Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek  Uhr
Die Bürgerstiftung verleiht ihren Preis an Gabriele Allmendinger-Schaal. Sie bekommt ihn für ihr Engagement im Haller Frauen- und Kinderschutzhaus.

In äußerster Not, gebrochen, verstört und nicht wirklich freiwillig kommen die Frauen und Kinder zu Ihnen“, sagt Thomas Preisendanz bei der Vorstellung von Gabriele Allmendinger-Schaal, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses in Hall. Mehr als 100 Gäste sind für die Bürgerpreisverleihung in den Adolf-Würth-Saal gekommen.

„Stellen Sie sich vor, Sie gehen heute Abend nach Hause und Sie ziehen aus einem Versteck einen Koffer hervor. Sie packen Ihre Kinder an der Hand, schließen Ihre Haustüre in dem Bewusstsein, dass Sie das für immer tun werden. Sie lassen alles zurück“, sagt Allmendinger-Schaal zu Beginn ihrer Rede. Diesen Schritt zu machen, erfordere auch ganz viel Mut und Kraft, und an diesen Stärken knüpften sie und ihr Team ihre Beratung an.

Auszeichnung Gabriele Allmendinger-Schaal bekommt den Bürgerpreis

In den vergangenen 30 Jahren habe Allmendinger-Schaal ein Team aufgebaut, auf das sie sich verlassen kann. Das den Frauen, die Gewalt erfahren haben, hilft und einen geschützten Raum bietet. Trotz der Einrichtung fehle es nach wie vor an Beratungsangeboten, im Speziellen für Kinder und Jugendliche, sagt die Preisträgerin. Ebenso für männliche Opfer.

Richard Beißer bekommt den Bürgerpreis für sein außerordentliches Engagement.

Scham, Enttäuschung und Angst begleite die Opfer von Gewalt, verdeutlicht Carolin Mauz von der Johanniter-Unfall-Hilfe in ihrer Festrede. „Die Frauen haben immer wieder die Hoffnung, dass der Partner sich ändert“, sagt sie weiter. Auf eine Phase der Gewalt folge eine Phase der Reue, dann wieder eine Phase der Gewalt, ein Teufelskreis. Und wenn die Frauen es aus dieser Spirale herausschaffen und ins Frauenhaus kommen, brauchen sie einen Raum und Anleitung, um das Erlebte zu verarbeiten. „Malen, Toben, Rollenspiele, Reden oder Gestalten helfen Kinder und Frauen dabei“, sagt Mauz.

Vier Teilzeitkräfte und 20 Ehrenamtliche kümmern sich um die traumatisierten Frauen und Kinder. „Sie reichen den Frauen eine Hand, um im Leben wieder Stand zu gewinnen.“

Eine schwere Aufgabe

„Wir sind froh, dass Sie sich um diese schwere Aufgabe kümmern, um die Frauen und Kinder“, sagt Professor Hannes-Hinrich Heißmeyer, Vorsitzender vom Kreis der Freunde und Förderer der Bürgerstiftung. „Entscheidend für den Preis war, dass auch die Kinder mit dabei sind, denn sonst hätten Sie ihn nicht bekommen“, sagt Heißmeyer und schmunzelt. Der Preis der Bürgerstiftung wird an Personen verliehen, die sich um junge Menschen in Hall verdient gemacht haben.

Der Geislinger Jugendgemeinderat wird in Bad Cannstatt für Engagement um die Demokratie vom Landessozialministerium gewürdigt.

Und das mache das Team vom Haller Frauen- und Kinderschutzhaus in herausragender Weise, sind sich die Redner einig. In der Einrichtung und auch in der Beratungsstelle in der Mauerstraße. „Wir wollen aufzeigen, es kann auch noch ein anderes Leben geben“, sagt Gabriele Allmendinger-­Schaal.

Die Arbeit mit den Frauen im Frauen- und Kinderschutzhaus sei ausreichend finanziert, nicht aber jene mit den Kindern und Jugendlichen. „Sie kommen mit eigenen Problemen, Wünschen und Bedürfnissen.“ Aufgenommen haben sie in den 30 Jahren 1265 Frauen und 1610 Kinder, verdeutlicht die Preisträgerin. Es bräuchte aber noch mehr Hilfemöglichkeiten, die noch nicht installiert seien, betont sie noch einmal. Es müsse gelingen, häusliche Gewalt nachhaltig einzudämmen.

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1984 ins Leben gerufen

Das Frauen- und Kinderschutzhaus ist eine Einrichtung der evangelischen Kirchenbezirke Crailsheim, Blaufelden, Gaildorf und Hall. Unter Federführung des Dekans Ernst Brennberger, Kirchenbezirk Hall, und dem Geschäftsführer Gottfried Loos wurde es 1984 als Teil der diakonischen Bezirksstelle Schwäbisch Hall ins Leben gerufen.

Seit 1. Oktober 1989 ist Gabriele Allmendinger-Schaal mit der Leitung betraut.

Die Finanzierung der Einrichtung erfolgt durch den Landkreis Schwäbisch Hall, mithilfe von evangelisch-­kirchlichen Eigenmitteln und Spenden.

234 Kinder machten beim Ratespiel des Kinderfestes mit. Zehn Kinder gewinnen und neun sind bei der Preisvergabe mit Margot Gropper, Mitglied des Aufsichtsrats der Bürgerstiftung, dabei. Sie bekommen ein „Stubsi“-Eichhörnchen, Nüsse und Gutscheine.

Die 17-jährige Maike Ann-Kristin Piesker begleitet auf ihrem Cello die Preisübergabe. kv