindruck nicht mindern. Wie die Darsteller dieses anspruchsvolle Stück in der Spannung zwischen politischer Realität, schauspielerischer Fiktion und der darzustellenden dilettantischen Bruchlandung von engagierten Betroffenheitsbürgern auf die Bühne bringen, ist sehenswert.

Zum Abschluss wird es "echt". Denn die Schule, um die es im Stück geht, gibt es wirklich. Nach der Aufführung werden Spenden dafür gesammelt. Es empfiehlt sich, einen Geldschein in der Tasche zu haben. Und es empfiehlt sich der Besuch der "Rettung eines Afrikaners".

Ensemble und Termine

Mitwirkende Johannes Alber, Jennifer Darscht, Felix Ebner, Joscha Eißen, Lisanne Eklund, Janina Gerth, Lara Gutbrod, Sophie Keil, Hannah Lilienfein, Hannah Machajdik, Malte Mihatsch Clara Schnell, Juliane Wahl, Oliver Wieland, Samira Wirtz, Vivien Yamini

Aufführungen Mittwoch, 6. Mai, Donnerstag, 7. und am Freitag, 8. Mai, jeweils ab 20 Uhr in der Haalhalle.

SWP